Innovation sichert Arbeitsplätze

Anderthalb Jahre Entwicklungszeit und einiges an finanzieller Vorleistung setzte Zahntechnikermeister Volker Bien aus Sehnde ein, bevor sein neuer Gipsabscheider auf den Markt gebracht werden konnte. Die innovative Entwicklung verwandelt anfallende Gipsschlämme in Dentallaboren in eine feste Masse, die sauber, schnell und umweltfreundlich entsorgt werden kann. Für Bien bedeutet das eine zusätzliche Einnahmequelle und für seine Mitarbeiter einen sichereren Arbeitsplatz in einer gebeutelten Branche.

Im Bundesdurchschnitt haben die Zahntechniklabore seit der letzten Gesundheitsreform rund 40 Prozent Auftragseinbrüche zu verzeichnen. "Die Patienten müssen mehr zuzahlen und lassen deshalb nur noch das nötigste machen", erläutert Volker Bien die Entwicklung seit dem 1. Januar 2005. So musste auch er, wie viele seiner Kollegen, reagieren und hat sechs von 23 Mitarbeitern in seinem Zahntechniklabor in Sehnde entlassen. Weniger als eigentlich notwendig, denn ein paar seiner Leute hat er in die Entwicklung eines neuen Gipsabscheidesystems eingebunden, das die Entsorgung von Gipsabfällen in Dentallaboren ab jetzt effektiver und wirtschaftlicher möglich macht.

Schon lange hatte sich Zahntechnikermeister Bien, der seit 15 Jahren selbständig ist, darüber geärgert, dass die Gipsabfälle im Labor so unhandlich zu entsorgen sind und die Abflüsse verstopfen. 1,6 Tonnen Gips verwendet ein durchschnittliches Zahntechniklabor jedes Jahr. 500 bis 600 Kilo gelangen davon in die Kanalisation, der Rest muss mühevoll und schlammignass doppelt und dreifach in Plastiktüten verpackt werden, damit bei der Entsorgung kein Unglück passiert. Die herkömmlichen Gipsabscheider sondern 30 bis 40 Prozent der Schlämme ab. Das reicht noch längst nicht, sagte sich Bien und investierte anderthalb Jahre, um eine bessere Lösung zu finden. Ziel: Eine Verfahrensweise zu entwickeln, die dem Schlamm so viel Feuchtigkeit entzieht, dass einmal pro Woche "ein Backstein entsorgt werden kann".

Durch reines Experimentieren hat Bien die Zusammensetzung des Sedimentationsbeschleunigers so lange verändert, bis die Ausflockung bereits im Waschbecken viel besser funktionierte. Zusammen mit einem, von Bien selber hergestellten, Filtertuch sorgen es dafür, dass sich bereits 70 bis 80 Prozent des Gipses im Waschbecken vom Wasser trennt und damit gut zu entsorgen ist. Der Rest wird in einem Behälter im Unterschrank herausgefiltert. Die Arbeitsersparnis ist enorm: Fünf satt 60 Minuten säubern die Mitarbeiter von Bien die Waschbecken. Und auch die Umwelt profitiert, wenn nicht mehr 25 Kilo Schlamm pro Woche und Labor in die Kanalisation gelangt, sondern eine 2,5 Kilo schwere Festmasse einfach in den Hausmüll geworfen werden kann.

Die ersten zehn Anlagen sind mittlerweile produziert und warten auf Abnehmer. Da Bien auch Arzneimittelgroßhändler ist, will er seine Erfindung über diesen Weg an Dentallabore in ganz Deutschland verkaufen. Und wenn alles gut klappt, will er seine alten Mitarbeiter wieder einstellen, die seine Erfindung herstellen und vertreiben sollen. (see, 05.10.2005)

online seit 07. Mrz 2006, aktualisiert am 07. Mrz 2006

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