LHN
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Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen und Handwerkskammerpräsident Karl-Wilhelm Steinmann mit UNternehmerin Heike Pascheit (l.) und Geschäftsführerin Hildeganrd Sander.

Alle Türen stehen noch offen

Ausbildungsverträge können noch bis Ende Oktober abgeschlossen werden.

Hannover.- „60 Prozent der Handwerksbetriebe haben alle Ausbildungsplätze besetzt, bei 40 Prozent der Betriebe geht noch etwas!“  Karl-Wilhelm Steinmann, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN), ruft anlässlich der diesjährigen LHN-Sommerpressekonferenz im Ausbildungsbetrieb Pascheit EMG GmbH in Hannover zum Jahresendspurt auf. Die LHN hat eine landesweite Umfrage durchgeführt, an der sich 1.400 Ausbildungsbetriebe aus den unterschiedlichsten Gewerken beteiligt haben.

Speziell in den Friseurbetrieben gibt es – so die Umfrage – noch viele offene Lehrstellen. Diese Betriebe waren aufgrund der Schließungszeiten sehr stark von der Coronakrise betroffen und konnten vor allem in 2020 nur eingeschränkt ausbilden. Jetzt suchen viele Friseurbetriebe wieder. Im Zuge der hohen Baunachfrage gilt dieses auch im Metallbau, bei den Maurern und Betonbauern, bei den Elektrotechnikern, den Maler und Lackierern, den Installateuren und Heizungsbauern, den Zimmerern und den Tischlern.

Gerade in so bewegten wirtschaftlichen Zeiten ist es positiv, dass 86 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe frühzeitig eine Bleibeperspektive nach Ausbildungsabschluss bieten. 45 Prozent unterstützen die Auszubildenden mit Nachhilfeangeboten und 36 Prozent werben mit weiteren Zusatzqualifikationen – dazu zählt z.B. das BerufsAbitur für den gleichzeitigen Erwerb des Gesellenbriefs und einer Hochschulzugangsberechtigung. Ferner finanzieren Betriebe z.B. einen Führerschein, stellen ein Azubi-Fahrrad oder ein Azubimobil zur Verfügung oder geben Unterstützungen bei der Wohnungssuche.

Handwerk ist zukunftssicher und bleibt in Zukunft relevant

Viele der besonders nachgefragten Berufe befassen sich mit Themen des Umweltschutzes, der Energiewende oder auch des nachhaltigen und ressourcenschonenden Wirtschaftens. Sie sind daher nicht nur zukunftssicher, sie sind zukunftsrelevant! Unwetterereignisse, wie jüngst in NRW, machen dieses auf erschütternder Art und Weise deutlich. Jungen Menschen wird es in Zukunft immer wichtiger werden, etwas Sinnvolles und Nachhaltiges zu tun. Immer öfter wird gefragt, wozu ist das gut, was ich tue? Das Handwerk kann insgesamt darauf eine gute Antwort geben.

„In jedem Fall lohnt eine Anfrage bei der Ausbildungsberatung der jeweils zuständigen Handwerkskammer“, betont Steinmann, der auch Präsident der Handwerkskammer Hannover ist. Er fordert alle jungen Menschen auf, die noch unversorgt und unentschieden sind, auch einfach mal bei einem Betrieb vor Ort nachzufragen. Ein Praktikum hilft vielfach bei der Entscheidungsfindung. 95 Prozent der Betriebe schätzen Schülerpraktika zum persönlichen und praktischen eigenen Erleben einer handwerklichen Ausbildung als wichtig ein.

Forderungen an die Politik und alle Bildungsverantwortliche

  1. Die Berufliche Orientierung ist weiter auszubauen!
  2. Die digitalen Berufsorientierungsformate müssen von allen Akteuren in der beruflichen Bildung weiter professionalisiert werden.
  3. Die Zusammenarbeit mit den allgemeinbildenden Schulen ist zu intensivieren. Ausbildungsbotschafter*innen, d.h. junge Auszubildende, die von ihrem Ausbildungsleben berichten, müssen intensiver in den Schulen eingesetzt und in Abstimmung mit den Kammern unterstützt werden.
  4. Schulpraktika müssen wieder in vollem Umfang möglich sein.
  5. Die Sprachförderung im Hinblick auf sprachlogische Kompetenzen – auch bei Muttersprachlern – muss gestärkt werden. Die Mehrzahl der Betriebe, d.h. 80 Prozent können dieses in der betrieblichen Ausbildung nicht allein leisten – trotz ihrer hohen Unterstützungsbereitschaft.
  6. Ein landkreisübergreifendes AzubiTicket zur Attraktivitätssteigerung und Stärkung der Mobilität speziell für Auszubildende ist unverzichtbar.
  7. Berufsschulen und überbetriebliche Bildungsstätten müssen besser ausgestattet werden. Das Kultusministerium hat an dieser Stelle erste Schritte unternommen, weiß aber auch, dass dieses erst ein Anfang sein kann.

„Deutschland und auch Niedersachsen sind erfolgreich mit zwei Säulen der Bildung, einer exzellenten akademischen und einer exzellenten beruflichen Säule. Aktuell müssen vor allem größere Anstrengungen unternommen werden, um die zweite Säule zu stärken, damit keine Schieflage entsteht“, betont Steinmann. (15.09.2021)

Ansprechpartner:

Dr. Carl-Michael Vogt
Stellvertretender Hauptgeschäftsführer

Tel. (05 11) 3 48 59 - 26
Fax (05 11) 3 48 59 - 32
vogt--at--hwk-hannover.de

Ansprechpartnerin bei der LHN:

Dr. Hildegard Sander
Hauptgeschäftsführerin
Tel. (05 11) 3 80 870