Bilanz der bisherigen Nachvermittlungsaktionen stimmt nachdenklich

Hannover, 13. Oktober 2004.- Die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt zeigt, dass der Ausbildungspakt wirkt. Das hat ZDH-Präsident Dieter Philipp vor einigen Tagen in einer Pressekonferenz festgestellt. Auch wenn wir im Augenblick noch nicht sagen können, wie groß das Plus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk des Handwerkskammerbezirks am Jahresende ausfallen wird, so steht doch bereits heute fest: die Handwerksbetriebe haben enorme Anstrengungen unternommen, um ausreichend Plätze für qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber bereit zu stellen. Eine Leistung, die angesichts der weiterhin schwierigen konjunkturellen Lage nicht hoch genug bewertet werden kann.

Allerdings möchte die Handwerkskammer Hannover vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die wir bislang bei den Nachvermittlungsaktionen gemacht haben, vor allzu überzogenen Erwartungen warnen. In diesen Veranstaltungen ist deutlich geworden, dass längst nicht alle Bewerberinnen und Bewerber, die bei der Agentur für Arbeit als suchend gemeldet sind, wirklich einen Ausbildungsplatz suchen, also ausbildungswillig sind. Nur etwa 50 – 60 % der Jugendlichen reagieren auf die persönliche Einladung zur Nachvermittlungsaktion und erscheinen zum Termin. Auch kurzfristige Absagen oder unentschuldigtes Fernbleiben ist keine Seltenheit. Darüber hinaus ist die Zahl der Jugendlichen, die sich für einen der rd. 100 Handwerksberufe interessieren, insgesamt eher gering.

Auch was die Ausbildungsfähigkeit der Bewerberinnen und Bewerber angeht, müssen Bedenken angemeldet werden. Es fällt schwer, Schulabgänger, denen 35 Fehltage in der Schule, davon nur 8 mit Entschuldigung, im Zeugnis bescheinigt wurden, unseren Mitgliedsbetrieben für eine Lehre zu empfehlen. Das gilt auch für Jugendliche ohne Schulabschluss bzw. mit Lücken in den Lebensläufen.

Probleme bereiten dem Handwerk darüber hinaus die immer schlechter werdenden Leistungen der Schulabgänger, da wir nach wie vor einen überdurchschnittlich hohen Prozentsatz unserer Lehrlinge aus den Hauptschulabgängern rekrutieren. Wir sind aber der Meinung, dass eine solide Schulausbildung für eine erfolgreiche Berufsausbildung einfach unverzichtbar ist. Daher sollte der Ausbildungspakt nach Meinung der Handwerkskammer Hannover durch eine Bildungsoffensive ergänzt werden.

Auch wenn die Bilanz der bisherigen Nachvermittlungsaktionen aus den geschilderten Gründen nicht durchweg positiv ausfällt, wird die Handwerkskammer Hannover weiterhin alles tun, um den Ausbildungspakt mit Leben zu erfüllen. Wir halten an dem gemeinsamen Ziel der Partner im Ausbildungspakt, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen bis zum Jahresende ein Angebot auf Ausbildung zu unterbreiten, fest.

Die gute Nachricht dabei ist: In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Hannover sind zurzeit immer noch rd. 200 freie Ausbildungsplätze verzeichnet. 200 Chancen, die junge Menschen, die sich wirklich für eine Lehre im Handwerk interessieren, nicht verpassen sollten.

Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Sabine Wilp

online seit 02. Mrz 2006, aktualisiert am 02. Mrz 2006

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