2011 war ein gutes Jahr für das Handwerk

Hannover, 10. Mai 2012.- "Das Jahr 2011 wurde vor allem in der zweiten Hälfte durch die Diskussion um die schwierige Finanzsituation einiger europäischer Staaten bestimmt. Das hat den Blick darauf verstellt, dass das vergangene Jahr für das deutsche Handwerk ein gutes Jahr gewesen ist.“ Das machte der Präsident der Handwerkskammer Hannover, Walter Heitmüller, bei der heutigen Frühjahrsvollversammlung deutlich.

Die Auftrags- und Umsatzentwicklung sei positiv verlaufen, die Beschäftigungszahlen seien gestiegen und auch die Auslastung der Betriebe sei gut gewesen. Die Chancen, dass es 2012 ebenfalls gut weiter gehe, stünden daher nicht schlecht, erklärte Heitmüller. Dies werde durch die aktuelle Konjunkturumfrage für das Frühjahr 2021 bestätigt.

Er warnte aber zugleich davor, die Zukunft für das Handwerk zu rosig zu malen. Die gute Konjunktur und die hohe Auslastung der Betriebe zeige nämlich auch, dass das personalintensive Handwerk zunehmend stärker damit zu kämpfen habe, dass es nicht mehr genügend qualifizierte Fachkräfte rekrutieren könne. Dieser Trend werde sich künftig weiter spürbar verschärfen. Der demografische Wandel mit all seinen Folgen stelle das Handwerk vor große Herausforderung, denn ohne gut ausgebildete Fachkräfte könne das Handwerk nicht erfolgreich wirtschaften.

Auch Hauptgeschäftsführer Jans-Paul Ernsting führte aus, dass das Jahr 2011 für das Handwerk im Kammerbezirk Hannover mit einer positiven Bilanz abgeschlossen habe. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe sei erneut gestiegen. Demnach waren Ende Dezember 2011 18.582 Betriebe in der Handwerksrolle eingetragen. Das sind 1,3 Prozent mehr als im Jahr davor. Damit habe sich das Handwerk auf gutem Niveau stabilisiert.

Mit Sorge wies Ernsting aber darauf hin, dass die Gruppe der zulassungspflichtigen Handwerke (Meisterbetriebe/Anlage A) erneut leicht geschrumpft sei. Hier wurden Ende 2011 11.255 Betriebe gezählt. Das entspricht einem neuerlichen Rückgang von 0,4 Prozent.

Er machte deutlich, dass rund 39 Prozent der Betriebe des Handwerkskammerbezirks Hannover mittlerweile zum zulassungsfreien Handwerk und zu den handwerksähnlichen Gewerben gehören. 3.940 Betriebe waren zum Jahresende 2011 in den 53 zulassungsfreien Handwerksberufen eingetragen. Das sind 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Tendenz weiter steigend.

"Es bleibt dabei,“ so Ernsting, „seit Jahren entstehen neue Betriebe im Handwerk ganz überwiegend im zulassungsfreien Bereich, also dort, wo keine Qualifikationsnachweise für die Gründung erforderlich sind.“ Die Dequalifizierungsspirale, vor der die Handwerkskammer Hannover seit Jahren gewarnt habe, sei längst in Gang gesetzt.

Die Folgen seien deutlich: zum einen sei ein großer Teil der Existenzgründungen im zulassungsfreien Bereich nicht nachhaltig. Zum anderen werde auch das Ausbildungsengagement in diesem Bereich weiter zurückgefahren. So waren am 31. Dezember 2011 nur noch 9.311 Auszubildende in der Lehrlingsrolle der Handwerkskammer Hannover eingetragen. Das entspricht einem Rückgang von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Kammerhauptgeschäftsführer machte deutlich, dass die Handwerkskammer Hannover natürlich nicht nachlassen werde, um Schulabgängerinnen und Schulabgänger für das Handwerk zu begeistern. Das allein werde aber nicht ausreichen, um dem demografischen Wandel Paroli zu bieten. Auch neue Zielgruppen müssten für das Handwerk erschlossen werden, die bislang in diesem Wirtschaftsbereich eher unterrepräsentiert seien. Dabei gehe es unter anderem um die Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen, von Migrantinnen und Migranten und nicht zuletzt von älteren Beschäftigten.

Um die Fachkräftelücke zu schließen und die Mitgliedsbetriebe bei ihrer Personalarbeit zu unterstützen, habe die Handwerkskammer bereits vor Jahren unter dem Stichwort Personaldienstleistungszentrum damit begonnen, neue Dienstleistungsstrukturen aufzubauen. Diesen Weg werde die Handwerkskammer Hannover auch im Jahr 2012 weiter verfolgen.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht,“ so Ernsting. "Jetzt kommt es aber auch darauf an, dass uns die Politik nicht im Regen stehen lässt,“ meinte er mit Blick auf die nächste Landtagswahl. Einzelne Passagen in den ersten Entwürfen der Parteiprogramme ließen für das Handwerk wenig Gutes erahnen.

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Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp