Handwerk von Energiekostenexplosion massiv betroffen

Hannover, 03. November 2008.- Die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Energiekosten belasten die mehr als 18.000 Handwerksbetriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover in einem bisher nicht bekannten Ausmaß. Es gibt dabei fast keine Branche im Handwerk, die davon nicht betroffen ist. Das ist das Ergebnis einer Umfrage zum Thema „Energieeinsparungen im Handwerk", die die Handwerkskammer Hannover jetzt durchgeführt hat. Beteiligt haben sich 1.380 Betriebe aus der Region Hannover sowie den Landkreisen Diepholz, Hameln-Pyrmont, Nienburg und Schaumburg.

"Die ohnehin schlechte Ertragslage vieler Handwerksbetriebe ist durch die in den vergangenen Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten gestiegenen Energiepreise auf ein Existenz bedrohendes Niveau gesunken." so Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover bei der Präsentation der Ergebnisse. „Verschärft wird die Situation aktuell durch die weltweite Finanzkrise, die es für Handwerksbetriebe noch schwieriger macht, Kredite für Investitionen - auch in energiesparende Maßnahmen - zu erhalten. Damit droht das Handwerk von zwei Seiten wirtschaftlich unter Druck zu geraten."

Die Umfrage zeigt, dass bereits 31,6 % der befragten Handwerksbetriebe erneuerbare Energien oder Kraft-Wärmekopplung nutzen. Während die Nutzung von Photovoltaik und Solarthermie eher die Domäne der Region Hannover ist, sind dies bei den Landkreisen die Kraft-Wärme-Kopplung und die nachwachsenden Rohstoffe.

51,9 % der Handwerksbetriebe in der Region Hannover und 67,9 % der Handwerksbetriebe in den übrigen Landkreisen beschäftigen sich aktuell mit der Frage, wie im Betrieb Energie eingespart werden kann. Die Betriebe in den Landkreisen sehen dabei ein deutlich höheres Einsparpotential. Während in der Region Hannover nur 2,8% der befragten Betriebe ein Einsparpotential von mehr als 20 % sehen, liegt dieser Anteil in den Landkreisen immerhin bei 22,2 %.

Hemmnisse bezüglich weiterer Energieeinsparmaßnahmen sind nach Angaben der Betriebe insbesondere eine unzureichende finanzielle Förderung sowie fehlende Kenntnisse und Personalmangel. Nur 26,4 % der Handwerksbetriebe in der Region Hannover und 42 % der Handwerksbetriebe in den übrigen Landkreisen kennen den KfW-Sonderfonds Energieeffizienz, mit dem Energieberatungen in kleinen und mittleren Unternehmen gefördert und zinsverbilligte Kredite gewährt werden. 13,2 % der Handwerksbetriebe in der Region Hannover und 25 % der Handwerksbetriebe in den übrigen Landkreisen kennen aber weitere Fördermöglichkeiten, die sie für Energieeinsparmaßnahmen nutzen können.

Die Umfrage macht deutlich, dass viele kleine und mittlere Handwerksbetriebe gern mehr tun möchten, um ihren Beitrag zum verantwortlichen Umgang mit der den Energieressourcen und zum Klimaschutz zu leisten. Es zeigt sich aber auch, dass die bestehenden Kreditförderungen über die KfW nicht ausreichen. Um die Energiesparpotentiale schneller ausschöpfen zu können, ist es erforderlich, die Planungssicherheit für die kleinen und mittleren Unternehmen langfristig zu verbessern und gleichzeitig die Liquidität der investitionsbereiten Unternehmen zu stärken.

"Handwerksbetriebe sind als Energieverbraucher auf eine dauerhaft sichere und kostengünstige Energieversorgung angewiesen und brauchen deshalb eine langfristig verlässliche Energie- und Klimapolitik aus einem Guss", erklärt Jans-Paul.Ernsting. Das Handwerk fordert daher von der Politik:

■ einen Verzicht auf kurzfristigen Aktionismus und eine Festlegung auf langfristige Programme. Die permanenten Ankündigungen und Änderungen von Vorgaben und Programmen führen nur dazu, dass Investitionen unterbleiben.

■ mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten durch erleichterten Netzzugang und Dezentralisierung der Energieversorgung.

■ verstärkte steuerliche Anreize und attraktive Abschreibungsmöglichkeiten für Energieeinsparinvestitionen. Bei vielen Unternehmen reichen heute die liquiden Mittel nicht aus, um in Energiesparmaßnahmen zu investieren, die sich binnen fünf bis zehn Jahren amortisieren werden.

■ eine deutliche Verbesserung der Konditionen der Zinssätze für Förderkredite der KfW für Energiesparmaßnahmen - mit einem Zinssatz von unter 2 Prozent. Die derzeit angebotenen Zinssätze liegen nur so wenig unter den marktüblichen Zinsen, dass sie für die Betriebe und die Hausbanken keinen Anreiz für Investitionen bieten.

Die Umfrage zeigt auch, dass bei einer Reihe von Betrieben die Kenntnisse über Energiesparmöglichkeiten nicht ausreichen. Dem trägt die Handwerkskammer Hannover mit neuen Weiterbildungs- und Informationsangeboten Rechnung. Die Handwerkskammer Hannover ist mit ihrem Zentrum für Umweltschutz die erste Adresse für Handwerksbetriebe mit Informations- und Investitionsbedarf in Sachen Energieeinsparung. Das Zentrum bietet seit 15 Jahren Orientierungshilfe für unternehmerische Entscheidungen und bahnt zusammen mit seinen Partnern den Weg zu den speziellen Förderprogrammen der KfW-Förderbank.

Ansprechpartner für die Medien:
Dr. Sabine Wilp

online seit 03. Nov 2008, aktualisiert am 10. Dez 2009

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