Handwerksbilanz 2009: Krise hatte weniger Auswirkungen als befürchtet
Hannover, 15. Februar 2010.- "Ein schwieriges Jahr liegt hinter uns,“ erklärte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Jans-Paul Ernsting, jetzt bei der Vorstellung der Handwerksbilanz 2009. Deutschland habe im vergangenen Jahr als Folge der globalen Banken- und Finanzkrise die schwerste Rezession in der Nachkriegsgeschichte erlebt. Zum Glück habe diese Krise auf das Handwerk jedoch nicht ganz so negative Auswirkungen gehabt wie zunächst befürchtet. "Die Konjunkturpakete der Bundesregierung haben einiges abgefedert,“ so Ernsting.
So habe sich die Abwrackprämie für Kraftfahrzeuge für einen großen Teil der Kfz-Betriebe als förderlich erwiesen, auch wenn es bei den kleinen Betrieben Verlierer gegeben habe, da die Reparaturaufträge insgesamt zurückgegangen seien. Im Herbstquartal 2009 habe zudem die Konjunktur im Bau- und Ausbauhandwerk deutlich angezogen, weil endlich die öffentlichen Aufträge aus den Konjunkturpaketen I und II zur Umsetzung kamen.
Zahl der Mitgliedsbetriebe gestiegen
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist die Zahl der Mitgliedsbetriebe 2009 leicht gestiegen. Zum 31. Dezember 2009 wurden 0,9 Prozent mehr Betriebe gezählt als zum Jahresende 2008. Damit waren am 31. Dezember 2009 insgesamt 18.168 Betriebe bei der Handwerkskammer Hannover eingetragen. Das sind 159 mehr als im Jahr zuvor.
"Die positive Entwicklung bei den Betriebszahlen zeigt, dass die Selbständigkeit im Handwerk nach wie vor ein erstrebenswertes Ziel ist,“ erklärt Ernsting. Allerdings müsse man dabei berücksichtigen, dass es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfahrungsgemäß mehr Existenzgründungen gebe. Wer seinen Job verliere, der suche sein Heil oftmals in der Selbstständigkeit. Nicht immer seien diese Bemühungen aber von Erfolg gekrönt. Denn die Anforderungen an Betriebsinhaber seien hoch, und ohne entsprechende Qualifikationen wie beispielsweise dem Meisterbrief sei es schwierig, sich auf Dauer am Markt zu etablieren.
Zulassungspflichtige Handwerke nach wie größte Gruppe
Mit insgesamt 11.342 Betrieben gehört das Gros der Betriebe nach wie vor zum zulassungspflichtigen Handwerk (Anlage A), also zu den Gewerken, in denen ein Meistertitel oder eine gleichwertige Qualifikation vorausgesetzt wird. Allerdings ging diese Zahl erneut zurück (-64 Betriebe). Das sind Im Vergleich zum Vorjahr 0,6 Prozent weniger.
Gruppe der zulassungsfreie Handwerke wächst weiter
Rund 38 Prozent der Betriebe des Handwerkskammerbezirks Hannover gehören mittlerweile zum zulassungsfreien Handwerk der Anlage B1 und zu den handwerksähnlichen Gewerben der Anlage B2. 3.393 Betriebe waren zum Jahresende 2009 in der Anlage B1 eingetragen. Wie bereits in den Vorjahren nimmt diese Gruppe weiter zu. Der Zuwachs beträgt 7,9 Prozent (+249 Betriebe).
Die Zuwächse bei den zulassungsfreien Handwerken, die ohne jegliche handwerkliche Qualifikation ausgeübt werden dürfen, haben sich weiter erhöht. Erneut waren es vor allem das Gebäudereinigerhandwerk, in dem die Zahl noch einmal nach oben ging (+97 Betriebe/12,6 Prozent).
Nach wie vor gehören natürlich zur Gruppe der B1-Berufe noch zahlreiche Meisterbetriebe. Aber sie wurden fast ausnahmslos in der Zeit vor der Handwerksnovelle von 1994 gegründet. Mittlerweile hat sich das Gründungsgeschehen in manchen Berufsgruppen drastisch geändert. "Die wenigstens Neugründer im Bereich der Anlage B1 haben noch einen Meisterbrief,“ erklärt Ernsting.
Weiterhin rückläufig ist die Zahl der handwerksähnlichen Betriebe. Sie belief sich Ende 2009 auf 3.433. Hier war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 0,8 Prozent zu verzeichnen (-26 Betriebe).
Dequalifizierungsspirale wird mit Sorge beobachtet
"Es erfüllt uns nach wie vor mit großer Sorge, dass neue Betriebe vor allem im zulassungsfreien Bereich entstehen, also dort, wo keine Qualifikationsnachweise für die Gründung erforderlich sind,“ erklärte der Kammerhauptgeschäftsführer. "Mittel- und langfristig bedeutet dies, dass hier Qualifikation verloren geht und weniger ausgebildet wird.“
Wenig erfreulich: die Entwicklung der Umsätze und Beschäftigtenzahlen
Wenig erfreulich war die Entwicklung der Umsätze und Beschäftigtenzahlen. Trotz leicht steigender Betriebszahlen entwickelten sich die Umsätze negativ. Rund 6,88 Mrd. Euro setzte das Handwerk im Handwerkskammerbezirk Hannover in den letzten 12 Monaten um. Das entspricht einem Minus von 3,5 Prozent. Auch bei den Beschäftigtenzahlen musste das Handwerk im letzten Jahr einen leichten Rückgang verzeichnen (- 1,5 Prozent). Danach waren am 31.12.2009 im Handwerk des Kammerbezirks Hannover 103.590 Menschen beschäftigt.
"Angesichts der globalen Wirtschaftskrise sind die Rückgänge beim Umsatz und den Beschäftigtenzahlen allerdings nicht verwunderlich“, betonte Ernsting und sein Ausblick in das Jahr 2010 fiel auch nur verhalten optimistisch aus. "Die Belebung der Konjunktur, die wir im Herbst zu spüren bekommen haben, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass wir wieder ein schwieriges Jahr vor uns haben. Es bestehen weiterhin erhebliche Unsicherheiten.“ Niemand könne mit Gewissheit sagen, ob die Krise bereits überstanden sei oder nicht, so Ernsting.
Ansprechpartnerin für die Medien:
online seit 15. Feb 2010, aktualisiert am 15. Feb 2010
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