Frühjahr 2007: Handwerkskonjunktur im Aufwind

Hannover, 04. April 2007.- „Anders als erwartet entwickelt sich die deutsche Wirtschaft trotz der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresbeginn ziemlich günstig.“ Das stellte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Dipl.-Kfm. Jans-Paul Ernsting, jetzt anlässlich der Vorlage des aktuellen Konjunkturberichtes fest. Dabei sei besonders erfreulich, dass es nicht nur in der Wirtschaft aufwärts gehe. Auch der Arbeitsmarkt scheine sich zu erholen. Der Optimismus in der Gesamtwirtschaft sei groß und stehe zudem auf breiter Basis. „Die Unternehmen investieren wieder verstärkt und die Perspektiven für eine weiter zunehmende Beschäftigung stehen gut,“ so Ernsting.

Auch im Handwerk sei – das zeige die Auswertung der Frühjahrsumfrage deutlich - der Beschäftigtenabbau saisonbereinigt fast zum Erliegen gekommen. Gleichwohl habe sich die konjunkturelle Entwicklung im Handwerk im ersten Quartal dieses Jahres, vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe leicht verlangsamt. Die Ursache hierfür – so Ernsting – sei vor allem in den Vorzieheffekten zum Jahresende 2006 wegen der Steuererhöhung zu Beginn 2007 zu suchen.

Allerdings seien die Erwartungen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover in Bezug auf die weitere konjunkturelle Entwicklung im Kammerbezirk jedoch allenfalls verhalten optimistisch. So fallen die Prognosen gegenüber denen des Vorjahresquartals bei einigen Handwerksbranchen wie dem Kfz-Gewerbe, den Dienstleistungshandwerken und den Gesundheitshandwerken schlechter aus. Etwas optimistischer blicken das Bauhandwerk und die gewerblichen Zulieferer in das 2. Quartal 2007. Eher düster sehen das Dienstleistungshandwerk und die Gesundheitshandwerke die künftige Konjunkturentwicklung. Hier spielen vor allem die nach wie vor verhaltene private Nachfrage sowie die noch nicht kalkulierbaren Folgen der Gesundheitsreform eine große Rolle.

Konjunktur im Bau- und Ausbauhandwerk

Deutlicher als in den Vorjahresquartalen zeigt im 1. Quartal 2007 die Entwicklung der Baukonjunktur nach oben. Dies ist vor allem dem extrem milden Winter zu verdanken, in dem es praktisch keine witterungsbedingte Pause gab, sowie der verstärkten Investitionsbereitschaft der gewerblichen Wirtschaft. Aufträge und Umsätze waren zwar weiterhin negativ, aber mit nachlassender Dynamik. Nach wie vor ein erhebliches Problem für die Bauhandwerksbetriebe stellen allerdings die Preise dar. So hat sich der Preisüberwälzungsgrad gegenüber dem Vorjahresquartal weiter verschlechtert. Wegen der höheren Kosten für Transporte, Material und Energie bleiben die Renditen niedrig. Gleichwohl ist der Geschäftsklimaindex in dieser Handwerksbranche um 12,5 Punkte auf 44,5 Indexpunkte gestiegen.

Im Ausbauhandwerk stieg der Indexwert ebenfalls deutlich an und erreichte 56,5 Indexpunkte. Auftrags- und Umsatzrückgänge waren – gemessen am Gesamthandwerk – unterdurchschnittlich. Die Verkaufspreise konnten in 8 % der befragten Betriebe angehoben werden. Die Beschäftigtenzahlen wurden nur geringfügig zurückgeführt. Die Investitionsquote lag im gesamthandwerklichen Durchschnitt.

Konjunktur im Zulieferhandwerk

Recht erfreulich verlief erneut die konjunkturelle Entwicklung im hannoverschen Zulieferhandwerk. Mit einem Indexwert von 60 Punkten bei der Beurteilung der eigenen Geschäftslage ist das Stimmungsbarometer deutlich um 13 Indexpunkte gestiegen. Die gute Geschäftslagebeurteilung ist mit Sicherheit auf die nahezu unveränderte Umsatzentwicklung zurückzuführen.

Die Stimmungslage im Kraftfahrzeughandwerk hat sich kaum verbessert. Mit 41 Indexpunkten ist die Beurteilung der Geschäftslage aber dennoch die beste Beurteilung seit Jahren. Die Auftragseingänge sind in per saldo jedem vierten der befragten Betriebe gesunken, die Umsatzentwicklung sieht nicht besser aus. Sehr erfreulich die Beschäftigtenentwicklung. In nur drei Prozent der Kfz-Werkstätten wurden per saldo Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entlassen.

Weitere Branchenkonjunkturen

Die Geschäftslagebeurteilung im Nahrungsmittelhandwerk hat sich im Berichtsquartal ebenfalls zufrieden stellend entwickelt und liegt mit 46 Indexpunkten um 7,5 Punkte oberhalb des entsprechenden Indexwertes im Gesamthandwerk. Ursächlich hierfür ist eine recht gute Auslastung der Betriebe, die auch zu einem Beschäftigtenaufbau in per saldo 4 % der Betriebe führte.

Auch in den Dienstleistungshandwerken sieht es freundlicher als in den Vorjahresquartalen aus. Mit einer Geschäftslagebeurteilung von 33 Indexpunkten liegt diese Branche um acht Punkte über dem Vorjahresquartalswert. Allerdings gibt es – wie üblich - starke Unterschiede in den einzelnen Gewerken. Der Anpassungsdruck, dem insbesondere die Gesundheitshandwerke unterliegen, lässt sich gut aus den vorliegenden Daten ersehen. Während im ersten Quartal 2005 ein Geschäftsklimaindex von lediglich 19,5 Punkten erreicht wurde, liegt dieser mittlerweile bei immerhin 45 Indexpunkten.

Handwerkskonjunktur im Regionalvergleich

Der konjunkturelle Aufwärtstrend des ersten Quartals 2007 ist in unterschiedlicher Ausprägung in allen Landkreisen des Kammerbezirks sowie in der Region Hannover und in der Landeshauptstadt feststellbar. Das beste Ergebnis mit 54,5 Punkten erzielten die Landeshauptstadt Hannover. Platz zwei erreichte der Landkreis Diepholz mit immerhin 49 Indexpunkten.

Am schlechtesten verlief die Regionalkonjunktur im strukturschwachen Landkreis Nienburg. Hier wurde gemessen am Gesamthandwerk lediglich ein unterdurchschnittlicher Geschäftsklimaindex von nur 39 Punkten erreicht. Durchschnittlich hingegen bewerteten die Betriebe des Landkreises Schaumburg (47,5 Indexpunkte) sowie die Betriebe in der Region Hannover und im Landkreis Hameln-Pyrmont (jeweils 48,5 Punkte) ihre Geschäftslage.

(* Der Geschäftsklimaindex ist die Summe der prozentualen Anteile der befragten Betriebe, die eine gute (Gewichtung = 1) bzw. eine befriedigende Geschäftslage (Gewichtung = 0,5) meldeten.)


Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp

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online seit 04. Apr 2007, aktualisiert am 04. Apr 2007

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