3_1_elke_hirsch
Elke Hirsch

Die Christmas Edition

Am Ende des Jahres 2018 präsentiert die Handwerksform noch einmal Kunsthandwerk der besonderen Art.

Hannover, 22. November 2018.- Edles und schönes Handwerk steht in der Christmas Edition 2018 im Mittelpunkt. Am Jahresende zeigt die Handwerksform Hannover seit einigen Jahren eine Ausstellung mit besonders exquisitem Kunsthandwerk. Eine sehr persönliche Auswahl der Organisatoren: Dr. Sabine Wilp, Peter Stoschus und Andrea Basse.

„Wir wollen unseren Besucherinnen und Besuchern Objekte von angewandten Künstlerinnen und Künstlern präsentieren, die uns besonders am Herzen liegen,“ erklärt Dr. Sabine Wilp, die die Handwerksform Hannover seit 2002 leitet. „Dabei versuchen wir natürlich auch immer, neue und ungewöhnliche Stücke zu finden, um die Schaulust unseres Publikums anzuregen.“

54 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker aus acht verschiedenen Werkbereichen wurden für die diesjährige Christmas Edition ausgewählt. Einen besonders breiten Raum nimmt 2018 der Fokusbereich Keramik und Porzellan ein.

Wer nicht nur eine schöne Ausstellung anschauen möchte, sondern auch den Kontakt zu Kunsthandwerkern und Designern sucht, der sollte die Handwerksform Hannover am zweiten und dritten Adventswochenende besuchen. Dann ist nicht nur die Christmas Edition geöffnet, sondern auch der Kunsthandwerkermarkt Adventszauber 2018.

Glas

Immer wieder überraschend neu und anders zeigt sich Simone Fezer mit ihren teilweise mundgeblasenen, teilweise in der Pâte de Verre Technik gefertigten Arbeiten, die mit dem Nebeneinander von glatten und glänzenden und rauen Oberflächen spielen. Pearls – nennt sie die Serie mit verschiedenfarbigen Schalen und Schälchen, bei denen die raue Außenseite und die farbig irisierenden Innenflächen einen reizvollen Kontrast bilden.

Maike Schönebeck überwindet Grenzen, denn bei ihren Gefäßen gehen Porzellan und Glas eine harmonische Verbindung ein. Die Formensprache ist klar und reduziert. Die Oberflächen spielen mit dem Nebeneinander von Brillanz und Mattierung.

Gold und Silber

Für Julia Krämer-Losereit steht das Weihnachtsfest ganz im Zeichen der Verbindung, ein Fest, das uns zusammen führt und zeigt, wie wir miteinander verbunden sind. Das Thema Verbindung in all seiner Vielschichtigkeit bestimmt auch ihre Schmuckarbeiten mit dem Faden als ständigem Begleiter und Symbol für den Zusammenhalt. Vielschichtig kann der Faden verschiedene Ebenen bilden und zusammenfügen. Eine netzartige Struktur entsteht, die viel Raum für Interpretationen lässt.

Sabine Lang steuert zur Christmas Edition ihre Serie „Erinnerung an La Gomera“ bei: Silberabgüsse von Fruchtkapseln eines Baumes aus einem verlassenen botanischen Garten in Vallehermoso. In die Ringe, Broschen und Kettenanhäger sind leuchte Steine gefasst.

Eine filigrane Tasse aus goldfarbenem Metall, dazu passend eine Untertasse und ein Löffel. Das alles zart durchbrochen und damit nicht wirklich funktional. So zeigt sich die Arbeit „Marie Antoinette“ von Wiebke Meurer, die irgendwie aus der Zeit gefallen und sehr poetisch erscheint. Ein altbekannter Gebrauchsgegenstand, der seinem Zweck entfremdet zum Kunstobjekt wird und zum Träumen einlädt. Gefäßkunst der besonderen Art.

Holz

Zum ersten Mal zeigen wir in der Handwerksform Hannover die Arbeiten der Drechslerin Elke Hirsch. Die von ihr verwendeten Hölzer stammen überwiegend aus ihrer Heimat, die Fertigung erfolgt in reiner Handarbeit. Ihre Schalen sind außergewöhnliche Unikate, die sich durch ihre Größe, ihr Gewicht und die vollkommene Oberflächengestaltung auszeichnen. Es braucht Zeit, um aus einer mehr als 100jährigen Eiche eine Schale in dieser Wertigkeit mit der Hand zu drechseln. Jede einzelne Rille wird mit handwerklichem Können mit einem Meißel in die massive Außenwand der Schale gestochen. Die besondere Spannung der Schale entsteht aus dem Dialog von dichten, feinen Rillen und der glänzenden Oberfläche im Innern: hochglänzend lackiert oder mit 24karätigem Blattgold belegt.

Keramik

Ohne gefällig zu sein, behaupten sich die Porzellanunikate von Karin Bablok in einer Balance von Strenge, Harmonie und Modernität. Das Porzellan ist auf der Scheibe von Hand gedreht. Die Formen sind reduziert, der Scherben ist hauchdünn, meist transparent, die Oberfläche samtweich.  Logisch verbindet die schwarze Basaltglasurmalerei, mal expressiv, mal linear  das Innen mit dem Außen der Gefäße. Es entstehen komplexe Objekte, die an dreidimensionale Malerei erinnern und bis ins Detail durchkomponiert sind. Meist bietet ein Gefäß zumindest drei unterschiedliche Ansichtsseiten. Perfekt!

Große Arbeiten beginnen gelegentlich mit kleinen Fehlern. Im keramischen Brand kann dies beispielsweise ein Tropfen Glasur sein, der in der Hitze kontrollierter Naturgewalten seinen vorgesehen Platz verlässt, um sich an einer Stelle niederzulassen, bei der er wesentlich eindringlicher zur Geltung kommt. Claudia Biehne hat ein ausgeprägtes Gespür für Entdeckungen am Wegesrand. So sind Unregelmäßigkeiten, anfängliche Ungewissheit und scheinbare Unberechenbarkeit eine freudige Bereicherung ihrer Arbeitswelt als Porzellankünstlerin. Bei Ihrer Serie "Outer Space" versucht sie alles das zu machen, was unerwünscht erscheint. Sie verzichtet auf Trennmittel auf der Ofenplatte, provoziert spannungsgeladene Risse und hält sich nur selten an Herstellervorgaben für ihre Glasuren.

Lutz Könecke ist mit Gefäßmontagen in der Ausstellung vertreten. So kann er Formen gestalten, die freigedreht aus einem Stück nicht entstehen könnten. Dabei geht es ihm nicht um die möglichst komplizierte Form, sondern um ein sehr genaues Arbeiten mit ihr, um die ästhetische Erforschung von Raum mit Mitteln und im Medium des keramischen Gefäßes.

Beate Pfefferkorn zeigt Schmuckarbeiten aus Porzellan, bei denen das Repetitive von zentraler Bedeutung ist. Die stete Wiederholung von Arbeitsschritten und Formen führt zu leichten Dissonanzen, zu Unregelmäßigkeiten in Struktur, Oberfläche und Farbe. In der Reihung beginnen die Stücke zu leben, eine eigene Form zu finden und etwas Neues zu werden. Doch erst der Träger lässt das Stück „leben“, seine Körperlandschaft gibt den Stücken Volumen, seine Bewegung erzeugt sanfte Geräusche, seine Haut ist Leinwand für die feinen Farbnuancen des Porzellans. Die Porzellankragen lehnen sich vor allem an rituelle Stücke an. Sie werden auf den Schultern getragen und rahmen so den Kopf des Trägers ein. Die Aufmerksamkeit des Gegenübers wird auf die Worte und Mimik des Geschmückten gelenkt. Aber auch die Haltung des Schmucktragenden verändert sich. Er ist gezwungen sich aufzurichten, gerade zu stehen und strahlt so eine besondere Würde aus. Ein Gewicht liegt auf und es liegt am Träger, wie er dieses wahrnimmt. Es kann liebevolle Umarmung oder unangenehme Last sein. Es kann einengen oder beschützen, verletzen oder beruhigen.

Frank Schillo ist in der Ausstellung mit seiner Arbeit „Hausgeister“ vertreten. Ursprünglich auf der Töpferscheibe gedrehte Gefäße mit bewusst übereinandergesetzten Drehrillen standen am Anfang seiner Arbeit, die durch das strenge Prinzip der segmentierten Gefäßform geprägt ist. Inzwischen hat er sich von der Drehsymmetrie der Töpferscheibe gelöst und baut seine Stücke frei auf. Mittlerweile stehen gedrehte Gebrauchsgegenstände gleichberechtigt neben frei aufgebauten skulpturalen Objekten.

Auch bei Dorothee Wenz werden Gefäße aus Ton gebaut. Sie nutzt eingefärbte Ton- und Porzellanmassen in streifigen Schichten und Marmorierungen. So entstehen einzigartigen Zeichnungen an der Außenwandung ihrer großen Gefäßobjekte. Formen und Farbmusterung laden zur Berührung ein, die vielfach geschliffene steinig harte Oberfläche überrascht durch Weichheit und Glätte.

Papier

Die koreanische Künstlerin Set Byol Oh hat ein Material für sich entdeckt, das traditionell von buddhistischen Mönchen verwendet wird. Aus plissiertem Seidenpapier baut sie einzigartige Lichtobjekte, die eine warme Atmosphäre in den Raum bringen. Set Byol Oh liebt den meditativen Arbeitsprozess der Herstellung der Lichtobjekte, die an die organische Formen von exotischen Früchten erinnern.

Textil

Erstmalig zeigen wir in der Christmas Edition 2018 die Arbeiten von Thea Bjerg, die handwerkliche Techniken mit industriellen Prozessen verbindet. Laserschnitte und Industriefalten haben zu kreppbehandelten seidenen, spiralförmigen Schals und heißverschmolzenen Stoff- und Faltenwickeln geführt. Wie kann man eine dreidimensionale Perspektive aus zweidimensionalem Stoff erzeugen? Das treibt Bjerg um. Für die Christmas Edition hat sie ein vom Winter inspiriertes Unikat beigesteuert, einen lasergeschnittenen, handplissierten Schal, der Schneeflocken und Eiskristalle zu reflektieren scheint.

Und noch einmal Plissee. Marina Krogs Arbeiten haben etwas Skulpturales an sich, solange sie nicht getragen werden. In der Bewegung beginnen sie zu leben. Die Sachlichkeit der Schnitte und die Flexibilität des gefalteten Materials ermöglichen eine individuelle Gestaltung von Kleidung und Accessoires. Marina Krog ist es besonders wichtig, dass der komplette Arbeitsablauf – vom Bau der Plisseeform, über die Schnittgestaltung, das Plissieren und Nähen, bis zur Verpackung – in ihrer Hand liegt.

Sonstiges

Vom Nützlichen zum Wunderbaren – das ist die Überschrift unter der die mechanischen Objekte und Spielereien von Birgit Borstelmann stehen. Sie erfindet Flügel, Fähnchen und Titel, bringt Kolben und Propeller in Bewegung, gibt Fundstücken ein zweites, poetisches Leben.

Isabelle Enders stellt Pfeffermühlen der besonderen Art her und lotet mit ihren Arbeiten Grenzen der Funktionalität aus. Zum Beispiel mit „PfefferMarsch!“ aus antiken Wasserhahngriffen und Keramikmahlwerk. Oder mit Mühlen aus dem 3D-Drucker, bei denen sie den Druckauftrag unterbricht, um Ungenauigkeiten und „Fehler“ zu produzieren, die besondere Strukturen und Haptiken ermöglichen. Bei ihren Arbeiten verbindet sie technische Innovation mit handwerklichem Können. Sie wurde damit unlängst mit dem Grassipreis der Carl und Anneliese Gordeler Stiftung ausgezeichnet.



Ausstellungseröffnung
Freitag, 23. November 2018, 20-22 Uhr

Begrüßung
Karl-Wilhelm Steinmann
Präsident der Handwerkskammer Hannover

Einführung in die Ausstellung
Dr. Sabine Wilp
Leiterin Handwerksform Hannover

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr
Samstag 11-14 Uhr
Sonntag, Montag und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen

 

Adventszauber 2018
Sa + So 08. + 09. Dezember 2018, 11-18 Uhr
Sa + So 15. + 16. Dezember 2018, 11-18 Uhr

Der Eintritt ist kostenfrei. Einen Überblick über die Aussteller*innen finden Sie auf unserer Internetseite www.hwk-hannover.de/adventszauber2018.

 

Glas:
Simone Fezer - Louise Lang

Gold und Silber:
Jutta Arndt - Maria Cristina Bellucci - Mareen Alburg Duncker - Hilde Janich - Julia Krämer-Losereit - Sabine Lang - Wiebke Meurer - Luise Neugebauer - Andrea Hofmann-Timmerhues - Eva Sörensen - Hester Zagt

Holz:
Elke Hirsch - Armin Kolb - Thomas Lange

Keramik:
Elena Arosio - Atsushi Kitahara - Karin Bablok - Claudia Biehne - Lena Biesalski - Brigitte Breusch-Veittinger - Valerie Ceulemans - Chanyeon Cho - Silke Decker - Carola Gänsslen - Susan Heise - Petra Hilpert - Karla Hüneke - Karina Klages - Lutz Könecke - Ulla Litzinger - Friederike Nottrott - Beate Pfefferkorn - Elisabeth Reusch-Heidenfelder - Anke Roschka - Elke Sada - Christina Salzwedel - Sebastian Scheid - Frank Schillo - Maike Schönebeck - Birgitta Schrader - Martina Sigmund-Servetti - Tabea Surel - Dorothee Wenz - Lisa Wuttke

Leder:
Anke Runge

Papier:
Set Byol Oh - Heike Roesner

Sonstiges:
Birgit Borstelmann - Isabelle Enders

Textil:
Thea Bjerg - Kristiina Karinen - Marina Krog
 

Zur Fotogalerie.
Zum Video.

Ansprechpartnerin für die Medien:

Dr. Sabine Wilp
Abteilungsleiterin Kommunikation + Veranstaltungsorganisation

Tel. (05 11) 3 48 59 - 36
Fax (05 11) 3 48 59 - 88
wilp--at--hwk-hannover.de