20 Jahre Werkakademie: Perspektiven durch Gestaltung

Hannover, 07. September 2012.- Die Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk Niedersachsen e.V. feiert in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass nimmt die Handwerksform Hannover die Geschichte der Werkakademie in den Fokus. Anhand von 20 exemplarischen Beispielen zeigt die Ausstellung, was Handwerker und Handwerkerinnen mit gestalterischer Weiterbildung erreichen können.

In der Ausstellung und durch die Lektüre der zeitgleich erscheinenden Publikation "zwanzig“ können Besucherinnen und Besucher nachvollziehen, wie sich die Produktwelten der Gestalter verändert und neue Lebens- und Berufsperspektiven eröffnet haben.

So schildert die Weberin Sylvia Bünzel (Grethem), dass das Gestaltungsstudium sie einfach mutiger gemacht und die Lust am Experiment befördert habe. Und die von ihr gezeigte Produktlinie von handgewebten Taschen aus Magnetbändern unterstreicht dieses Statement nachdrücklich.

Hiawatha Seiffert, Metallbauer aus Hildesheim, bekam durch das Gestaltungsstudium an der Werkakademie den Impuls für ein Designstudium an der Fachhochschule in Hildesheim. Inzwischen ist er bundesweit bekannt und vielfach mit Preisen ausgezeichnet worden für seine großformatigen und raumgreifenden Schalen-Objekte aus Fahrrad- und Maschinenketten.

Jens Greiner, Elektroinstallateurmeister aus Bovenden, nutzte das Gestalterstudium, um seinen "Brotberuf“ mit schöpferisch-künstlerischen Aspekten zu bereichern. Natürlich haben die vom ihm gestalteten Objekte, die in der Ausstellung zu sehen sind, mit Licht zu tun. In seiner Werkstatt entstehen außergewöhnliche und individuelle Lichtobjekte, Unikate auf höchstem handwerklichen Niveau.

Aber natürlich gibt es in der Ausstellung auch Beispiele, die zeigen, dass das Gestalterstudium einen Absolventen weit über den Ursprungsberuf hinaustragen kann. Dafür steht die Tischlerin Marion Knoblauch, die zurzeit als Designerin und Projektmanagerin in Südafrika arbeitet. Ihre gestalterische Ausbildung hat sie mit einem ungewöhnlichen Stehpult abgeschlossen, das in der Ausstellung zu sehen ist.

In ganz anderer Weise hat sich Tim Oelker von seinem Ursprungsberuf „entfernt“. Der gelernte Tischler und Gestalter im Handwerk hat inzwischen ein Designstudium abgeschlossen und ein eigenes Büro in Hamburg eröffnet. Inzwischen ist er wieder ein wenig näher an seine niedersächsische Heimat herangerückt durch seine Dozenten-Tätigkeit in der Werkakademie und eine Verwaltungsprofessur im Fachbereich Produktdesign an der Hochschule Hannover.

In der Ausstellung sind auch drei Beispiele von hannoverschen Handwerkerinnen und Handwerkern zu sehen. Der Tischlermeister Christoph Balsiger, dessen Werkstatt sich auf dem Gelände der Eisfabrik in Hannovers Südstadt befindet, hat ein neues Schneidbrett entwickelt, auf dem die Messer haften bleiben. Tischlerin Natali Rose ist mit formschönen Stehleuchten in der Ausstellung vertreten. Und der Goldschmied Torsten Trautvetter zeigt seine neue Serie "Männer-Schmuck“.

Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist die aus einer Kooperation von gestaltenden Handwerkern entstandene Lichtlounge "heimLICH…T“, die erstmals auf der IdeenExpo 2011 vorgestellt wurde und dort für viel Aufsehen sorgte. Hier verbinden sich traditionelles Handwerk, innovative Technik und formschöne Gestaltung zu ungewöhnlichen Produkten. Stoffe, Korbgeflecht, Beton, Tapete in Verbindung mit Lichtleitfasern geben den Blick frei auf die Wohnwelten von morgen.

Parallel zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Zur Geschichte der Werkakademie:

Es hat ein paar Anläufe gebraucht, bis ein wirklich tragfähiges und nachhaltiges Konzept für die Werkakademie für Gestaltung im Handwerk gefunden wurde. Der erste Probelauf fand bereits 1983 bis 1985 statt mit einem Projekt „Werkstudium Gestaltung“. Aber erst der Modellversuch, der 1992 gestartet wurde, führte letztlich zu der Werkakademie, wie wir sie heute kennen und schätzen. Organisatorisch war der Modellversuch „Gestaltung im Handwerk“ bei der Handwerkskammer Hannover angesiedelt. Getragen wurde er von allen niedersächsischen Handwerkskammern, und finanzielle Unterstützung kam fünf Jahre lang vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium. 1996 wurde die Werkakademie in einen Verein umgewandelt. 

Seit 2003 trägt die Institution den Titel Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk Niedersachsen e.V. Sie ist damit eine der ältesten Gestaltungsakademien des Handwerks in Deutschland und die einzige Bildungseinrichtung dieser Art in Norddeutschland. Eine kleine, aber feine Institution, die sich inzwischen mit ihrem Angebot einen festen Platz im Kanon der Weiterbildungsmaßnahmen der niedersächsischen Handwerkskammern erobert hat.

Hunderte von Handwerkerinnen und Handwerker haben sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten in der Werkakademie zum Gestalter im Handwerk weitergebildet oder andere Gestaltungsseminare besucht.

 

Ausstellung:
08. September 2012 bis 06. Oktober 2012

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 07. September 2012, 20 Uhr

Ausstellungsführungen:
Samstag, 15.09.2012/22.09.20212/29.09.2012, jeweils 11 bis 12 Uhr mit Friederike Otto und Rüdiger Tamm von der Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk Niedersachsen e.V.

Öffnungszeiten:
Di – Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr
So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen
Der Eintritt ist kostenlos

Ort:
Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover

Ansprechpartnerin:
Dr. Sabine Wilp