Mit der Ausstellung "Stoffe zum Träumen" startet die Handwerksform Hannover das Ausstellungsjahr 2008
Hannover, 24. Januar 2008.- Das Ausstellungsjahr 2008 in der Handwerksform Hannover beginnt mit der Ausstellung „Stoffe zum Träumen", an der sich 23 Textilkünstlerinnen aus Deutschland, Italien, Island, den Niederlanden, Nordirland, Österreich und der Schweiz beteiligen. Mit ihren Exponaten stellen sie unter Beweis, dass die Herstellung von Stoffen keineswegs eine Domäne der industriellen Produktion ist. Vom exquisiten Damaststoff bis zum Siebdruck, vom Seidenfilz bis zum marmorierten Gewebe reicht das Spektrum der Arbeiten, die in der Ausstellung „Stoffe zum Träumen" gezeigt werden.
Natürlich wollen und können die Kunsthandwerkerinnen und Textildesignerinnen nicht für jeden Verwendungszweck Stoffe erfinden und herstellen. Die exquisiten und innovativen Kreationen, die in der Ausstellung zu sehen sind, eignen sich eher für besondere Zwecke. Und sie zeigen, wie einfallsreich und spielerisch die Stoffkünstlerinnen mit Materialien umgehen, wie viel Spaß sie daran haben und welche erstaunliche Ergebnisse dabei herauskommen.
"Am Anfang war es gar nicht so einfach, den Textilkünstlerinnen und -künstlern unser Anliegen deutlich zu machen," erläutert Dr. Sabine Wilp, Leiterin der Handwerksform Hannover. „Wir wollten Stoff in unverarbeiteter Form zeigen als Unikat oder Kleinserie und keine Jacken, Mützen, Schals, Kleider, Tischdecken oder Servietten. Das war für die Teilnehmerinnen durch eine Herausforderung."
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Spannungsbogen der Ausstellung reicht von den innovativen Materialkreationen von Kyong Myong-Ae aus siebbedrucktem Gummiband, das mit Heißluft fixiert wurde, über die Gewebe aus PVC-Schlauch und Stahl der schweizerischen Textilgestalterin Cordula Zuber bis hin zu den filigranen Papierspitzen von Barbara Hattrup.
Besonders kreativ und innovativ ist auch der Ansatz von Kate Wells aus Belfast. Sie verbindet konsequent traditionelle Handwerkstechniken und moderne Technologien, um innovative Ergebnisse und eine neue Ästhetik zu erzielen. High-Tech Shibori nennt sie das Ergebnis dieses Verfahrens, bei dem sie in vielfältiger Weise - beispielsweise mit Hitze oder Chemikalien - in die molekulare Struktur des Garns eingreift, um eine Metamorphose des Stoffes und eine Textur zu erreichen, die die dreidimensionalen Qualitäten des Materials zum Vorschein bringt. Auf diese Weise entstehen Exponate, bei denen sich die Anmutung des handgefertigten Artefaktes mit zeitgenössischen, manchmal auch High-Tech-Oberflächen verbindet.
Auf ganz andere Weise vermag die hannoversche Weberin Sünje Cordsen zu überraschen. Sie hat ungebleichtes Leinen als Kettmaterial mit versilbertem Draht als Schussmaterial kombiniert. Auf diese Weise entstand ein Drahtgewebe, das je nach Lichteinfall golden schimmert und das Gewebe so aussehen lässt wie eine glitzernde Wasseroberfläche.
Auch die Erfurter Textildesignerin Sylvia Döhler arbeitet mit Materialkombinationen. Nonwovens nennt sie ihre Kollektion, die im Mai 2007 in die Materialbibliothek von Material ConneXion in Köln, Mailand, New York und Bangkok aufgenommen wurde. Nonwovens sind Stoffe, bei denen verschiedenste Materialien wie Kiefernnadeln, Gräser, Blätter oder Gummiringe in einem textilen Grundmaterial aus Viskose festgehalten werden und auf diese Weise markante Strukturen, Muster und Reliefe erzeugen. Einige Materialien scheinen auf die Oberfläche gestickt zu sein, andere wiederum werden vollständig zur Struktur. Hinzu kommt, dass die Naturmaterialien während der Verarbeitung das Textil an den Grundstoff ihre natürliche Farben abgeben.
Neben den gewebten Exponaten werden in der Ausstellung auch Filzstoffe zu sehen sein. Auch hier liegen Materialkombinationen im Trend, und es werden vorzugsweise Techniken angewendet, die dem zweidimensionalen Material eine dritte Dimension verleihen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Arbeiten von Anna Gunnarsdottir aus Island, die Seide und Merinowolle als Ausgangsmaterial für ihre Filzstoffe nutzt, die durch ihre Kontraste, die zurückhaltende Farbigkeit und ihre Ornamentik bestechen: weiß in weiß, schwarz auf weiß oder weiß auf schwarz.
Sylvie Ludwig, die 1995 an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ihren Abschluss gemacht hat und seither als freischaffende Künstlerin tätig ist, transponiert die uralte Technik des Filzens in die Moderne. In ihren Filzstoffen, die sie normalerweise zu Kleidung oder Accessoires weiterverarbeitet, gelingt es ihr, Tradition, Gegenwart und Zukünftiges harmonisch zu vereinen. Filigran fast bis zur Auflösung, verlangt sie dem Filz das Äußerste ab. Ursprünglich arbeitete sie nahezu ausschließlich mit weißem Filz. Bei einem Asienaufenthalt entdeckte sie die Farbe für sich. In der Ausstellung „Stoffe zum Träumen" stellen wir sie mit ihren weißen Exponaten vor.
Der Bereich des Strickstoffs ist durch die österreichische Textildesignerin Veronika Persché vertreten, die seit 1999 in Wien als selbständige Strickdesignerin arbeitet. Zusammenstricken, was zusammen gehört - das ist das Motto, das sie beherrscht. Mohair, Polyester, Gummi- oder Metallfäden werden auf ihren computergesteuerten Feinstrick-Maschinen zusammengeführt. Ständig testet sie neue Materialien, Muster und Effekte. Auf diese Weise entstehen mal fragile Netze aus schimmerndem Silber, dann wieder changierende Punktmuster oder weiche Rippenstoffe, die beim Dehnen die Farbe ändern. Spannungsreiche Arbeiten, die durch den Gegensatz der strengen und regelmäßig strukturierten Konstruktion und die Verwendung des organischen, oft unperfekten und unregelmäßigen Materials bestechen.
Bei einigen Künstlerinnen spielt das Auftragen von farbigen Mustern auf Stoff die Hauptrolle: bei den Siebdruckarbeiten von Orike Muth beispielsweise oder bei den Batiken von Els van Baarle. Daneben zeigen Hedi Bergs und Alexa Oertel Filzstoffe, die in der traditionellen Färbetechnik des Marmorierens entstanden sind. Durch die Vielseitigkeit der Färbetechnik gelingt es den beiden Textilgestalterinnen, immer wieder neue Muster zu entwickeln, die mehr und mehr an Bildhaftigkeit gewinnen. Die Technik lässt keine Wiederholung zu, jedes Stück ist wirklich ein Unikat. Zudem erfordert das Marmorieren auf Filz eine besondere Achtsamkeit, da der Filz je nach Dicke schnell Luft ansammelt und dadurch beim Auflegen auf die Trägerflüssigkeit weiße Stellen entstehen können. Alle größeren Stoffe werden von Hedi Bergs und Alexa Oertel gemeinsam gefärbt. Das Resultat ist zu einem großen Teil von der Schnelligkeit des Arbeitens abhängig, was ein genaues Konzept der Vorgehensweise voraussetzt.
Die Ausstellung „Stoffe zum Träumen" ist Teil des Ausstellungsprojektes „textour 2008", an dem sich neben der Handwerksform Hannover auch der Workshop Pavillon, die Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk Niedersachsen und die Niedersächsische Stadtbibliothek mit Ausstellungen, Präsentationen, Lesungen und Veranstaltungen beteiligen, bei denen sich alles um „Stoff" dreht.
- Ausstellungseröffnung:
Freitag, 25. Januar 2008, 20 Uhr - Ausstellungsdauer:
26. Januar bis zum 23. Februar 2008 - Ausstellungsort:
Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover - Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr, Samstag 11-14 Uhr, Sonntag, Montag und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen.
Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp
online seit 23. Jan 2008, aktualisiert am 23. Jan 2008
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