"Jung und etwas verrückt muss man sein!"

Hannover.- (see) „Wer im Ausland tätig werden möchte, der muss sich sehr gut informieren über die Vorschriften und Normen, die im jeweiligen Land gelten, der muss sorgfältig planen und organisieren und der muss Mitarbeiter haben, die flexibel, entscheidungsfreudig und etwas verrückt sind“, zählt Henning Diephaus auf. Er ist als einer von drei Geschäftsführern u. a. für die Kälte- und Klimatechnik bei der Funke OHG in Twistringen zuständig. 2008 hat er mit seinen Mitarbeitern den Schritt über die Grenze gewagt, und baut für Modeketten und Tankstellen in ganz Europa Kälte- und Klimaanlagen in neue Shops ein. Für das Modelabel New Yorker hat sein Team seitdem insgesamt 50 Shops mit Klima- und Lüftungsanlagen in Deutschland, aber auch in Holland, Belgien, Luxemburg, Schweden und zuletzt in Finnland ausgestattet.

„Wir setzten uns mit jedem Land, in das wir unsere Mitarbeiter schicken, intensiv auseinander. Sowohl mit den Vorschriften und Normen als auch mit den Mentalitäten der Menschen“, betont Silke Böger, die bei der Funke OHG für den organisatorisch reibungslosen Ablauf der Auslandseinsätze zuständig ist. Denn in jedem Land gebe es andere Dinge, die zu beachten seien. „Als erstes arbeiten wir die sogenannten Länderleitfäden von der Handwerkskammer Hannover durch“, so Böger. Hierin steht z. B., ob das Unternehmen eine Umsatzsteuervoranmeldung machen muss, ob die Mitarbeiter vor der Einreise angemeldet werden müssen, ob und welche Zollbestimmungen es gibt und welche Mindestlöhne oder Sicherheitsvorschriften es zu beachten gibt.

„So nebenbei und für nur einen Auftrag ins Ausland zu gehen, dafür lohnt sich der Aufwand für kleine und mittlere Handwerksbetriebe nicht“, ist Diephaus überzeugt. Für die vier Shops in Finnland, die die Funke OHG in 2012 mit Klimatechnik ausgestattet hat, waren zwei Monate Vorbereitungszeit notwendig. Vor allem die Arbeitsschutzvorschriften sind hier hoch und werden auf den Baustellen genauso streng kontrolliert wie beispielsweise in der Schweiz. So mussten die Mitarbeiter, die in Finnland arbeiten sollten, direkt vor ihrem Einsatz in Helsinki eine Sicherheitsprüfung mit Dolmetscher ablegen.

„Wer im Ausland Geschäfte abwickelt, der muss Mitarbeiter haben, die Spaß daran haben, die immer wieder auftauchenden Herausforderungen spontan und einfallsreich zu lösen“, erläutert Diephaus. Sie müssten vor Ort selber Entscheidungen fällen können und brauchten dafür die Rückendeckung von Zuhause. Dann könne das Auslandsgeschäft auch für Handwerksbetriebe ein lukratives Geschäft sein, denn die deutsche Handwerkstechnik habe nach wie vor in ganz Europa einen sehr guten Ruf. (23.05.2013)

Außenwirtschaftsberatung:
Dr. Merret Vogt