Peter Voss, Jans-Paul Ernsting, Mohsen Rezaie, Olaf Lies bei der Projektvorstellung.

Oßwald
Peter Voss, Jans-Paul Ernsting, Mohsen Rezaie, Olaf Lies bei der Projektvorstellung.

Fachkräfte von übermorgen

Hannover.- (see) „Wir wollen nicht nur reden, sondern handeln“, betonte Peter Voss, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern in Niedersachsen, bei der Vorstellung des neuen und bundesweit einmaligen Integrationsprojektes Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber, das vom Land Niedersachen, den fünf niedersächsischen Handwerkskammern, der Bundesagentur für Arbeit und den Landkreisen finanziert wird.

Ziel ist es in ganz Niedersachsen bis Anfang 2017 rund 500 Flüchtlinge zu identifizieren, zu qualifizieren und sie auf eine Ausbildung im Handwerk vorzubereiten. Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr unterstützt das Modellprojekt mit rund 1,1 Millionen Euro, hinzu kommen teilnehmerbezogene Ausgaben, die aus Fördermitteln der Arbeitsagenturen und Jobcentern sowie Handwerkskammern und der Landkreise erbracht werden.

„Das Projekt hat unserer Ansicht nach das Potential einer echten Win-Win-Situation. Es trägt dazu bei, dass das Handwerk einen Teil seiner Fachkräftelücke schließen kann und es ermöglicht motivierten und handwerksinteressierten Flüchtlingen eine Teilhabe am Ausbildungsmarkt“, ergänzte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies bei der Projektvorstellung im Förderungs- und Bildungszentrum der Handwerkskammer Hannover in Garbsen.

Aber wie funktioniert das Projekt ganz konkret? Die zuständigen Berater in den sechs Handwerkskammern sichten und wählen im ersten Schritt Flüchtlinge und Asylbewerber aus, die aufgrund ihrer Deutschkenntnisse und einer handwerklichen Affinität in der Lage und willens sind, eine Ausbildung im Handwerk erfolgreich zu durchlaufen. Nach einem Kompetenzfeststellungsverfahren in den Bildungszentren der Kammern werden sie in entsprechende Praktika und ab Sommer 2016 dann in Ausbildung vermittelt.

„Für uns als Handwerksorganisation ist es aber nicht nur wichtig, die Flüchtlinge zu unterstützen, damit sie sich im komplizierten deutschen System zurechtfinden. Auch für die teilnehmenden Betriebe, die Praktika- und Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, sind wir Ansprechpartner bei allen auftauchenden Fragen“, betont Peter Voss. Dazu gebe es Beratungs-, Schulungs- und Coaching-Angebote bis in die ersten Monate der Ausbildung hinein.

Als Beispiel dafür, dass Flüchtlinge bereits erfolgreich im Handwerk angekommen sind, erzählte Mohsen Rezaie aus Afghanistan, wie er ins deutsche Handwerk gefunden hat. Vor fünf Jahren ist er aus Afghanistan geflohen und ist mittlerweile bereits im 3. Ausbildungsjahr als Karosserie- und Fahrzeugbauer bei Paul Stolle in Hannover. Einfach war das nicht, vor allem die deutsche Sprache war lange Zeit ein Problem, aber jetzt sind er und sein Ausbildungsbetrieb sehr zufrieden und wollen die Zusammenarbeit auch nach Abschluss der Lehrzeit fortsetzen. (19.10.2015)

Ansprechpartnerin in der Handwerkskammer Hannover:
Sabine Meyer