Corinna Coutouzi: Pentagonal Spirals, Mobile

Corinna Coutouzi: Pentagonal Spirals, Mobile

afi.gr

Frühjahrsausstellung der Handwerksform Hannover zeigt die Gruppe AFI mit Kunst-Handwerk aus Griechenland

Hannover, 16. März 2012.- Die Handwerksform Hannover freut sich, erstmals in ihrer nahezu 50jährigen Geschichte Kunsthandwerker aus Griechenland in einer eigenen Ausstellung präsentieren zu können. Im März und April sind acht Mitglieder der Gruppe AFI in Hannover zu Gast. Die Idee dazu wurde von der Schmuckkünstlerin Corinna Coutouzi entwickelt, die vor einigen Jahren bereits einmal mit ihren Arbeiten in der Weihnachtsschau vertreten war.

AFI wurde im Frühjahr 1979 in Athen gegründet. Die Gruppe steht für zeitgenössisches griechisches Kunsthandwerk, das unter der Verwendung traditioneller Techniken kreiert wird. Und doch gehen die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler zum Teil weit über das hinaus, was in Deutschland unter „angewandter Kunst“ verstanden wird.

In ihren Anfangsjahren zeigten die Mitglieder von AFI ihre Arbeiten in verschiedenen Galerien. Von 1983 bis 1989 unterhielt die Gruppe ein eigenes kulturelles Zentrum in der Tripodon Straße 25 in der Plaka in Athen. Auf Dauer ließ sich das Zentrum, das ohne jede Subventionen auskommen musste, aber nicht finanzieren.

In den folgenden Jahren gingen die Mitglieder von AFI daher mit ihren Arbeiten in den griechischen Städten und Regionen auf Tour. 2009 wurde die Ausstellung „Upside Down“ im Benaki Museum in Athen gezeigt. Teile dieser Präsentation sowie ganz neue Arbeiten sind jetzt erstmals in Deutschland in der Handwerksform Hannover zu sehen.

Judith Allen-Efstathiou erforscht Kunst als einen Schauplatz des Austausches. Drei Jahre lang hat sie mit zwei Gruppen von Frauen zusammen gearbeitet: Mit Frauen der Oase Siwa in der Wüste von Westägypten und mit Insassinnen der Strafanstalt Koridalos in Athen. Für diese Projekte druckte Judith Allen-Efstathiou Bilder von Heilpflanzen auf Stoff und schickte sie zur Oase Siwa und in die Strafanstalt Koridalos mit Anweisungen für die Frauen, ihre Drucke nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu verschönern. Die Ergebnisse dieses Austausches nutzte die griechische Kunsthandwerkerin dann als Basis für eine Reihe von Zeichnungen.

Eva Cheiladaki stellt zwei Projekte vor: die „Geisterstadt“ und „Kokoretsi“. Unter dem Titel „Geisterstadt“ zeigt sie Fotos, die sie vor Jahren auf dem Gelände des jetzigen Flughafens von Athen gemacht hat. Damals war dieser Platz eine endlose Ebene, spärlich besucht von Hirten, Reitern und Kräuterweiblein, bot aber auch Unterschlupf für Drogenabhängige, Neonazis und illegale Einwanderer. Die Graffiti, die einige halbverfallene Schuppen zieren, sprechen eine eigene Sprache: Eine Idylle – geladen mit Drohungen. „Kokoretsi“ bezeichnet eine griechische Delikatesse, am Spieß gebratene und mit Innereien gefüllte Därme. In die Welt der Künstlerin übertragen steht Kokoretsi für den Zustand des Verstricktseins symbolisiert durch gefesselte und in Netz verstrickte Stoffpuppen, die sie von Frauen aus Kasachstan, Usbekistan, Ungarn und Deutschland im Gefängnis von Theben nähen ließ.

Bewegung und fließende Formen in statischen Objekten sind in den Werken von Theodora Chorafas allgegenwärtig. Sie arbeitet mit Ton- und Rauchbrandkeramiken, die mit monochromen Glasuren überzogen sind.

Von Corinna Coutouzi werden in der Ausstellung Schmuck und bewegte skulpturale Formen zu sehen sein, die zudem noch Töne erzeugen. Auf dem Amboss hämmert sie den Draht, bis er die gewünschte Form annimmt und ‚mitspielt’, um zu tanzen, zu zittern, zu klingen. Was bietet sich besser an als das Mobile, um all dies zur Geltung zu bringen?

Maria Grigorious arbeitet mit Papier. Sorgfältig gefaltet entstehen daraus Schmuck oder Skulpturen. Inspiriert wurde sie dazu von den griechischen Trachten des 18. und 19. Jahrhunderts. Zur Verarbeitung von Zeitungs- oder Backpapier nutzt sie traditionelle Textiltechniken und stellt so einen Zusammenhang zwischen Tradition und Moderne her. Filigrane Festigkeit zeichnet ihre Objekte aus.

Yiannis Papadopoulus verbindet Materialien wie Rattan, handgeschöpftes Papier, Fäden und Papierrohre und gestaltet daraus Raumobjekte, die durch die Interaktion mit dem Ausstellungsraum sowie mit Licht und Schatten besonders bestechen. Der Blick des Betrachters durchdringt das Werk und der umgebende Raum wird Teil des Objektes.

Inger Carlssons Objekte bestehen aus Tüll, Seidenstoff, Plastik und altem Leinen, das die Künstlerin mit der Hand oder der Maschine mit Baumwoll- und Seidengarn bestickt hat. Sie zeigt in der Ausstellung die beiden Arbeiten: "12 kleine Kleider" und "All die Leute, die ich nie kennengelernt habe".

Die Arbeit von Despina Pantazopoulou kreist um Löffel und Hände. Der Löffel ist ein Gebrauchsgegenstand, den wir nahezu tagtäglich in die Hand nehmen, um Nahrung zu uns zu nehmen. Für Despina Pantazopoulou haben Löffel, die sie vorzugsweise aus gehämmerten Eisen, aus Bronze, Silber, Leder oder Ebenholz fertigt, viele verschiedene Aspekte. Er kann als halbkugelförmige Fortsetzung des Armes verstanden werden oder symbolisch als die zwei Hälften eines Ganzen für die Hungrigen und die Nichthungrigen. Der Löffel kann auch als Symbol für die Liebe der Mutter zu ihrem Kind stehen, oder zeremoniellen Charakter annehmen.  

 

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 16. März 2012, 20 Uhr

Ausstellungsdauer:
17. März 2011 bis 14. April 2012

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp