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Handwerkskonjunktur im Herbst 2007: Aufschwung verliert an Tempo, aber Beschäftigung weitgehend stabil

Hannover, den 01. Oktober 2007.- „Der gesamtwirtschaftliche Aufschwung in Deutschland verliert an Tempo," darauf wies Jans-Paul Ernsting, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage für den Herbst 2007 hin. „Während im Vorjahresquartal fast alle Konjunkturindikatoren nach oben zeigten, ist dies im Berichtsquartal nur noch in wenigen Gewerken der Fall." Lediglich die handwerklichen Zulieferer profitierten - so Ernsting - trotz der Finanzmarktprobleme in den USA noch immer von der robusten Auslandskonjunktur.

Die Geschäftslagebeurteilung im Gesamthandwerk liegt nach Angaben des Hauptgeschäftsführers mit 48 Indexpunkten um neun Punkte niedriger als im Vorjahreszeitraum. Die Ursachen: massive Auftragsrückgänge insbesondere im Bauhandwerk und in den Gesundheitshandwerken. Trotz der zurückhaltenden Nachfrage nach Handwerksleistungen und -produkten wurden die Verkaufspreise nahezu konstant gehalten. Teuerungen auf der Beschaffungsseite meldeten alle Handwerksbranchen.

Dem Kfz-Handwerk und dem Nahrungsmittelhandwerk sei es gelungen, die Preissteigerungen teilweise an den Kunden und die Kundin weiterzugeben. Die Betriebsauslastung sei im Vergleich zum Vorquartal allerdings in einigen Handwerksbranchen deutlich gesunken. Das führe dazu, dass für die Betriebe weiterhin kein Anreiz zu größeren Investitionen bestehe. Die Beschäftigtenzahlen blieben weitgehend stabil.

Ein Blick auf die Gesamtprognosen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover macht nach Ansicht des Kammer-Hauptgeschäftsführers deutlich, dass der Großteil von einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung ausgehe. Allerdings werde sich die Konjunktur in den einzelnen Handwerksbranchen sehr unterschiedlich darstellen. Recht zuversichtlich wirkten das Kfz-Handwerk, die Dienstleistungshandwerke und das Zuliefererhandwerk. Weniger optimistisch blicken die übrigen Handwerksbranchen in die Zukunft. Besonders skeptisch: das Bauhandwerk. Hier machen sich der träge Wohnungsbau und die saisonale Komponente besonders stark bemerkbar.

Zu den Handwerkskonjunkturen im Einzelnen

Große Ernüchterung ist beim Bauhandwerk spürbar. Der private Wohnungsbau hat einen regelrechten Einbruch erlebt. So sind die Baugenehmigungen in diesem Bereich in ganz Niedersachsen um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Die Ursachen dafür: der Wegfall der Eigenheimzulage, die gestiegene Mehrwertsteuer und die bereits im zweiten Jahr in Folge zurückgehende Bevölkerungszahl in Niedersachsen.

Wesentlich erfreulicher stellt sich die wirtschaftliche Lage im Ausbauhandwerk dar. Nur die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten ist im Ausbauhandwerk - gemessen am Gesamthandwerk - ebenso unterdurchschnittlich wie im Bauhandwerk. Erfreulich: die Beschäftigtenzahl in den Betrieben blieb stabil.
Eine überdurchschnittliche Geschäftslagebeurteilung gaben die Betriebe des Handwerks für den gewerblichen Bedarf ab. Auch die Umsatzentwicklung entsprach den Erwartungen. Von der regen Investitionstätigkeit profitierten besonders die Metallbaubetriebe und die Kälteanlagenbauer. Per saldo 18% der befragten Betriebe stellten sogar zusätzliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein.

Mit Auftragsrückgängen zu kämpfen hatte das Kraftfahrzeughandwerk, wenngleich der Geschäftsklimaindex um vier Punkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen ist. Per saldo meldeten 20 % der Betriebe Auftragsrückgänge und 13 % ein Umsatzminus. Trotzdem schauen die Kfz-Betriebe relativ zuversichtlich in die Zukunft und erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage. Angesichts der in vielen Kommunen in naher Zukunft geplanten Umweltzonen vielleicht gar nicht so abwegig.

Das Nahrungsmittelhandwerk verspürt erstmals seit Jahren leichten Rückenwind. Mit 50 Indexpunkten ist der aktuelle Geschäftsklimaindex mehr als zufriedenstellend. Dennoch meldete ein Drittel der Betriebe unbefriedigende Geschäftsergebnisse. Nur bei 8 % der Betriebe stieg die Nachfrage. Die Umsätze gingen in 23 % der befragten Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien zurück. Besonders stark betroffen: das Fleischerhandwerk.

Weiter im Aufwind ist das Dienstleistungshandwerk mit einer Geschäftslagebeurteilung von 44 Indexpunkten. Per saldo verzeichneten allerdings noch immer 18 % der befragten Betriebe einen Nachfragerückgang, 17 % meldeten zurückgehende Umsätze.

Den niedrigsten Geschäftsklimaindex mit 18,5 Punkten weisen die Gesundheitshandwerke auf. Aufträge, Umsätze und Investitionen gingen weiter zurück. Die Beschäftigtenzahl sank. Nur in nahezu jedem zweiten Betrieb wurde eine Kapazitätsauslastung von mehr als 50 Prozent erzielt. Neue gesetzliche Bestimmungen und zunehmende Importe von zahntechnischen Produkten aus dem Ausland haben dazu geführt, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung der zahntechnischen Betriebe massiv verschlechtert hat.

Regionalanalyse

Im Vergleich zum Herbst 2006 ist für den gesamten Kammerbezirk eine deutliche wirtschaftliche Abkühlung zu verzeichnen. Der geringste Einbruch war in der Landeshauptstadt Hannover feststellbar. Hier fiel der Geschäftsklimaindex nur um drei Punkte auf 53 Indexpunkte. Am ungünstigsten bewerteten die Betriebe des Landkreises Nienburg ihre Geschäftslage (41,5 Indexpunkte), gefolgt von den Betrieben im Landkreis Schaumburg (43 Punkte) und in der Region Hannover (45,5 Punkte). Im Landkreis Diepholz bewerteten die Betriebe ihre Geschäftslage mit 51 Indexpunkten, im Landkreis Hameln-Pyrmont immerhin mit 52 Punkten.


 

Ansprechpartnerin für die Medien: 
Dr. Sabine Wilp

Konjunkturbericht Herbst 2007  PDF-Datei [1178kB]
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