Bilanz 2003
Hannover, 12. Mai 2004.- „Wenn wir heute Bilanz ziehen, dann kann uns das Ergebnis nicht froh stimmen.“ So fasste der Präsident der Handwerkskammer Hannover, Walter Heitmüller, die Ereignisse des Jahres 2003 zusammen. Die Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen speziell für kleine und mittelständische Unternehmen, die tausende von Handwerkerinnen und Handwerkern im Januar und Februar 2003 auf bundesweiten Demonstrationen erhoben hätten, seien ungehört verhallt.
Die konjunkturellen Rahmenbedingungen seien weiterhin ausgesprochen negativ. Das Handwerk stecke immer noch in der tiefsten Krise der Nachkriegszeit. Von einem Silberstreif am handwerklichen Konjunkturhimmel könne nach wie vor keine Rede sei. Im Gegenteil: Im Frühjahr 2004 sei die Stimmung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nochmals gesunken und liege nun mit 29,5 Indexpunkten beim niedrigsten Wert, der für das Gesamthandwerk im Kammerbezirk jemals gemessen wurde. „Wenn nicht bald eine Änderung eintritt,“ so Heitmüller „dann sind weitere Umsatzeinbrüche und die Entlassung von Beschäftigten zu befürchten.“
Auch die monatelange Diskussion um die Novellierung der Handwerksordnung habe zu starken Verunsicherungen geführt. Der Kompromiss vom Dezember 2003 mit der Aufspaltung des Handwerks in 41 zulassungspflichtige Handwerksberufe, in denen der Meisterbrief weiterhin Voraussetzung für die Existenzgründung sei, und 53 zulassungsfreie Handwerksberufe, in denen überhaupt kein Befähigungsnachweis mehr verlangt werde, könne nicht wirklich befriedigen. Bereits wenige Monate nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes sei vielmehr deutlich geworden, dass die befürchtete Dequalifizierung in Teilbereichen des Handwerks nicht nur Schreckgespenst sei, sondern Wirklichkeit.
Als halbwegs erfreulich sei mit Blick auf die Zahlen des abgelaufenen Jahres zu werten, dass die Betriebszahlen nur um 0,2 % geschrumpft seien und damit weitgehend stabil gehalten werden konnten. So waren am 31.12.2003 15.857 Betriebe in der Handwerkskammer Hannover eingetragen, 28 weniger als Ende 2002. Weniger erfreulich: der Rückgang der Umsätze um 2,8 % auf 6,94 Mrd. Euro (Vorjahr: 7,14 Mrd. Euro).
Bei den Lehrlingszahlen muss ebenfalls erneut ein Rückgang vermeldet werden (- 4,7 %). Waren Ende 2002 noch 10.943 Lehrlinge im Handwerk des Kammerbezirks Hannover in Ausbildung, so lag die Vergleichszahl am 31.12.2003 bei 10.433. Positiv zu werten ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass mit 3.722 neu eingetragenen Lehrverhältnissen in diesem Bereich erstmals seit 1999 wieder ein leichtes Plus zu verzeichnen war (+ 0,6 %).
Auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Dipl.-Kfm. Jans-Paul Ernsting, machte in seinem Bericht deutlich, dass die Reform des Handwerksrechts die Arbeit der Handwerkskammer keineswegs einfacher machen werde. „Die Aufspaltung des Handwerks in zulassungspflichtige und zulassungsfreie Handwerk macht die Handwerkskammern zu einer Art multikultureller Selbstverwaltungseinrichtungen, denn das Handwerk wird in Zukunft alles andere als ein homogenes Gebilde sein,“ erklärte Ernsting.
Nicht zuletzt diese Tatsache mache aber deutlich, dass auch eine Handwerkskammer als Selbstverwaltungseinrichtung der Wirtschaft vor der Herausforderung stehe, sich ständig zu verändern und zu erneuern, um die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit des Handwerks langfristig sicherzustellen. Die Handwerkskammer Hannover befinde sich mitten in diesem Restrukturierungsprozess, der auch im laufenden Jahr weiter fortgesetzt werde.
Er sei, so Ernsting, davon überzeugt, dass ohne eine freiheitliche und schlagkräftige Selbstverwaltung der politische Einfluss des Handwerks dramatisch sinken würde und die Finanzierung der Bildungseinrichtungen, die für einen hohen Qualitätsstandard handwerklicher Leistungen unverzichtbar sind, nachdrücklich gefährdet wäre. Um allerdings auch in Zukunft kostengünstig und effizient die Interessen ihrer Mitglieder vertreten zu können, müsse die Handwerkskammer Hannover sich künftig stärker als bisher auf die Wahrnehmung von Kernaufgaben beschränken und Mittel und Wege finden, Leistungen zu erbringen, die für die Mitgliedsbetriebe der Kammer wirklich wichtig und zudem geeignet seien, auch für das Unternehmen „Kammer“ zu wirtschaftlichen Vorteilen (Erträgen) beizutragen.
Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Sabine Wilp