Die Handwerkswirtschaft im Handwerkskammerbezirk Hannover zeigt weiter viel Schwung

Hannover, 11. Oktober 2011.- Die Handwerkskonjunktur im Bezirk der Handwerkskammer Hannover zeigt weiterhin aufwärts. Das stellte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Dipl.-Kfm. Jans-Paul Ernsting, bei der Vorlage des aktuellen Konjunkturberichts fest. Nur in den von einer Sonderkonjunktur getragenen Boomjahren 1990 und 1991 – nach der deutschen Wiedervereinigung – sei die wirtschaftliche Entwicklung besser für das hannoversche Handwerk gewesen als in diesem Herbst.

Im Vergleich zum Herbst 2010 stieg der Geschäftsklimaindex nochmals um 8 Punkte auf nunmehr 71,5 Indexpunkte. „Einen solch hohen Indexwert gab es letztmalig 1991,“ erklärte Ernsting. Auch die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Gesamthandwerk sei positiv verlaufen, und das bei steigenden Beschäftigtenzahlen.

Die Auslastung der Betriebe sei gut, die Investitionstätigkeit mehr oder weniger stabilisiert, und auch die Auftragsreichweite habe sich verbessert. Gegenüber dem Vorjahresquartal habe sich der Preisüberwälzungsgrad zu Gunsten der Betriebe entwickelt. Allerdings seien die Preise gestiegen, so Ernsting.

Herausragend: die Lage im Bauhandwerk

Besonders herausragend ist die wirtschaftliche Lage im Bauhandwerk. Insbesondere der private Wohnungsbau, der für das Bauhandwerk im Kammerbezirk von großer Bedeutung ist, hat einen regelrechten Aufschwung erlebt. So sind die Baugenehmigungen in dieser Sparte in ganz Niedersachsen um knapp ein Drittel gestiegen.

Neben verbesserten Einkommensperspektiven auf Grund der gesunkenen Arbeitslosigkeit dürften hier auch die niedrigen Hypothekenzinsen und die Flucht in Immobilien zu Buche schlagen. So ist auch die Geschäftslagebeurteilung gegenüber dem Vorjahresquartal um nochmals 5 Indexpunkte auf 75 Punkte gestiegen und die übrigen Konjunkturindikatoren zeigen ebenfalls nach oben.

Die konjunkturelle Entwicklung im Ausbauhandwerk ist gut

Auch die konjunkturelle Entwicklung im Ausbauhandwerk ist gut. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten ist hervorragend, die Auftrags- und Umsatzentwicklung ebenfalls. 43 Prozent der befragten Betriebe meldeten ein Auftragsplus, nur 11 Prozent ein Auftragsminus. Per saldo 15 Prozent der Betriebe haben angesichts der guten Auftragslage zusätzliches Personal beschäftigt. Allerdings machen auch dieser Branche die steigenden Preise zu schaffen.

Handwerk für den gewerblichen Bedarf: überdurchschnittliche Geschäftslagebeurteilung

Eine überdurchschnittliche Geschäftslagebeurteilung gaben die Betriebe des Handwerks für den gewerblichen Bedarf ab. Der entsprechende Indexwert stieg gegenüber dem Herbst 2010 um 10 Punkte auf 72,5 Indexpunkte. Nochmals gestiegene Aufträge und eine sehr gute Umsatzentwicklung fanden ihren Niederschlag in der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen. Per saldo stellten 19 Prozent der befragten Betriebe weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein.

Kraftfahrzeughandwerk: Auftragseingänge stagnieren

Stagnierende Auftragseingänge bei einem leichten Umsatzplus kennzeichnen die Lage im Kraftfahrzeughandwerk. Der Geschäftsklimaindex ist um 3,5 Punkte gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres auf 54,5 Punkte gesunken. Die Kfz-Betriebe allerdings scheinen auf zusätzliche Geschäfte zu hoffen. Die erwartete Geschäftslage wird immerhin günstiger prognostiziert als die aktuelle und auch weit überdurchschnittlich, gemessen am Gesamthandwerk. Angesichts der seit einiger Zeit herrschenden Winterreifenpflicht gar nicht so überraschend.

Konjunkturelle Schubkräfte für das Nahrungsmittelhandwerk

Das Nahrungsmittelhandwerk verspürt deutliche konjunkturelle Schubkräfte und so ist der aktuelle Geschäftsklimaindex mit 68 Indexpunkten mehr als zufriedenstellend und gegenüber dem Vorjahresquartal zudem um 16 Indexpunkte empor geschnellt. Per saldo 7 Prozent der Betriebe verzeichneten eine zunehmende Nachfrage, die Umsätze stiegen in 14 Prozent der befragten Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien.

Gute wirtschaftliche Situation im Dienstleistungshandwerk

Das Dienstleistungshandwerk, in besonderem Maße vom privaten Konsum abhängig, weist mit 64,5 Indexpunkten bei der aktuellen Beurteilung der Geschäftslage auf eine gute wirtschaftliche Situation hin. Per saldo verzeichnete keiner der befragten Betriebe einen Nachfragerückgang, 6 Prozent meldeten eine positive Umsatzentwicklung. Die Gesundheitshandwerke erreichten einen Geschäftsklimaindex von 66,5 Punkten. Deutliche Auftrags- und Umsatzrückgänge führten zu einem kräftigen Beschäftigtenabbau.

Die Aussichten: weitere Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung

Nach den Gesamtprognosen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover ist von einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Allerdings wird sich die Konjunktur in den einzelnen Handwerksbranchen nach eigenen Angaben sehr unterschiedlich darstellen.

Während das Kfz-Handwerk, die Dienstleistungshandwerke und das Ausbauhandwerk recht zuversichtlich wirken, ist dies in den übrigen Handwerksbranchen eher nicht der Fall. Etwas skeptisch blickt das Bauhandwerk in den kommenden Geschäftsverlauf. Die saisonale Komponente, die üblicherweise in den Wintermonaten des Jahres für diese Handwerksbranche zum Tragen kommt, scheint den Betrieben zuzusetzen.

Die Beschäftigtenzahl im Gesamthandwerk wird vor dem Hintergrund des erwarteten Auftragsplus nach Angaben der Betriebe unverändert gelassen. Die Investitionsneigung ist noch ganz gut ausgeprägt.

Regionalanalyse: deutlicher Aufschwung im Vergleich zum Herbst des letzten Jahres

Die regelmäßig durchgeführte Regionalanalyse zeigt einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung gegenüber dem Herbst letzten Jahres in der Region Hannover, in der Landeshauptstadt und in den Landkreisen Diepholz und Hameln-Pyrmont im Bezirk der Handwerkskammer Hannover. Eine geringe negative Veränderung verzeichnete der Landkreis Schaumburg mit einem Rückgang des Geschäftsklimaindexes von nur 0,5 Punkten auf 57 Indexpunkte. Der Rückgang ist zwar gering, allerdings bewerteten die Betriebe dieses Landkreises  ihre Geschäftslage insgesamt am ungünstigsten, gefolgt von den Betrieben der Landeshauptstadt Hannover (65,5 Punkte) und dem Landkreis Nienburg (68,5 Punkte). Im Landkreis Diepholz bewerteten die Betriebe ihre Geschäftslage mit 80,5 Indexpunkten, im Landkreis Hameln-Pyrmont immerhin mit 77,5 Punkten und in der Region Hannover mit 76 Indexpunkten.

 

*Der Geschäftsklimaindex ist die Summe der prozentualen Anteile der befragten Betriebe, die eine gute (Gewichtung = 1) bzw. eine befriedigende (Gewichtung = 0,5) Geschäftslage meldeten

 

 

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp