Ein Leben mit Fotos

Ruth SchafftLupe
Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg lernte Ruth Schafft als junges Mädchen die Kunst der Fotografie. Mit ihrem Mann machte sie sich 1956 in Hannovers Prachtstraße, der Georgsstraße, selbständig. Tochter Sabine posierte schon als Baby auf Werbefotos ihrer Eltern. Seit 1985 steht auch sie hinter der Kamera. Mutter und Tochter bieten ihren Kunden ein breites und ungewöhnliches Spektrum: Portraitaufnahmen, Tierfotografie, Schwarz-Weiß-Entwicklung im eigenen Labor und Messefotografie.

Die Vorstellung, sich gänzlich zur Ruhe zu setzen, ist Ruth Schafft ein Graus. Daher ist sie nach wie vor zumindest zwischen 11 und 14 Uhr in ihrem Fotoatelier in der Georgsstraße in Hannover anzutreffen. "Wenn ich gearbeitet habe, gehe ich glücklich und zufrieden nach Hause", sagt die Seniorchefin von Foto Schafft. Für ihre Hobbys, Hund und Pferd, bleibt daneben noch genug Zeit.

Nach 50 arbeitsreichen Jahren ist es eben schwierig, einen Schlusspunkt zu finden. Drei Jahrzehnte hat Ruth Schafft das Fotostudio mit ihrem Mann betrieben, danach mit ihrer Tochter. Und es war nicht immer leicht. 1956 mussten erstmal Kunden gefunden werden. 1960 wäre es beinahe schon wieder vorbei gewesen, denn ein Großauftrag für einen Versandkatalog, an dem Ruth und Achim Schafft ein halbes Jahr lang gearbeitet hatten, kam dann doch nicht zustande, und das Geld nicht in die Kasse. Dass ein Teil der Firmen, deren Waren fotografiert wurden, als Kunden geworben werden konnten, hat das Fotografenehepaar schließlich gerettet.

Trotz einigen Höhen und Tiefen wollte Ruth Schafft nie etwas anderes sein als selbständig. Nach dem eigenen Rhythmus zu arbeiten und sich Themenfelder zu suchen, die Spaß machen, das kann man nur, wenn man sein eigener Chef ist. So ist beispielsweise die Tierfotografie seit Beginn an ein wichtiges Standbein. Für die Briten, die Anfang der 50er Jahre den Rennsport in der britischen Besatzungszone etablieren wollten, hat Ruth Schafft die ersten Fotos geschossen. Heute entwickelt sie noch Schwarz-Weiß-Aufnahmen im eigenen Labor und auf richtigem Papier, eine Handwerkskunst, die sonst fast niemand mehr anbietet, aber wieder stärker nachgefragt wird. Auch das ein Grund, noch nicht aufzuhören.

Eine ganz besondere Affinität verbindet Ruth und Sabine Schafft allerdings mit der Portraitfotografie. "Mit Menschen zu arbeiten, dass macht besonderen Spaß", betont Tochter Sabine. Prominente wie „Uraltkunde“ Herbert Schmalstieg oder Thomas Gottschalk, der über Nacht ein Passfoto für ein Visum nach Russland brauchte, sind da nur die Highlights von 54.019 Portraitaufnahmen in 50 Jahren. (see, 28.11.2006)


online seit 28. Nov 2006

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