Manuel Wesemann (links) mit seinem Mitarbeiter Lars Hundertmark
Handwerkskammer Hannover
Manuel Wesemann (links) mit seinem Mitarbeiter Lars Hundertmark

Digitalisierung bringt Tischlereien nach vorne

In der Digitalisierungswerkstatt lernten Betriebe die neue Technologie zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Garbsen.- (fb) Die Digitalisierungswerkstatt im Tischlerhandwerk ging jüngst mit einer Abschlussveranstaltung auf dem Campus Handwerk zu ende. Bei der Digitalisierungswerkstatt  unterstützt die Handwerkskammer Hannover im Auftrag des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk (KDH ) Handwerksbetriebe bei der konzeptionellen Entwicklung und der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie. An dieser Auflage der Digitalisierungswerkstatt nahmen fünf Betriebe teil. „Das Format ist ein toller Erfolg und wird es auch in Zukunft sein“, freute sich Volker Schmolz, der Geschäftsführer bei der Handwerkskammer Hannover für den Campus Handwerk, in seiner Begrüßungsansprache. Das wichtige an der Digitalisierungswerkstatt sei, dass die Themen individuell auf die teilnehmenden Betriebe zugeschnitten seien. Die Leitfrage dabei: „Wie sieht der digitale Transformationsprozess in Ihrer Firma aus?“

Die fünf Tischlerbetriebe waren im Mai 2018 in die Digitalisierungswerkstatt gestartet. Im Verlauf der Digitalisierungswerkstatt hatten die Teams aus den Betrieben an insgesamt 16 Workshops und Seminaren teilgenommen. „Dabei ging es immer um den Praxisbezug“, erklärt Benita von Steinaecker, die Leiterin der Digitalisierungswerkstatt.  

Am Beginn der Digitalisierungswerkstatt stand eine Analyse der spezifischen Bedarfe der Betriebe. Dabei zeigte sich, dass es vielen darum ging, von Papier zu digitalen Endgeräten zu wechseln, um den Informationsaustausch zwischen Büro, Werkstatt und Baustelle zu optimieren.

Manuel Wesemann, der Inhaber der Tischlerei Hans Mundrzik GmbH in Bad Pyrmont, berichtet von den Verbesserungen, die er dank der Digitalisierungswerkstatt in seinem Betrieb eingeführt hat: „Wir digitalisieren momentan unser Materiallager“, sagt er. Sobald Material am Lager eintreffe, wird  es zur Zeit per Tablet in eine Excel-Tabelle eingetragen. Jeder Mitarbeiter wisse nun, wo es im Lager zu finden sei. Auch der aktuelle Lagerbestand wird tagesaktuell erfasst und ist auf einem weiteren Tablet und im Büro sichtbar. „Wir müssen in der Produktion nicht mehr mit Listen rumlaufen“, meint Wesemann. Nicht nur der Eingang, auch der Materialverbrauch sei stets im Blick, denn die Mitarbeiter dokumentieren auch, wenn etwas das Lager verlässt.

Durch die Beschaffung eines Flächenlagers mit angebundener Plattensäge werden zukünftig Platten per Barcode gescannt und in Echtzeit über die Lagerverwaltung erfasst. Aus Stücklisten,  die in der Arbeitsvorbereitung geschrieben oder aus 3D-Zeichnungen entnommen werden, werden Zuschnittlisten, die digital an die Plattensäge gesandt werden.

Sobald der Mitarbeiter an der Plattensäge den Schnittplan aufruft bestückt das automatische Flächenlager die Säge mit den benötigten Platten. Größere Reste werden ins Flächenlager zurückgelegt, kleinere bekommen einen Barcode und werden ins Handlager gestellt und bei Bedarf zurückgefordert.

Dies erfordert von den Mitarbeitern Disziplin, erleichtert aber die körperliche Arbeit. Die Lagerverwaltung liefert damit Daten die bisher so nicht erfasst werden konnten, genaue Verbräuche, Lagerzeiten oder die Rückverfolgung von einzelnen Platten, wenn es zum Beispiel zu Materialfehlern kommen sollte.

Für diese Dokumentation hat Wesemann keine spezielle Software angeschafft. Durch die Eintragung eines Mindestbestandes ist jedem ersichtlich wann Material nachbestellt werden muss. „Auch Lieferanten und Artikelnummern sind für jeden einsehbar“, erklärt Wesemann, außerdem habe man dadurch die Quote von Fehlbestellungen reduziert und benötige weniger Lagerfläche. „Das ist eine sehr gute Lösung für wenig Geld“, freut sich der Chef.

Kontakt:

Benita von Steinaecker
Beauftragte für Innovation und Technologie (BIT)

Tel. (0 51 31) 70 07 - 7 98
Fax (0 51 31) 70 07 - 2 80
b.vonsteinaecker--at--fbz-garbsen.de