Auswirkungen einer Reform: Mehr Betriebe, aber weniger Beschäftigte und Auszubildende im Handwerkskammerbezirk Hannover
Hannover, 27. Juli 2005.- Mit der Novelle der Handwerksordnung vom 1. Januar 2004 wollte die Bundesregierung Existenzgründungen im Handwerk erleichtern und damit mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Nach anderthalb Jahren zeigt ein Blick in die Statistik, dass dieses Ziel zumindest für den Kammerbezirk Hannover nicht erreicht wurde. Zwar ist der Betriebsbestand im Gesamthandwerk seit Inkrafttreten der Novelle gestiegen. Aber die Zahl der Beschäftigten sinkt weiter und auch erste Zahlen der Vertragsabschlüsse auf dem Lehrstellenmarkt weisen im Vergleich zum Vorjahr ein Minus auf.
Als Folge der Rezession am Binnenmarkt verlor das Handwerk viele große, leistungsfähige und ausbildungsstarke Unternehmen. Am 30.06.2005 waren insgesamt 16.768 Betriebe in der Handwerksrolle verzeichnet und damit 384 mehr als am 31.12.2004 und 911 mehr als am 31.12.2003. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum zurückgegangen. Danach waren am 30.06.2005 105.400 Menschen im Handwerk im Kammerbezirk Hannover beschäftigt, das sind 2.680 weniger als am 31.12.2004 und 6.600 weniger als am 31.12.2003. Der Rückgang bei den Beschäftigten beträgt also im ersten Halbjahr 2005 nochmals 2,5 % nach einem Minus von 3,5 % im Jahr 2004. Bei diesen Daten handelt es sich allerdings um geschätzte, vorläufige Zahlen.
Zu erklären ist dieser Widerspruch dadurch, dass der Zuwachs bei den Betriebszahlen zu einem großen Teil aus einem Anstieg in den sog. zulassungsfreien Berufen, also in den Handwerken ohne Meistervoraussetzung, resultiert. Für die selbständige Ausübung dieser 53 Berufe wird keinerlei Befähigungsnachweis verlangt. Die mit Abstand größte Zunahme der Betriebszahlen ist bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+203 im 1. Halbjahr 2005) sowie bei den Gebäudereinigern (+90 im 1. Halbjahr 2005) zu beobachten. Bei den Neuanmeldungen handelt es sich überwiegend um Kleinstbetriebe.
„Diese Neugründungen und Ich-AGs sind oft Ein-Personen-Betriebe und werden aus der Not heraus gegründet. Ob sie die ersten Jahre überstehen, ist mehr als fraglich,“ erläutert Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. Für ihn steht damit fest, dass in diesen neuen Betrieben zunächst einmal keine neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen entstehen werden. Angesichts dieser Situation steht zu befürchten, dass es zu einem schleichenden Qualitätsverlust in den zulassungsfreien Handwerksberufen und zu einem Überangebot in bestimmten Branchen kommen wird. Das wird, so Ernsting, nicht nur Konsequenzen für bereits bestehende Betriebe, sondern auch für den Verbraucher und die Ausbildung haben. Dabei ist davon auszugehen, dass wegen der fehlenden Qualifikationen ein großer Teil der neuen Kleinstunternehmen auf Dauer nicht wettbewerbsfähig sein wird.
Die vom Handwerk befürchtete Dequalifizierungsspirale ist also bereits in Gang gesetzt, denn der weit überwiegende Teil der neu eingetragenen Betriebsinhaber in den zulassungsfreien Handwerksberufen hat keine einschlägige Qualifikation vorzuweisen. Daher steht zu befürchten, dass die Ausbildungsleistungen des Handwerks zumindest mittelfristig in Gefahr geraten. Vor diesem Hintergrund konterkariert die neue Handwerksordnung nach Ansicht der Handwerkskammer Hannover alle Bemühungen, die Ausbildungsleistungen des Handwerks zu sichern und zu stärken. „Wir müssen davon ausgehen, dass in den 53 zulassungsfreien Handwerken künftig weniger ausgebildet werden wird,“ prognostiziert der Kammerhauptgeschäftsführer. „Denn wer einen Beruf selbst nicht erlernt hat, kann ihn auch nicht weiter vermitteln.“
Als Folge der Rezession am Binnenmarkt verlor das Handwerk viele große, leistungsfähige und ausbildungsstarke Unternehmen. Am 30.06.2005 waren insgesamt 16.768 Betriebe in der Handwerksrolle verzeichnet und damit 384 mehr als am 31.12.2004 und 911 mehr als am 31.12.2003. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum zurückgegangen. Danach waren am 30.06.2005 105.400 Menschen im Handwerk im Kammerbezirk Hannover beschäftigt, das sind 2.680 weniger als am 31.12.2004 und 6.600 weniger als am 31.12.2003. Der Rückgang bei den Beschäftigten beträgt also im ersten Halbjahr 2005 nochmals 2,5 % nach einem Minus von 3,5 % im Jahr 2004. Bei diesen Daten handelt es sich allerdings um geschätzte, vorläufige Zahlen.
Zu erklären ist dieser Widerspruch dadurch, dass der Zuwachs bei den Betriebszahlen zu einem großen Teil aus einem Anstieg in den sog. zulassungsfreien Berufen, also in den Handwerken ohne Meistervoraussetzung, resultiert. Für die selbständige Ausübung dieser 53 Berufe wird keinerlei Befähigungsnachweis verlangt. Die mit Abstand größte Zunahme der Betriebszahlen ist bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+203 im 1. Halbjahr 2005) sowie bei den Gebäudereinigern (+90 im 1. Halbjahr 2005) zu beobachten. Bei den Neuanmeldungen handelt es sich überwiegend um Kleinstbetriebe.
„Diese Neugründungen und Ich-AGs sind oft Ein-Personen-Betriebe und werden aus der Not heraus gegründet. Ob sie die ersten Jahre überstehen, ist mehr als fraglich,“ erläutert Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. Für ihn steht damit fest, dass in diesen neuen Betrieben zunächst einmal keine neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen entstehen werden. Angesichts dieser Situation steht zu befürchten, dass es zu einem schleichenden Qualitätsverlust in den zulassungsfreien Handwerksberufen und zu einem Überangebot in bestimmten Branchen kommen wird. Das wird, so Ernsting, nicht nur Konsequenzen für bereits bestehende Betriebe, sondern auch für den Verbraucher und die Ausbildung haben. Dabei ist davon auszugehen, dass wegen der fehlenden Qualifikationen ein großer Teil der neuen Kleinstunternehmen auf Dauer nicht wettbewerbsfähig sein wird.
Die vom Handwerk befürchtete Dequalifizierungsspirale ist also bereits in Gang gesetzt, denn der weit überwiegende Teil der neu eingetragenen Betriebsinhaber in den zulassungsfreien Handwerksberufen hat keine einschlägige Qualifikation vorzuweisen. Daher steht zu befürchten, dass die Ausbildungsleistungen des Handwerks zumindest mittelfristig in Gefahr geraten. Vor diesem Hintergrund konterkariert die neue Handwerksordnung nach Ansicht der Handwerkskammer Hannover alle Bemühungen, die Ausbildungsleistungen des Handwerks zu sichern und zu stärken. „Wir müssen davon ausgehen, dass in den 53 zulassungsfreien Handwerken künftig weniger ausgebildet werden wird,“ prognostiziert der Kammerhauptgeschäftsführer. „Denn wer einen Beruf selbst nicht erlernt hat, kann ihn auch nicht weiter vermitteln.“
online seit 01. Mrz 2006, aktualisiert am 01. Mrz 2006
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