Qualität auf die Agenda gesetzt
Ausbildung wird schwieriger und anspruchsvoller. Eine Fachtagung in der Handwerkskammer Hannover machte deutlich, dass das Kriterium Qualität nicht nur den Auszubildenden, sondern auch den Betrieben nützt. Die Ausbildungsberater der Kammer wollen Unternehmen mit neuen Instrumenten und Konzepten nun noch stärker und konkreter in der Ausbildung unterstützen.
Anfang Juni kamen Berufsbildungsexperten aus ganz Deutschland und Fachleute aus der Praxis in die Handwerkskammer Hannover, um das Thema „Qualität in der betrieblichen Ausbildung“ in den Blickpunkt zu nehmen. In den letzten Jahren sei es, so Präsident Walter Heitmüller bei der Begrüßung der Teilnehmer, darum gegangen, jedem interessierten und willigen Jugendlichen zu einem betrieblichen Ausbildungsplatz zu verhelfen. In den nächsten Jahren allerdings komme ein Paradigmenwechsel auf das Handwerk zu. Jeder Betrieb, der ausbilden wolle, müsse um die Jugendlichen werben, denn die Zahl der Schulabgänger gehe drastisch zurück. Damit das Handwerk im Kampf um die Talente nicht den Kürzeren ziehe, müsse auch die Qualität der betrieblichen Ausbildung verbessert werden.
Prof. Dr. Friedrich-Hubert Esser vom Zentralverband des Deutschen Handwerks machte in seinem Einstiegsvortrag deutlich, dass die Vorteile der dualen Ausbildung gleichzeitig auch die Qualitätskriterien seien. Wenn die Lehrzeit markt- und praxisbezogen ablaufe und den jungen Auszubildenden eine realistische berufliche Perspektive biete, dann sei das die Grundlage für eine gute Ausbildung. Darüber hinaus sei die Ausbilderpersönlichkeit entscheidend wichtig. Sie müsse sich für den jungen Menschen, den sie beruflich anleite, persönlich verantwortlich fühlen und ein Stück weit auch Erziehungsaufgaben übernehmen.
Professor Dr. Felix Rauner, einer der profiliertesten Berufspädagogen in Deutschland
, machte den Zuhörern deutlich, dass sich eine qualifizierte Ausbildung für den Betrieb auf jeden Fall rentiere. Das Herzstück einer guten Ausbildung sei das Lernen im Arbeitsprozess, das Einbetten der Aufgaben eines Lehrlings in den Gesamtzusammenhang des Unternehmens. Wenn das von Anfang an gelinge, rechnen sich auch die Kosten der Ausbildung und der Betrieb habe am Ende eine qualifizierte Fachkraft, die unbezahlbar sei. Er appellierte an die Unternehmer: „Wenn Sie auf Qualität setzen, gibt es nur Gewinner!“
Anschließend hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich in drei Fachforen aufzuteilen. Zu den Themen „Der Ausbilder im Betrieb“, „Kooperation der Lernorte“ und „Ausbildungsziele erreichen: Was erwarten wir und wie gelingt es?“ gab es nach zwei Impulsreferaten angeregte Diskussionen.
„Für uns war es wichtig, mit vielen Beteiligten an der beruflichen Bildung“ ins Gespräch zu kommen, Trends zu benennen und daraus erste Ansätze zu entwickeln, was Betriebe an Unterstützung brauchen, um Ausbildung erfolgreich zu gestalten“, erläutert Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover.
Ausbildungserfolg trage entscheidend zum Unternehmenserfolg bei. „Qualifizierte Auszubildende können und sollen sich in produktiver Weise an den Arbeitsaufträgen des Unternehmens einbringen und so zur Wertschöpfung beitragen – und schließlich auch an der Refinanzierung der Ausbildungskosten mitwirken“, sagt Ernsting. Es sei nicht nur legitim, so zu denken, sondern auch notwendig. „Mit dieser Botschaft steigern wir die Bereitschaft der Betriebe, noch mehr in Ausbildung zu investieren, um erfolgreicher und attraktiver am Markt zu agieren.“ (see, 16.06.2010)
Vorträge und Zusammenfassungen der Foren:
Können bei Bettina Wolf-Moritz angefordert werden
online seit 16. Jun 2010, aktualisiert am 16. Jun 2010
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