Von Deutschland nach China: Wissenstransfer im KFZ-Bereich

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Garbsen-Berenbostel.- (sm) Dr. Na Wu studierte KFZ-Technologie an der über 100 Jahre alten Traditions-Universität für Agrarwissenschaften in Hebei in Nordchina. In ihrer Promotion befasste sie sich intensiv mit Strömungstechnik anhand von Insekten-modellen aus der Natur. Im Rahmen ihres einjährigen Deutschlandaufenthaltes absolvierte Frau Dr. Wu von April bis Ende Juni ein Praktikum für Kraftfahrzeugtechnik im Förderungs- und Bildungszentrum der Handwerkskammer Hannover in Garbsen. Über ihre Erfahrungen sprach mit ihr Sabine Meyer.



sm: Frau Dr. Wu, Sie sind jetzt für ein Jahr in Deutschland. Was waren Ihre bisherigen Stationen bevor Sie zur Handwerkskammer Hannover kamen?


Dr. Wu:
Meine erste Etappe war Saarbrücken. Dort absolvierte ich mit 17 meiner chinesischen Kollegen aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen einen dreimonatigen Kurs in deutscher Sprache.


sm:
War dies Ihr erster Einstieg in unsere Sprache?


Dr. Wu:
Nein, glücklicherweise nicht. Ich nahm zuvor an einer Sprachausbildung in deutscher Schrift und Sprache an der Tongji Universität in Shanghai teil. Das hat mich schon etwas auf die Herausforderungen der deutschen Sprache vorbereitet.


sm:
Was waren Ihre weiteren Stationen nach Saarbrücken?


Dr. Wu:
Zusammen mit meinen Kollegen von den chinesischen Universitäten nahmen wir an einer sechswöchigen Ausbildung zur deutschen Sprachdidaktik in Leipzig teil. Anschließend folgte eine Qualifizierung in Magdburg zum Thema Medienentwicklung. Dabei ging es um den Umgang von Mediensoftware, die zur Verbesserung der Unterrichtsqualität an den chinesischen Universitäten und anderen Ausbildungsstätten eingesetzt werden kann.


sm:
Werden moderne Unterrichtsmedien in China genutzt?


Dr. Wu:
In China wird meist noch konventionell unterrichtet. Dadurch wirkt der Lernstoff oft trocken. Zudem fehlt es an zeitgemäßer Unterrichtsmethodik. Mit modernen Präsentationsmedien und Animationen kann insbesondere komplexer, technischer Lernstoff spannend und nachvollziehbar vermittelt werden. Zudem gibt es eine Software für die anschließenden Klausuren sowie Auswertung der Ergebnisse. Des Weiteren bietet diese Software den Unterrichtsstoff als E-Learning Einheiten an. In Deutschland werden diese Lehrmethoden mit großer Selbstverständlichkeit angewandt. Für unsere Studenten und Dozenten in China ist dies oft neu und wird daher begeistert angenommen.


sm:
Wie schätzen Sie die Qualität in der deutschen Ausbildung ein?


Dr. Wu:
Wir können viel von der Erfahrung und Kompetenz deutscher Bildungseinrichtungen lernen. Insgesamt habe ich den hohen Ausbildungsstand und die fachliche Ernsthaftigkeit der Deutschen sehr bewundert. Wir müssen auch die lange Historie der technischen Entwicklung berücksichtigen. Qualität und Kompetenz entstehen nicht über Nacht. Eine Aufgabenstellung, der wir uns in China verstärkt widmen müssen.


sm:
Welchen Eindruck haben die Menschen bei Ihnen hinterlassen, denen Sie hier begegnet sind?


Dr. Wu:
Ich habe die Menschen hier als sehr freundlich und herzlich kennengelernt. Nicht von Beginn an. Zuerst wirkten die Deutschen auf mich sehr streng und missmutig. Auch in Bus und Bahn sitzen die Menschen in sich gekehrt; sprechen nicht miteinander. Nach kurzer Zeit habe ich verstanden, dass es eine ausgeprägte natürliche Ernsthaftigkeit in der deutschen Mentalität gibt, die nichts mit schlechter Laune zu tun hat. Privat habe ich die Menschen dann fröhlich und warmherzig erlebt. Besonders hat mich die große Begeisterung zur Fussball-Europameisterschaft beeindruckt. Letztlich wurde ich auch vom EM-Fieber angesteckt und habe mir einige Spiele angeschaut. Das kannte ich so nicht. Bei uns in China ist Tischtennis der Volkssport. Die Chinesen sind da viel zurückhaltender.


sm:
Was können Sie über Ihre Zeit im Förderungs- und Bildungszentrum der Handwerkskammer Hannover (FBZ) erzählen?


Dr. Wu:
Die Zeit im Förderungs- und Bildungszentrum ist viel zu schnell vergangen. Alle Kollegen waren überraschend liebenswert. Herrn Müller, dem Leiter und Koordinator der KFZ-Abteilung, gilt mein besonderer Dank. Er hat mich mit ungeheurem Engagement in die Facetten deutscher Lebensweise eingeführt. Wir sind sehr offen miteinander umgegangen. Durch die Kollegen habe ich viel über deutsche Charaktereigenschaften gelernt: hohes Verantwortungsbewusstsein, Fleiß, Hilfsbereitschaft und große Freundlichkeit. Das hat mich sehr erstaunt. So angenehm hatte ich es mir nicht vorgestellt. Fachlich habe ich eine Reihe moderner Testverfahren im KFZ-Bereich kennengelernt insbesondere für Motoren und elektrische Anlagen. Zudem konnte ich Erfahrungen in Unterrichtsmethodik sowie im experimentellen Aufbau von Messtechnik im KFZ-Handwerk sammeln.


sm:
Wie geht es jetzt für Sie weiter?


Dr. Wu:
Meine nächste Station führt mich für einen Monat nach Berlin. Anschließend kehre ich zurück nach China, um an der Shangdong Yiaotong Universität zu lehren. Momentan bin ich einfach sehr traurig, denn ich wäre gern noch länger im FBZ geblieben. Ich bin mir sicher, dass dies eine sehr einmalige Erfahrung bleiben wird. Es war einfach toll hier.

online seit 04. Jul 2008, aktualisiert am 04. Jul 2008

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