Frauen-Power für das Handwerk

Hannover/Berlin, 19. April 2012 – Werkbank statt Schulbank oder Fräse statt Füller – am Girls Day können junge Mädchen in ganz Deutschland echte Betriebsluft schnuppern. Zahlreiche Handwerksorganisationen und -betriebe laden an diesem Tag Schülerinnen ein, das Handwerk mit all seinen Facetten kennenzulernen. Handwerkliche Werkstätten und technische Arbeiten sind schon längst keine Männerbastion mehr, das beweisen täglich viele Auszubildende, Gesellinnen und Meisterinnen. Mehr als 23 Prozent der Auszubildenden im Handwerk sind weiblich, bei den Meistern liegt der Frauenanteil bei rund 20 Prozent und in jedem fünften Betrieb gibt eine Frau als Unternehmerin den Ton an. Damit sich zukünftig noch mehr Frauen für eine Karriere im Handwerk entscheiden, unterstützen viele Handwerker den Girls'Day, um Vorurteile abzubauen und die Vielfalt des Handwerks aus erster Hand zu vermitteln.

Glücksbringerin über den Dächern von Hannover und Garbsen

Die erfolgreiche Ausbildung in einer wahrhaften Männerdomäne hat Antje Wetzel bereits hinter sich. Wer ihr heute die Haustür öffnet, steht einer waschechten Glücksbringerin gegenüber. Die 38-Jährige ist Schornsteinfegerin in Garbsen. Aber nicht nur irgendeine: In der Region Hannover war sie die erste Bezirksschornsteinfegermeisterin. Mittlerweile gibt es im Kammerbezirk Hannover vier weibliche Schornsteinfeger, die einen Kehrbezirk leiten.

„Ich wusste lange nicht, was ich werden wollte“, erzählt Antje Wetzel. Aber nach einem Praktikum, war sie überzeugt, dass dieser hochtechnische Beruf genau das Richtige für sie ist. Als zusätzliche Qualifizierung absolvierte sie unter anderem eine Ausbildung zur Gebäudeenergieberaterin, um ihren Kunden auch zum Thema Energieeinsparung kompetent zur Seite zu stehen. „Ich kann nur alle Mädchen, die gut in Mathe und Naturwissenschaften sind, ermutigen, sich den Beruf des Schornsteinfegers anzusehen“, betont Wetzel. „Er ist extrem vielseitig, viel interessanter als ein Bürojob und man hat auch viel mit Menschen zu tun.“

"Frauen haben es fast leichter"

Auch Carsten Scheller würde gerne auf mehr Frauen-Power im Handwerk setzen. Und zwar nicht bei den Fleischereifachverkäuferinnen, dort gibt es genug weiblichen Sachverstand. Sondern im Beruf des Fleischers. Deshalb hat er zwei Schulen in der Nähe seiner Fleischerei in Ronnenberg bei Hannover Schnupperpraktikumsplätze für drei Mädchen am Girls Day angeboten. „Frauen können Fleischer werden und haben meiner Meinung nach sogar bessere Aufstiegschancen als Männer“, ist Fleischermeister Scheller überzeugt. Ein gutes Beispiel aus eigener Erfahrung hat er auch zu bieten: Eine Schülerin, die bei ihm am Girls Day seinen Beruf kennengelernt hat, begann tatsächlich ein Ausbildung zur Fleischerin und hat mittlerweile sogar den Meistertitel in der Tasche. „Wir brauchen dringend Nachwuchs und bieten auch Frauen einen tollen Job“, betont Scheller. (19.04.2012)

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Katharina Baier