Handwerkskonjunktur im Frühjahr 2010: Kein wirkliches Frühlingserwachen
Hannover. 01. April 2010.- „Der lange und eisige Winter hat die Hoffnungen auf eine rasche und nachhaltige Erholung der deutschen Wirtschaft zunichte gemacht,“ das erklärte Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, jetzt bei der Vorstellung des aktuellen Konjunkturberichts. So sei der Ifo-Geschäftsklimaindex nach zehn Anstiegen in Folge im Februar erstmals wieder leicht gesunken. Bei der Konsumnachfrage setze sich die Schwächetendenz der vergangenen Jahre fort.
Ernsting verwies darauf, dass die Ursachen hierfür in den bedingt durch Kurzarbeit erstmals zurück gegangenen Bruttoeinkommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie in den zunehmenden Arbeitslosenzahlen zu suchen sind. Gleichwohl zeige die aktuelle Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer Hannover eine leicht verbesserte Geschäftslage* im Gesamthandwerk bei einer zwar negativen Auftrags- und Umsatzentwicklung, aber guter Kapazitätsauslastung. Allerdings habe sich der Preisüberwälzungsgrad verschlechtert. Das gelte auch für die Investitionstätigkeit. In per saldo 14 Prozent der Betriebe wurde die Beschäftigtenzahl reduziert.
Die Geschäftslagebeurteilung im Bauhandwerk zeige zu Beginn 2010 gemessen am Vorjahresquartal wieder nach oben. Darauf wies der Kammerhauptgeschäftsführer hin. Gleichwohl bleibe die Baukonjunktur labil. 19 Prozent der befragten Baubetriebe hätten eine bessere, ein weiteres Drittel eine unveränderte Geschäftslage gemeldet. Nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern auch der strenge Winter setze dieser Handwerksbranche zu. Auch die erwartete Geschäftslage erreiche immerhin 63,5 Indexpunkte. Ursächlich hierfür seien die Bauprojekte, die das Konjunkturprogramm II möglich gemacht habe. Allein für die Sanierung von Schulgebäuden und Jugendeinrichtungen in der Region Hannover, für die 30 Millionen Euro zur Verfügung stehen, seien bereits Aufträge mit einem Volumen von rund 18 Millionen Euro vergeben worden.
Im Ausbauhandwerk stieg der Indexwert ebenfalls angesichts deutlich geringerer Auftrags- und Umsatzrückgänge um immerhin 5,5 Indexpunkte. Während die Umsätze in nahezu jedem fünften Betrieb zurück gingen, war dies bei den Aufträgen in jedem vierten befragten Betrieb der Fall.
Die Erwartungen in den kommenden Geschäftsverlauf bezeichnete Ernsting als verhalten optimistisch. Mit einem Indexwert von 52,5 Punkten lägen sie leicht über den Erwartungen im Frühjahr 2008. Hier dürfte die Entscheidung der Bundesregierung eine Rolle spielen, die Zuschüsse für die energetische Gebäudesanierung für das laufende Jahr aufzustocken und zwar um 400 Millionen Euro auf nunmehr 1,7 Mrd. Euro für 2010.
Weniger erfreulich verlief die konjunkturelle Entwicklung im hannoverschen Zulieferhandwerk. Mit einem Indexwert von 43 Punkten bei der Beurteilung der eigenen Geschäftslage ist das Stimmungsbarometer annähernd unverändert geblieben. Die verhaltene Geschäftslagebeurteilung ist auf das Auftragsminus zurückzuführen, das dennoch zu einer guten Kapazitätsauslastung im Berichtsquartal führte. Dies wohl vor diesem Hintergrund einer äußerst zurückhaltenden Investitionstätigkeit in den vergangenen Monaten.
Die Stimmung im Kraftfahrzeughandwerk – das macht die Konjunkturauswertung deutlich - ist eisig. Mit 25 Indexpunkten ist die Beurteilung der Geschäftslage die schlechteste Beurteilung seit mehr als fünf Jahren. Die Auftragseingänge sind in per saldo 78 Prozent der befragten Betriebe gesunken, die Umsatzentwicklung sieht etwas besser aus; hier meldeten 45 Prozent der befragten Kraftfahrzeugwerkstätten ein Minus.
Stetig bergauf geht es mit der Geschäftslagebeurteilung im Nahrungsmittelhandwerk. So hat sich im Berichtsquartal der Indexwert weiter verbessert und liegt mit 56 Punkten um 4,5 Punkte über dem entsprechenden Indexwert des Vorjahresquartals. Ursächlich hierfür ist die gute Kapazitätsauslastung der Betriebe dieser Branche.
Wenig erfreulich ist nach wie vor die wirtschaftliche Lage in den Gesundheitshandwerken, die einen Geschäftsklimaindex von lediglich 30,5 Indexpunkten erreichten. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten ist allerdings - gemessen am Gesamthandwerk - leicht überdurchschnittlich. Ungeachtet weiterer Auftrags- und Umsatzrückgänge erfolgten wie auch schon im Nahrungsmittelhandwerk in per saldo 4 Prozent der befragten Betriebe Personaleinstellungen.
Angesichts der durchwachsenen Verbraucherstimmung sieht es auch in den Dienstleistungshandwerken nicht besser aus als in den Vorjahresquartalen. Mit einer Geschäftslagebeurteilung von 35 Indexpunkten liegt diese Branche um einen Punkt unter dem Vorjahresquartalswert.
Die Erwartungen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover sind bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung im Kammerbezirk eher von Zuversicht geprägt. So fallen die Prognosen gegenüber denen des Vorjahresquartals besser aus. Nur das Kraftfahrzeughandwerk ist ausgesprochen pessimistisch in Bezug auf die Auftragsentwicklung.
Das Bauhandwerk hingegen geht mit Optimismus ins kommende Quartal und erwartet wesentlich bessere Geschäftsergebnisse als im abgelaufenen Quartal. 40 Prozent der befragten Betriebe dieser Branche erhoffen sich eine bessere Geschäftslage, nur 13 Prozent der Betriebe gehen von schlechteren Geschäftsergebnissen aus. Zudem wird von Auftrags- und Umsatzzuwächsen ausgegangen.
Die Regionalanalyse des ersten Quartals 2010 zeigt eine positive konjunkturelle Entwicklung in immerhin vier Landkreisen des Kammerbezirks. In der Region Hannover und in der Landeshauptstadt Hannover hingegen hat sich die Konjunktur, wenngleich auch in unterschiedlichem Maß, abgekühlt.
Am günstigsten bewerteten die Betriebe des Landkreises Diepholz (52,5 Indexpunkte) und des Landkreises Nienburg ihre Geschäftslage (52 Punkte), gefolgt von den Betrieben des Landkreises Hameln (49,5 Punkte) des Landkreises Schaumburg (46 Punkte).
Am schlechtesten bewerteten die Betriebe der Landeshauptstadt Hannover ihre Geschäftslage. In der Landeshauptstadt Hannover wurde lediglich ein Indexwert von 39,5 Punkten erreicht, während die Region Hannover einen Indexwert von 40,5 Punkten erzielte. Die Beurteilung der Konjunktur hängt eng mit der regionalen Auftragsentwicklung und mit der Auslastung der betrieblichen Kapazitäten zusammen.
*Der Geschäftsklimaindex ist die Summe der prozentualen Anteile der befragten Betriebe, die eine gute (Gewichtung = 1) bzw. eine befriedigende (Gewichtung = 0,5) Geschäftslage meldeten
Ansprechpartnerinnen für die Medien:
Christine Seeger und
Downloads
- Konjunkturbericht Frühjahr 2010 (
550 kB)
online seit 01. Apr 2010, aktualisiert am 01. Apr 2010
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