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Bilanz 2019 fällt positiv aus

Im Handwerkskammerbezirk Hannover ist ein Plus bei den Betrieben, bei den Ausbildungsverhältnissen und beim Umsatz zu verzeichnen.

Hannover, 14. Mai 2020.- Das Jahr 2019 war für das Handwerk im Handwerkskammerbezirk Hannover ein gutes Jahr. Bei den Betriebszahlen wurde ein deutliches Plus (2,9 %) geschrieben. Insgesamt waren 19.138 Betriebe mit rd. 108.000 Beschäftigten am Ende des Jahres 2019 bei der Handwerkskammer Hannover eingetragen. Der Umsatz betrug 9,50 Mrd. Euro.

Auch wenn die Betriebszahl insgesamt gestiegen ist, musste das Handwerk der Anlage A erneut einen leichten Rückgang hinnehmen (-0,8%). Hier wurden Ende 2019 noch 10.521 Betriebe (Vorjahr 10.601) gezählt.

Deutlich zugelegt haben erneut die handwerksähnlichen Gewerbe (Anlage B2). Hier wurden Ende 2019 insgesamt 3.528 Betriebe (Vorjahr 3.386) gezählt. Der Zuwachs betrug 4,2 %.

Auch bei den Betriebszahlen der Anlage-B1-Gewerke wurden positive Zahlen geschrieben (+ 3,5%). 5.089 Betriebe (Vorjahr 4.917) waren am 31.12.2019 in den 53 zulassungsfreien Gewerken eingetragen.

Einmal mehr zeigt sich an diesen Zahlen, dass Neu-Gründungen im Handwerk vor allem in den B1-Handwerken erfolgen, in denen keinerlei Qualifikation als Zulassungsvoraussetzung erforderlich ist. Dabei handelt es sich in der Regel um Klein- und Kleinstbetriebe (Soloselbständige), also um Betriebe ohne Angestellte, in denen auch nicht ausgebildet wird. Das bedeutet: die Dequalifizierungsspirale dreht sich weiter. Es bleibt abzuwarten, wie sich die beschlossene Rückführung von 12 Berufen von der Anlage B1 in die Anlage A in den folgenden Jahren auswirken wird.

Ausbildungsverträge im Plus

Positive Nachrichten gibt es auch bei der Entwicklung der Ausbildungsverhältnisse. Erneut wurde hier ein leichtes Plus geschrieben (+1,0 %). Am 31. Dezember 2019 waren insgesamt 8.447 Lehrlinge (Vorjahr 8.366) bei der Handwerkskammer Hannover eingetragen. Sicher ein Ergebnis, das man der bundesweiten Imagekampagne vor allem aber auch den vielfältigen Anstrengungen des Nachwuchsrekrutierungsteams der Handwerkskammer Hannover zuschreiben kann.

Wie dies Ende 2020 aussehen wird, darüber lässt sich momentan keine verlässliche Aussage machen. "Wir sind weit entfernt von jeder Normalität, auch wenn wir langsam den Lehrbetrieb auf dem Campus Handwerk wieder aufnehmen," so Peter Karst, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. "Dem von der Politik verordneten Shutdown sind viele Dinge zum Opfer gefallen. So konnte unser Nachwuchsrekrutierungsteam nicht wie sonst in die Schulen gehen, um für eine Ausbildung im Handwerk die Werbetrommel zu rühren. Und die Betriebe hatten so viel andere wichtige Dinge zu bearbeiten, da ist das Thema Fachkräftesicherung durch Ausbildung ein wenig ins Hintertreffen geraten. Da müssen wir jetzt ran! Mit einer kleinen Kampagne wollen wir für eine Ausbildung im Handwerk noch einmal die Werbetrommel rühren."

Kammer fährt Ausbildungskampagne für 2020

Karst verwies darauf, dass die sozialpartnerschaftlich gestaltete duale Ausbildung die wahre Stärke des Wirtschaftsstandorts Deutschland sei. Um dieses kluge Ausbildungssystem in der sozialen Marktwirtschaft beneidet uns die ganze Welt, erklärte er. Gerade im Handwerk könne man mit einer qualifizierten Ausbildung auch in Kombination mit einem Studium so schnell Karriere machen wie nirgendwo sonst. Man könne Schülerinnen, Schülern, Eltern und Lehrern daher eine Ausbildung im Handwerk nur ans Herz legen. Dies sei eine Daueraufgabe, der sich die Handwerkskammer Hannover verpflichtet fühle. "Die Jugendlichen brauchen eine Berufsorientierung, die sie nicht nur in akademische Abschlüsse und schlimmstenfalls Abbrüche drängt, sondern ihnen zu einem passgenauen persönlichen Anschluss zwischen Schule und Beruf verhilft", so Karst.

In diesem Zusammenhang wies er auch darauf hin, dass die Handwerkskammer Hannover weiterhin alles daran setze, um jungen Menschen eine qualifizierte Aus- und Fortbildung im Handwerk zukommen zu lassen. Das zeigten nicht zuletzt die großen Investitionen in die energetische Modernisierung auf dem Campus Handwerk in Garbsen, sondern auch eine Reihe von wichtigen Eckwerten aus dem Bereich Bildung.

2019 wurden 1.380 Lehrgänge zur überbetrieblichen Unterweisung mit insgesamt 13.697 Teilnehmer*innen durchgeführt (Vorjahr 1.310/12.475). Es fanden 40 Meistervorbereitungslehrgänge (Vorjahr 66) mit insgesamt 799 (Vorjahr 1.173) Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Auch das Prüfungswesen hat beeindruckende Zahlen vorzuweisen: 2019 wurden 531 Meisterprüfungen erfolgreich abgeschlossen (Vorjahr 471) Hinzu kamen 605 abgelegte Meisterprüfungen im Teil I (Vorjahr 519), 658 abgelegte Meisterprüfungen im Teil II (Vorjahr 637), 894 abgelegte Meisterprüfungen im Teil III (Vorjahr 834) und 75 abgelegte Meisterprüfungen im Teil IV (Vorjahr 87).

Die Handwerkskammer Hannover konnte sich darüber hinaus über 43 (Vorjahr 40) neue Geprüfte Betriebswirte (HwO), 605 (Vorjahr 620) erfolgreich abgeschlossene Ausbildereignungsprüfungen und 94 (Vorjahr 21) Gebäudeenergieberater (HWK) freuen.

Auch im Bereich der Aus-, Weiterbildungs- und Betriebsberatung wurden 2019 gute Zahlen geschrieben. 397 Ausbildungsberatungen (Vorjahr 722), 1.000 Weiterbildungsberatungen (Vorjahr 1.100), 228 Existenzgründungs- und Nachfolgeberatungen (Vorjahr 279), 301 Umweltschutzberatungen (Vorjahr 281) sowie 3.500 Kurzberatungen im Bereich Wirtschaftspolitik und Unternehmensführung und 2.000 Rechtsberatungen sprechen hier eine deutliche Sprache.

Der Erfolgsplan der Handwerkskammer Hannover weist 23,1 Millionen Euro aus. 36 Prozent der Erträge stammen aus Beiträgen, 42 Prozent entfallen auf Gebühren und 16 Prozent stammen aus Zuwendungen aus Bundes-, Landes- und EU-Mitteln.

"Noch sind wir relativ weit von einer Nach-Corona-Normalität entfernt, auch wenn erste Lockerungen uns ermöglicht haben, den Lehrgangs- und Prüfungsbetrieb unter kostspieligen Auflagen wieder aufzunehmen. Das freut uns natürlich. Aber abgerechnet wird am Schluss," so Karst. "Und ob wir am Ende des Jahres 2020 erneut eine ähnlich positive Bilanz ziehen können, das halte ich momentan eher für unwahrscheinlich."

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