In der Sommerausstellung der Handwerksform Hannover sieht man ROT!


Hannover, 02. Juni 2005.- Rot – diese Farbe setzt deutliche Signale. Signale, die man einfach nicht übersehen kann. Rote Stoppschilder und rote Ampelsignale weisen unmissverständlich darauf hin, dass es an dieser Stelle nicht weitergeht. Rote Fahnen stehen für eine bestimmte politische Grundhaltung. Rot weckt Emotionen wie kaum eine andere Farbe, positive wie negative. Rot steht für Liebe, Hass, Macht, Zorn, Zielgerichtetheit, Durchsetzungskraft, Impulsivität und Stärke. Rot ist die Farbe des Feuers, des Blutes, der Leidenschaft und der Erotik. Rote Lippen, rote Rosen, rotes Herz. Rot lässt einfach niemanden kalt.

Nach der Ausstellung „Die Farbe Weiß“, die im Sommer 2003 für Furore sorgte, kann man im Juni und Juli 2005 in der Handwerksform Hannover „rot sehen“. 61 angewandte Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz aus den Werkbereichen Glas, Gold und Silber, Keramik, Holz, Leder, Papier und Textil zeigen, was ihnen zu diesem Thema eingefallen ist.


Die Assoziationen, die die Teilnehmer zum Thema „Rot“ entwickelt haben, sind vielfältig. Rot gleich Feuer: dieses Thema hat die Goldschmiedin und Metallgestalterin Rita Franze (Hildesheim) bearbeitet. Für sie besitzt Schmuck nicht nur dekorativen Wert, sondern auch einen hohen Kommunikationsgehalt. Schmuck kann informieren und auszeichnen, Geschichten erzählen oder Geheimnisse hüten. Rita Franze liebt das Spiel mit Formen und das Experiment mit Materialien. Ausgangspunkt für die roten Arbeiten, die sie in der Handwerksform Hannover zeigt, war ihre Diplomarbeit zum Thema „Element Feuer“ aus dem Jahr 2003. Feuer ist faszinierend, sein ambivalentes Wesen gibt immer wieder Rätsel auf. Es kann erfreuen, aber auch zerstören. Daraus hat Rita Franze ihren konstruktiv angelegten Hals- und Fingerschmuck „Feuerzungen“ entwickelt, der durch Wärmeeinwirkung verformt wurde.


Anklänge an die Feuerthematik lassen sich auch bei Claudia Westhaus, Goldschmiedin aus Hamburg, entdecken. Einer der in der Ausstellung gezeigten Ringe aus 925er Silber mit rotem Lack wurde inspiriert durch das Märchen „Das Mädchen mit den Zündhölzern“. Westhaus möchte mit ihren Arbeiten, die von pflanzlichen Strukturen inspiriert sind, Schmuckstücke schaffen, die den Körper umspielen und Leichtigkeit und Transparenz vermitteln. Dabei wird Farbe zur Akzentuierung einzelner Elemente eingesetzt. Rot wirkt hier als Signal oder Verführung.


Ganz anders die Assoziationsketten von Detlef Kunen. Der Keramikkünstler aus Dülmen zeigt drei Würfelobjekte aus gebranntem Steinzeug in ziegelroter Farbe. Er hat mit den Buchstaben des Wortes „Rot“ gespielt und daraus „Tor“ und „Ort“ geformt. Jedes seiner Objekte ist einem dieser Begriffe zugeordnet. Ein reiner roter Würfel für die Grundfarbe Rot, ein weiterer mit eingeschnitten Toren und ein dritter mit den Zinnen einer Stadt. Dazu gehört jeweils eine Wortliste, die das Grundwort weiter variieren: Rot, Abendrot, Blutrot, Dunkelrot; Tor, Armer Tor, Eingangstor, Fußballtor, Torschlusspanik; Ort, Ortsausgang, Ortsvorsteher, Ortswechsel, Standort, Urlaubsort.


Michaela Maria Möller (Koblenz) hat einen „Roten Vorhang“ aus Glas kreiert. Für sie ist Rot die Farbe der Liebe, des Hasses und des Blutes, aber eben auch eine politische Farbe. Ihr roter Glasvorhang besteht nicht aus schwerem rotem Stoff, symbolisiert keine Grenze zwischen Ost und West oder zwischen Kapitalismus und Kommunismus, denn diese Zeiten sind vorbei. Es ist ein Vorhang aus transparentem, lichtbrechendem Material, locker aufgehängt. Ein Vorhang, der versucht, rot zu beschreiben, und sich doch nur annähern kann. Um diese Wirkung zu erreichen hat sie Glaselemente, auf denen mit eingebrannter roter Farbe Wortassoziationen dargestellt sind, mit Kunststoffummanteltem Drahtseil und Quetsch-Ösen locker, aber dennoch stabil zu einem Gesamtgebilde montiert, das mit Metallringen an einer Metallstange verschiebbar eingehängt ist.


Und manchmal ist rot auch einfach nur rot, schön rot. In unzähligen Schattierungen ist es in der Ausstellung zu sehen: purpurrot, scharlachrot, karminrot, kadmiumrot, krapprot, zinnoberrot, feuerrot, weinrot, bordeauxrot, orangerot, hellrot, rosarot, himbeerrot oder rubinrot. In leuchtenden Farbschattierungen und extravaganter Schnittführung kommt zum Beispiel das Abendkleid aus der Werkstatt von Barbara Diabo (Berlin) daher, das einem geradezu entgegen ruft: „Schau mich an!“ Nicht weniger auffallend die roten Hutkreationen von Daniela M. Bauer (Vorra), die Bambusvasen von Elke Bauer (München), die „kunstvollen Behältnisse für die persönlichen Dinge der Frauen“ von Ute Schneider (München), die roten Schnabelschuhe von Sibylle Hahn-Wienhold (Hannover), die Unterarmtasche aus Kalblackleder in Kussmundform von Almut Bialas (Düsseldorf), die Mehrwegflaschen von Therese Jaensch-Pulm (Echzell), die Glasserie „Rotaktion“ von Hans Jürgen Westphal (Keitum) und der Filzschmuck und die roten Papierfadenobjekte von Henriette und Martin Tomasi.


Wer wissen möchte, wie „Rot“ auf ihn wirkt, der sollte die Ausstellung in der Handwerksform Hannover auf keinen Fall verpassen. In Zusammenarbeit mit der Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk wird darüber hinaus ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Ausstellung angeboten. (Voranmeldung erforderlich) Das vollständige Programm ist im Internet zu finden unter www.handwerksform.de.


Nachtschwärmer haben in diesem Jahr übrigens die Gelegenheit, die Ausstellung „ROT!“ während der Langen Nacht der Museen am 11.06.2005 (ab 18 Uhr) zu besuchen, an der sich die Handwerksform Hannover erstmalig beteiligt.


Ausstellungseröffnung:
Samstag, 04. Juni 2005, 12 Uhr

Ausstellungstermin:
04. Juni 2005 bis 02. Juli 2005

Ausstellungsort:
Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover

Öffnungszeiten:
Di - Fr 11-18, Sa 11-14, So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen

Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Sabine Wilp

online seit 27. Feb 2006, aktualisiert am 27. Feb 2006

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