Frauen führen anders
Andrea Kindscher bietet ihren Mitarbeitern mehr Freiräume und stellt hohe Ansprüche an das Betriebsklima. Denn eine gute Stimmung in der Werkstatt motiviert die Mitarbeiter und macht einen guten Eindruck auf die Kunden. Durch Gespräche auf Augenhöhe fördert sie das mitdenkende Potenzial ihrer Beschäftigten.
„Bei mir geht es nicht ganz so streng zu wie bei meinem Vater. Ich führe eher an der langen Leine und übertrage auch Verantwortung. Das geht aber alles selbstverständlich nur, weil meine gesamte Mannschaft hinter mir steht und ich mich hundertprozentig auf sie verlassen kann“, sagt Andrea Kindscher. Die Kraftfahrzeugtechnikermeisterin hat vor nunmehr 20 Jahren die väterliche Kfz-Werkstatt in Hannover übernommen, wie sie es seit dem Abitur geplant hatte. Nur musste sie zunächst einmal ein wenig „Seeluft schnuppern“ und hat an der Fachhochschule Wilhelmshaven Betriebswirtschaft studiert, bevor sie die Lehre als Kfz-Elektronikerin im elterlichen Betrieb anschloss. Als technisch interessierte Tochter eines begeisternden Unternehmers kam eigentlich nie etwas anderes in Frage.
Seit 36 Jahren bietet die freie Werkstatt ihren Kunden den Bosch Car Service. „In den Anfangsjahren durften wir nur Kfz-Elektrik machen, wir hatten nicht einmal einen Bremsenprüfstand, und mussten einige Kunden in andere Werkstätten schicken. Vor ein paar Jahren haben wir uns durchgesetzt und dürfen seitdem alles reparieren“, erzählt die 48-jährige Meisterin.
Als Franchisenehmerin hat man Vor- und Nachteile. Die Werkstattausstattung ist vorgeschrieben ebenso gibt es Regeln für Werbung und Marketing. Dass die Mitarbeiter regelmäßig zur Schulung müssen ist ein Vorteil, auch wenn die Kosten dafür hoch sind. Dafür haben die sieben Mitarbeiter jederzeit Zugriff auf die neuesten technischen Daten und die mordernsten Diagnosegeräte.
Die Abwrackprämie hat sich bisher nicht bei Kindscher bemerkbar gemacht. „Ich habe eher Kunden mit Mittelklassewagen, die die Prämie nicht so stark in Anspruch genommen haben“, sagt Kindscher. Es sind ohnehin nicht nur PKWs, die in der Werkstatt repariert werden, sondern es kommen auch Trecker aus Engelbostel in die Werkstatt oder Kunden mit Rasenmähern, Motorrädern oder große Schaufellader, die elektronische Probleme haben. Ab und an gibt es auch einen Außeneinsatz, wenn Mitarbeiter von Kindscher zum Mittelladkanal fahren und Motor, Heizung oder das Notstromaggregat eines Binnenschiffes wieder flott machen.
Und wer einmal in der Werkstatt in Hainholz war, der komme wieder. „Bei uns sind die Kunden keine Nummern, wir pflegen das Gespräch und kennen nach der ersten Reparatur das Fahrzeug“, erläutert Kindscher das Rezept für den Erfolg.
online seit 24. Feb 2010, aktualisiert am 24. Feb 2010
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