Entbürokratisierung und Zusammenarbeit ja, Kammerfusion nein!

Hannover, 29. Januar 2005.- „Die Argumente des Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung, Rezzo Schlauch, der vor einigen Tagen in einer großen Tageszeitung erneut die Fusion von Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern gefordert hat, werden durch ständige Wiederholung nicht besser,“ erklärte jetzt der Präsident der Handwerkskammer Hannover, Walter Heitmüller. Beide Kammern kooperierten dort, wo es sinnvoll und möglich sei. Aber eine Fusion sei nicht sinnvoll, da Aufgaben, Strukturen und Mitglieder in weiten Bereichen zu unterschiedlich seien. Trotz seiner vielen verschiedenen Berufe, bilde das Handwerk eine große homogene Gruppe innerhalb der mittelständischen Wirtschaft. Darüber hinaus sei das Handwerk auch eine gesellschaftliche Gruppe, die sich durch die besondere Art des handwerklichen Qualifikationserwerbs, den Meisterbrief als Regelvoraussetzung für die Existenzgründung und die lange Tradition der handwerklichen Selbstverwaltung von anderen Wirtschaftsgruppen deutlich abhebe.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Dipl.-Kfm. Jans-Paul Ernsting, betonte, dass beim Vergleich beider Kammern die Unterschiede die Gemeinsamkeiten deutlich übertreffen. So gebe es innerhalb der Selbstverwaltung in den Handwerkskammern beispielsweise ein Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer, die ein Drittel der Organe der Kammern und des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT) besetzen. Auch sei die Organisation des Handwerks stark durch die berufsständischen Zusammenschlüsse der Innungen und Kreishandwerkerschaften geprägt. Etwas Vergleichbares gäbe es im Bereich der Industrie- und Handelskammern nicht.

Ernsting machte auch auf die Unterschiede bei der beruflichen Bildung aufmerksam. Trotz diverser Handwerksnovellen zeichne sich die Ausbildung im Handwerk nach wie vor durch den Dreiklang Lehrling – Geselle – Meister aus. Zudem werde im Handwerk mehr als anderswo die soziale Verpflichtung zur Ausbildung empfunden. Nicht umsonst sei daher die Ausbildungsquote weit höher als in der übrigen Wirtschaft.

Auch komme dem Thema „Qualifikation“ ein ganz erheblicher Stellenwert in der beruflichen Bildung zu. Da der Meisterbrief die Regelvoraussetzung für eine Selbständigkeit im Handwerk darstelle, sei es eine der wichtigsten Aufgaben der Handwerksorganisation, den Meisternachwuchs zu qualifizieren. Hierzu unterhalten die Handwerkskammern entsprechende Einrichtungen, und sie fungieren darüber hinaus als Geschäftsstelle für die Durchführung von Meisterprüfungen.

Markante Unterschiede gibt es nach Meinung des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer Hannover auch im Bereich der Dienstleistungen. Gerade für die kleinen und mittleren Betriebe des Handwerks sei die qualifizierte und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Betriebsberatung der Handwerkskammern sehr wichtig. „Als Nachteilsausgleich im Vergleich zu Großunternehmen fungieren unsere Betriebsberater quasi als Stabsstellen für die kleinen und mittelgroßen Handwerksunternehmen und stehen den Inhabern in allen Fragen der Unternehmensführung mit Rat und Tat zur Seite,“ so Ernsting.

Im Übrigen sei nach Ansicht der Handwerkskammer Hannover die Bürokratie in den Handwerkskammern bei der Erfüllung hoheitlicher Aufgaben sehr gering, der Aufwand eher schlank. Eine Wieder-Verstaatlichung dieser Aufgaben würde mit Sicherheit zu weitaus höheren Kosten und mehr Bürokratie in den staatlichen Behörden führen.

Ansprechpartnerin für die Redaktion:
Dr. Sabine Wilp

online seit 20. Feb 2006, aktualisiert am 20. Feb 2006

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