Handwerkskammer Hannover bezeichnet Anzeigenkampagne des Bundeswirtschaftsministeriums als irreführend

Hannover, 28. Juni 2005.- Den rd. 140.000 Beschäftigten des Handwerks, die 2004 ihren Arbeitsplatz verloren haben, müssen die großformatigen Anzeigen des Bundeswirtschaftsministers, die derzeit in allen Tageszeitungen geschaltet werden, nahezu zynisch vorkommen. „Mit dem Handwerk geht es aufwärts“ heißt es da und als Beleg dafür wird die Gründung von mehr als 40.000 Handwerksbetrieben gewertet.

„Einfach unglaublich,“ findet der Präsident der Handwerkskammer Hannover diese teure, irreführende und völlig überflüssige Anzeigenkampagne. „Von einem Aufwärtstrend im Handwerk ist nicht nur im Kammerbezirk Hannover nichts zu spüren. Die Umsätze sind im vergangenen Jahr vielmehr um 2,1 % zurückgegangen, die Zahl der Beschäftigten sogar um 3,5 %. Wie man dies als Erfolg verkaufen kann, ist mir völlig schleierhaft.“


Richtig ist, dass wie in der Anzeige behauptet, die Betriebszahlen gestiegen sind, allerdings in einem schrumpfenden Markt, und das bedeutet, der (Auftrags-)Kuchen für den einzelnen Betrieb wird immer kleiner. Als Folge der Rezession am Binnenmarkt verliert das Handwerk große, leistungsfähige und ausbildungsstarke Betriebe. Bei den Neuanmeldungen handelt es sich demgegenüber vorwiegend um Klein- und Kleinstbetriebe. So ist die durchschnittliche Beschäftigtenzahl je Betrieb seit 1999 von 8,5 auf inzwischen nur noch 6,6 Beschäftigte gesunken. Diese Entwicklung wird nicht ohne Konsequenzen für die Ausbildungsmöglichkeiten bleiben, denn je kleiner die Betriebe im Durchschnitt sind, desto weniger wird ausgebildet.


„Auch die in der Anzeigenkampagne gemachte Aussage, dass es einen deutlichen Aufschwung bei zulassungsfreien Handwerken gibt, ist mit großer Vorsicht zu genießen,“ erläutert Dipl.-Kfm. Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. „Die Nachhaltigkeit der Betriebsgründungen im zulassungsfreien Bereich wird von uns stark in Zweifel gezogen, denn mehr als 80 Prozent der Gründer in diesen Berufen haben keine einschlägige berufliche Qualifikation. Die von uns befürchtete Dequalifizierungsspirale ist also bereits in Gang gesetzt. Darüber hinaus ist der Anteil der Gründer aus den neuen EU-Beitrittsländern in Osteuropa sehr hoch. Auch hier handelt es sich in der Regel nicht um wirkliche Betriebsgründungen, sondern um Scheinselbständige, die zu Billiglöhnen bei uns arbeiten und damit reguläre Beschäftigung vom Markt verdrängen. Allein der Bausektor verlor 2004 bundesweit mehr als 105.000 Arbeitsplätze.“


Die Vertreter des Handwerks schmerzt besonders, dass die Neuregelung der Handwerksordnung als Bürokratieabbau verkauft wird, der Arbeit schafft. Dabei handelt es sich bei der Abschaffung von geprüfter Qualifikation als Zulassungsvoraussetzung für die Existenzgründung im Handwerk nach Ansicht der Handwerkskammer Hannover nicht um Bürokratieabbau, sondern um eine falsche bildungspolitische Weichenstellung. Denn die Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum in der Zukunft sind Bildung und Qualifikation.


Kammerpräsident Heitmüller und Hauptgeschäftsführer Ernsting sind sich daher einig: „Wir empfehlen allen im Handwerk Tätigen daher nur eines: Glauben Sie nicht an Märchen aus dem Ministerium, sondern setzen Sie auf Qualifikationen wie die Meisterprüfung. Damit beweisen Sie, dass zu den Besten Ihres Fachs gehören, dass Sie ausbilden können und dass Sie etwas von Betriebsführung verstehen.“


Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Sabine Wilp

online seit 01. Mrz 2006, aktualisiert am 01. Mrz 2006

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