Die Handwerkswirtschaft zeigt weiter viel Schwung

Hannover, 09. Oktober 2015.- Erfreulich positiv zeige sich die aktuelle Handwerkskonjunktur im Bezirk der Handwerkskammer Hannover im Herbst 2015. Darauf machte Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, bei der Vorstellung des aktuellen Konjunkturberichts für das Herbstquartal aufmerksam. Gegenüber dem Vorjahr sei der Geschäftsklimaindex nochmals um drei Punkte auf nunmehr 68 Indexpunkte gestiegen. Allerdings profitierten nicht alle Handwerksbranchen von dieser guten Entwicklung.

Den höchsten Indexwert erreichte das Ausbauhandwerk mit 77 Indexpunkten. Den geringsten Wert verbuchten die Gesundheitshandwerke mit nur 42,5 Punkten. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Gesamthandwerk verlief, bei steigenden Beschäftigtenzahlen, positiv. Immerhin per Saldo 12 Prozent der Betriebe teilten der Handwerkskammer eine höhere Mitarbeiterzahl als im Herbst 2014 mit.
Die Auslastung der Betriebe sei ausgesprochen gut. Darauf wies Ernsting hin. 93 Prozent der befragten Betriebe meldeten eine über 50prozentige Betriebsauslastung. Lediglich die Investitionstätigkeit verlief insgesamt negativ. Der Preisüberwälzungsgrad habe sich gegenüber dem Vorjahresquartal - allerdings bei insgesamt steigenden Preisen - geringfügig zu Gunsten der Betriebe entwickelt. Jedoch gebe es auch in diesem Punkt große Unterschieden bei den einzelnen Handwerksbranchen.

Bauhandwerk
Ausgesprochen gut ist die wirtschaftliche Lage im Bauhandwerk. Insbesondere der private Wohnungsbau, der für das Bauhandwerk im Kammerbezirk von großer Bedeutung ist, hat einen weiteren Aufschwung erlebt. So sind die Baugenehmigungen in dieser Sparte in ganz Niedersachsen abermals deutlich gestiegen. Eine anhaltend hohe Zuwanderung nach Deutschland, ein stabiler Arbeitsmarkt verbunden mit steigenden Realeinkommen der privaten Haushalte, ein historisch niedriges Hypothekenzinsniveau und Minimalrenditen auf alternative sichere Kapitalanlagen werden weiter ein günstiges Umfeld für Wohnungsbauinvestitionen schaffen. Auch die Geschäftslagebeurteilung ist gegenüber dem Vorjahresquartal nochmals um 6,5 Indexpunkte auf nunmehr 75,5 Punkte gestiegen.

Ausbauhandwerk
Auch die konjunkturelle Entwicklung im Ausbauhandwerk verläuft glänzend. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten ist hervorragend, die Auftrags- und Umsatzentwicklung ebenfalls. 31 Prozent der befragten Betriebe meldeten ein Auftragsplus, nur jeder zehnte Betrieb musste in schwächer gefüllten Auftragsbüchern blättern.

Handwerk für den gewerblichen Bedarf
Eine nahezu durchschnittliche Geschäftslagebeurteilung - gemessen am Gesamthandwerk - gaben die Betriebe des Handwerks für den gewerblichen Bedarf ab. Der entsprechende Indexwert stieg gegenüber dem Herbst 2014 allerdings um 10,5 Punkte auf 68,5 Indexpunkte. Nochmals gestiegene Aufträge fanden ihren Niederschlag in der Entwicklung der Beschäftigten-zahlen. Per Saldo stellten 9 Prozent der befragten Betriebe weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein. Deutlich rückläufige Auftragseingänge bei einem kräftigen Umsatzminus hingegen kennzeichnen die Lage im Kraftfahrzeughandwerk. Der Geschäftsklimaindex ist dennoch - gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres – unverändert bei 59,5 Punkten geblieben.

Nahrungsmittelhandwerk
Das Nahrungsmittelhandwerk verspürt keine konjunkturellen Schubkräfte und so ist der aktuelle Geschäftsklimaindex mit 64 Indexpunkten gegenüber dem Vorjahresquartal nahezu unverändert. Per Saldo verzeichneten 16 Prozent der Betriebe eine abnehmende Nachfrage.

Gesundheitshandwerke
Die Gesundheitshandwerke kränkeln vor sich hin und erreichten lediglich einen weit unterdurchschnittlichen Geschäftsklimaindex von 42,5 Punkten und bilden damit das Schlusslicht in der Beurteilung der Branchenkonjunkturen. Deutliche Auftrags- und Umsatzrückgänge führten dennoch nicht zu einem Beschäftigtenabbau.

Dienstleistungshandwerk
Das Dienstleistungshandwerk - in besonderem Maße vom privaten Konsum abhängig - weist mit 57 Indexpunkten bei der aktuellen Beurteilung der Geschäftslage auch nicht auf eine gute wirtschaftliche Situation hin. Per saldo verzeichnete zwar keiner der befragten Betriebe einen Nachfragerückgang; immerhin jeder zehnte Betrieb sah sich einem Umsatzminus gegenüber.
Nach den Gesamtprognosen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerks-kammer Hannover ist von einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Allerdings wird sich die Konjunktur in den einzelnen Handwerksbranchen nach eigenen Angaben sehr unterschiedlich darstellen. Während das Dienstleistungshandwerk, das Nahrungsmittelhandwerk und das Gesundheitshandwerk recht bescheiden wirken, sind die übrigen Handwerksbranchen eher von Zuversicht geprägt. Dies gilt ganz besonders für das Bauhandwerk und das Ausbauhandwerk.

Regionalanalyse
Die Regionalanalyse zeigt einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung gegenüber dem Herbst letzten Jahres im Landkreis Nienburg, in der Region Hannover und im Landkreis Hameln-Pyrmont. Eine geringe negative Veränderung verzeichnete der Landkreis Schaumburg mit einem Rückgang des Geschäftsklimaindexes von nur einem Punkt auf 60 Indexpunkte. Der Rückgang ist zwar gering, allerdings bewerteten die Betriebe dieses Landkreises ihre Geschäftslage insgesamt am ungünstigsten, gefolgt von den Betrieben des Landkreises Hameln-Pyrmont (64 Punkte) und des Landkreises Diepholz (67 Punkte).

In der Region Hannover bewerteten die Betriebe ihre Geschäftslage mit 69 Indexpunkten, im Landkreis Nienburg immerhin mit 79,5 Punkten. Aus dem ehemals strukturschwachen Landkreis ist in den letzten Jahren eine recht wirtschaftsstarke Region geworden. Neben der verbesserten Verkehrsinfrastruktur dürfte eine weitere Ursache für die wirtschaftliche Erholung das starke Baugewerbe der Region sein.

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Dr. Sabine Wilp
Rosemarie Colberg