Konjunktur im Herbst 2009: Das Handwerk trotzt der Krise. Noch!
Hannover, 09. Oktober 2009.- "Die schwerste Rezession in der Nachkriegsgeschichte hat bislang weniger Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung des Handwerks im Handwerkskammerbezirk Hannover genommen als wir befürchtet haben," das erklärte Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover jetzt bei der Vorstellung des Konjunkturberichtes für das Herbstquartal 2009. Die Geschäftslagebeurteilung liege mit 51,5 Indexpunkten nur um 5,5 Punkte niedriger als im Herbst 2008.
Damit seien - so Ernsting - die pessimistischen Prognosen, die im Frühjahr dieses Jahres abgegeben wurden, nicht eingetreten. Weniger erfreulich seien allerdings die gemeldeten Daten bei den Auftrageingängen und bei der Umsatzentwicklung. Bei diesen Konjunkturparametern verzeichneten per saldo 27 Prozent bzw. 28 Prozent der Handwerksbetriebe eine negative Entwicklung.
Als durchwachsen bezeichnete der Kammer-Hauptgeschäftsführer die wirtschaftliche Lage im Bauhandwerk. "Die Umsetzung der öffentlichen Investitionen nimmt jetzt Fahrt auf," meinte Ernsting. „Davon profitiert vor allem die Bauwirtschaft, insbesondere der Tiefbau und der Bereich Sanierung und Modernisierung. Die Hoffnung, dass das milliardenschwere Konjunkturprogramm der Bundesregierung die Baunachfrage vor dem Absturz bewahrt, ist nicht enttäuscht worden. Der Geschäftsklimaindex** sank gegenüber dem Vorjahresquartal nur um 8 Punkte."
Die übrigen Konjunkturindikatoren zeigen ein ähnliches Bild: nicht gut, aber eben auch kein Absturz. Die Auftragseingänge sind zwar per saldo in annähernd jedem dritten Betrieb gesunken, dürften aber ihren Tiefstand durchschritten haben. Entsprechend fielen die Umsätze aus. Per saldo 36 Prozent der befragten Baubetriebe mussten eine negative Umsatzentwicklung hinnehmen. Dennoch wurden in per saldo nur 4 Prozent der Betriebe Mitarbeiter entlassen.
Die beste Branchenkonjunktur weist der aktuellen Umfrage der Handwerkskammer Hannover zufolge mit 60 Indexpunkten das Ausbauhandwerk auf. Auch hier schlagen sich die Konjunkturprogramme positiv nieder. Besonders erfreulich: gegenüber dem Vorjahresquartal ist die Kapazitätsauslastung noch einmal gestiegen. Allerdings meldeten per saldo 13 Prozent der befragten Betriebe ein Auftragsminus; per saldo 15 Prozent einen geringeren Umsatz. Trotz dieser Entwicklung blieb die Mitarbeiterzahl unverändert. Auch in dieser Branche federten staatliche Programme wie das Gebäudesanierungsprogramm und der erhöhte Steuerbonus auf Handwerkerleistungen die Rezession ab.
Von der Krise heftig gebeutelt wurden im Herbstquartal 2009 vor allem die Betriebe für den gewerblichen Bedarf. Ihre Geschäftslagebeurteilung war unterdurchschnittlich, das gilt auch für die Zahl der Geschäftsabschlüsse. Annähernd jeder zweite Betrieb im Kammerbezirk verzeichnete ein Auftragsminus. Per saldo 35 Prozent der befragten Betriebe meldeten ein Umsatzminus. Die schlechte Entwicklung traf insbesondere die Elektromaschinenbauer und die Informationstechniker. Bedenkt man allerdings die katastrophale Entwicklung im Maschinenbau, einer für die handwerklichen Zulieferer traditionell sehr wichtigen Branche, sind die aktuellen Konjunkturdaten nicht verwunderlich.
Zu kämpfen hat auch das Kraftfahrzeughandwerk, das jetzt zu spüren bekommt, dass die Umweltprämie ausgelaufen ist. Noch sind die positiven Effekte der Umweltprämie allerdings zu spüren. Der Geschäftsklimaindex sank im vergleich zum Vorjahreszeitraum nur unwesentlich um 1,5 Punkte. Angesichts des durch die Abwrackprämie zurückgegangenen Reparatur- und Wartungsgeschäftes meldete per saldo jeder zweite Betrieb Auftragsrückgänge. Per saldo 56 Prozent der Kfz-Betriebe verzeichneten ein Umsatzminus.
Das Nahrungsmittelhandwerk verspürt schon seit drei Jahren konjunkturelle Schubkräfte und so ist der diesjährige herbstliche Geschäftsklimaindex mit überdurchschnittlichen 59 Indexpunkten nicht sehr überraschend. Mehr als ein Zehntel der Betriebe meldete bessere Geschäftsergebnisse. Ein gleich hoher Anteil der Betriebe sah sich mit einer nachlassenden Nachfrage konfrontiert. Die Umsätze stiegen per saldo in 7 Prozent der befragten Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien an. Selbst von der tiefen Export-, Investitions- und Produktionskrise haben sich die Bundesbürger die Kauflaune nicht gänzlich verderben lassen. Allerdings greifen die Konsumenten auch häufiger nach preisgünstigen Erzeugnissen.
Den schlechtesten Geschäftsklimaindex mit 33,5 Punkten weist das Gesundheitshandwerk auf. Auftrags- und Umsatzrückgänge in jedem zweiten Betrieb führten in dieser Handwerksbranche zu einem deutlichen Rückgang bei den Investitionen. Gleichwohl wurde in per saldo 7 Prozent der befragten Betriebe zusätzliches Personal eingestellt, allerdings vor dem Hintergrund eines massiven Abbaus in den Vorquartalen. Die Kapazitätsauslastung ist niedrig, die Investitionstätigkeit ebenfalls.
Das Dienstleistungshandwerk, das in besonderem Maße vom privaten Konsum abhängig ist, weist mit 42,5 Indexpunkten bei der aktuellen Beurteilung der Geschäftslage auf eine sich deutlich verschlechternde Konjunktur hin. Immerhin lag der Geschäftsklimaindex im gleichen Zeitraum des Vorjahres bei 52,5 Punkten. Per saldo verzeichneten 42 Prozent der befragten Betriebe einen Nachfragerückgang. Nahezu jeder zweite Betrieb meldete eine negative Umsatzentwicklung. Ursächlich hierfür dürften die seit Jahresbeginn insgesamt gesunkenen Löhne und die von den Verbrauchern erwarteten, noch schlechteren Einkommensperspektiven sein. Wie sich der private Konsum weiter entwickeln wird, das dürfte wesentlich davon abhängen, inwieweit sich der Arbeitsmarkt als widerstandsfähig erweist.
Nach den Gesamtprognosen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover ist von einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Diese Einschätzung findet sich auch im erwarteten Geschäftsklimaindex wieder. Dieser ist mit 45,5 Indexpunkten zwar um 6 Punkte schlechter als die aktuelle Geschäftslagebeurteilung, aber besser als die Erwartungen in den letzten Jahren. Zwar überwiegt die Zahl der Optimisten momentan die der Pessimisten. Der Ausblick für das nächste Jahr ist dennoch nur verhalten positiv. Der Anpassungsdruck bleibt für viele Handwerksunternehmen auch im kommenden Jahr sehr hoch, denn einige stützende Maßnahmen werden dann fehlen. Besonders zuversichtlich blicken das Nahrungsmittelhandwerk und das Ausbauhandwerk in den kommenden Geschäftsverlauf. Die handwerklichen Zulieferer hingegen zeigen nur verhaltenen Optimismus, die Dienstleistungshandwerke überhaupt gar keinen.
Die regelmäßig durchgeführte Regionalanalyse zeigt eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung gegenüber dem Herbst des letzten Jahres insbesondere in der Region Hannover (49 Indexpunkte) und in der Landeshauptstadt Hannover (47,5 Punkte). Hier wurden auch am meisten Beschäftigte freigesetzt. Während der Landkreis Nienburg eine unterdurchschnittliche Konjunktur aufweist (48,5 Punkte), bewerteten die Betriebe im Landkreis Diepholz ihre geschäftliche Lage relativ gut, wohl insbesondere auf Grund der überdurchschnittlich ausgelasteten betrieblichen Kapazitäten. Nach Angaben der Betriebe ist im Landkreis Diepholz auch ein Anziehen der Konjunktur gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres festzustellen. Hier stieg der Indexwert von 60,5 auf 61,5 Punkte. Die Betriebe des Landkreises Schaumburg bewerteten ihre Geschäftslage annähernd durchschnittlich (52,5 Indexpunkte), gefolgt von den Betrieben im Landkreis Hameln-Pyrmont (51,5 Punkte).
(** Der Geschäftsklimaindex ist die Summe der prozentualen Anteile der befragten Betriebe, die eine gute (Gewichtung = 1) bzw. eine befriedigende (Gewichtung = 0,5) Geschäftslage meldeten.)
Ansprechpartnerin für die Medien:
Downloads
- Konjunkturbericht Herbst 2009 (
983 kB)
online seit 09. Okt 2009, aktualisiert am 26. Nov 2011
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