Keine Wachstumseuphorie im Handwerk trotz wachsender Zahlen bei Betrieben, Beschäftigten und Umsatz
Hannover, 05. Februar 2008.- Im Vergleich zum 31. Dezember 2006 ist die Zahl der eingetragenen Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover zum 31. Dezember 2007 erneut gestiegen. Die Zunahme fiel mit einem Plus von 3,3 Prozent sogar deutlicher aus als zum Jahresende 2006 (+ 1,5 Prozent). Am 31. Dezember 2007 waren insgesamt 18.042 Betriebe bei der Handwerkskammer Hannover eingetragen. Das sind 577 mehr als im Jahr zuvor.
Danach waren zum Jahresende 2007 bei der Handwerkskammer Hannover 11.516 Betriebe in der Anlage A (zulassungspflichtige Handwerke), 2.982 Betriebe in der Anlage B1 (zulassungsfreie Handwerke) und 3.544 Betriebe in der Anlage B2 (handwerksähnliche Gewerbe) eingetragen.
Erfreulich war - wenn auch nicht in allen Handwerkszweigen - die Entwicklung der Umsätze. Erneut stand am Ende des Jahres 2007 wieder ein Plus vor den Umsatzzahlen. Es fiel allerdings deutlich kleiner aus als 2006 (+ 2,5 %). Rund 7,06 Mrd. Euro setzte das Handwerk im Handwerkskammerbezirk Hannover in den letzten 12 Monaten um. Das entspricht einem Plus von 0,9 Prozent.
Zwar sieht die Entwicklung der Umsatz- und Betriebszahlen auf den ersten Blick positiv aus. Aber wenn man genauer hinschaut, dann wird deutlich, dass der Zuwachs der Betriebszahlen nahezu vollständig aus einem Anstieg in den zulassungsfreien Handwerken resultiert. Hier wuchs der Betriebsbestand im Verlauf des Jahres 2007 um 524 Betriebe. Das entspricht einem Plus von 21,3 Prozent.
Erneut entstanden die meisten neuen Betriebe bei den Gebäudereinigern (+ 183) und im Bereich des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerks (+ 177). Damit wächst der Anteil der Betriebe, die ohne jeden Qualifikationsnachweis gegründet werden können, weiter. Eine Entwicklung, die die Handwerkskammer Hannover nach wie vor mit Sorge beobachtet.
Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, wertet diese Zahlen als Indiz dafür, dass mit dem seit 2004 geltenden Handwerksrecht eine Dequalifizierungsspirale in Gang gesetzt wurde, weil die Zahl der Betriebsinhaber ohne Qualifikation von Jahr zu Jahr zunehme. Vor diesem Hintergrund sei zu befürchten, dass die Ausbildungsleistungen des Handwerks mittelfristig in Gefahr geraten. Denn wer einen Beruf selbst nicht erlernt habe, könne das dafür notwendige Wissen auch nicht weitervermitteln.
Erneut zugenommen hat 2007 auch die Zahl der zulassungsfreien Betriebe mit Inhabern aus den EU-Beitrittsländern Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern. Am 31. Dezember 2007 waren in diesem Bereich insgesamt 609 Betriebe eingetragen (Vorjahr 425).
Kaum nennenswerte Zuwächse gab es hingegen im Bereich der zulassungspflichtigen Handwerke, also der Betriebe, für deren Gründung ein Meisterbrief oder eine vergleichbare Qualifikation verlangt wird. Im Jahr 2007 nahmen die Betriebszahlen in den 41 zulassungspflichtigen Handwerken nur um 85 zu, das entspricht einer Steigerung von 0,7 Prozent. Bei den handwerksähnlichen Gewerben gab es erneut - wie schon 2006 - einen Rückgang von 0,9 Prozent (= - 32 Betriebe).
Konjunkturbedingt konnte das Handwerk in den vergangenen 12 Monaten einen leichten Anstieg bei den Beschäftigtenzahlen verzeichnen (+ 0,6 %). Danach waren am 31.12.2007 im Handwerk des Kammerbezirks Hannover 105.700 Menschen beschäftigt. Das sind 660 mehr als Ende 2006.
Positive Entwicklungen gab es auch bei den Lehrverträgen. Die Gesamtzahl der Auszubildenden im Handwerkskammerbezirk Hannover betrug zum 31.12.2007 9.771 Lehrlinge. Erfreulich: Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge konnte im vergangenen Jahr deutlich gesteigert werden. 3.668 neue Lehrverhältnisse wurden bis zum 31. Dezember 2007 in die Lehrlingsrolle eingetragen. Das sind 245 bzw. 7,2 Prozent mehr als zum Vergleichsdatum 2006.
"Leider hat sich der kräftige Aufwärtstrend, den wir im Jahr 2006 verspürt haben, im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt," erklärt Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. "Die zu Jahresbeginn ausgegebenen optimistischen Wachstumszahlen mussten Schritt für Schritt nach unten korrigiert werden. Die Konjunktur in den Branchen verlief sehr unterschiedlich. Schlüsselbranchen wie Bau und Ausbau sowie das Kfz-Gewerbe haben uns Sorgen bereitet, während die Zulieferer gute Umsätze erzielten." Auch der private Konsum wirke nach wie vor als Wachstumsbremse. Daher sei, so Ernsting, das Handwerk im Kammerbezirk Hannover auch nur verhalten optimistisch, was das Jahr 2008 angehe.
Kontakt:
Dr. Sabine Wilp