Goldschmiede Bitter

Goldschmiede: Edle Steine, geschickte Hände

In unserer Sommerserie stellen wir Ihnen eine Reihe interessanter Handwerksberufe am Beispiel von Betrieben aus unserem Kammerbezirk vor. Zweite Station: Die Goldschmiede Bitter in Hannover.

Hannover.- (fb) Auf dem massiven Holztisch in der Werkstatt stehen Becher mit Dutzende Feilen aller Größen. Außerdem gibt es Zangen, Lupen und eine unüberschaubare Anzahl anderer Werkzeuge und einen Gasbrenner. Die Flamme faucht leise, als Goldschmiedemeister Andreas Bitter sie an einen Ring hält, an dem er gerade arbeitet.

Bitter erwarb 1982 seinen Meistertitel, übernahm 1994 das elterliche Geschäft an Hannovers Georgsplatz. Er ist ein ausgewiesener Fachmann für Edel- und Feueropale. Dieses Wissen macht seinen Betrieb zu etwas besonderem, denn er hält ein  großes Repertoire einzigartiger Opale in seiner Werkstatt vor. Diese Edelsteine leuchten je nach Blickwinkel in einer anderen Farbe. „Aber es gibt noch viele andere sehr interessante Steine, die kaum jemand kennt“, sagt der Experte.

Goldschmied ist ein schöner Beruf

In Bitters Geschäft arbeiten zwei Auszubildende, eine von ihnen ist Philina Hartmann. Sie entschloss sich nach dem Abitur, dort in die Lehre zu gehen. „Es war die richtige Entscheidung und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit hier zu lernen, Goldschmied ist ein schöner Beruf“, erzählt sie. Das Tolle sei vor allem der Stolz über eine gelungene Arbeit, sagt sie.

Besonders gerne ziseliert Hartmann. Darunter versteht man eine Bearbeitungstechnik, bei der mit Werkzeugen Linien und reliefplastische Formen in Metall getrieben werden. „Die Vielfalt an Edelsteinen, mit denen Goldschmiede zu tun haben, fasziniert mich“, erzählt sie. Hier könne sie von einem Fachmann wie Andreas Bitter, der Asien, Afrika und Australien bereist hat, wirklich ungemein viel lernen.

Die wichtigste Eigenschaft eines Goldschmiedes ist Geduld, meinen Bitter und Hartmann übereinstimmend. Die ist auch nötig, bis aus einer kleinen Metallplatte ein Schmuckstück geworden ist. Das Rohmaterial muss gesägt, gewalzt, wieder mit der Säge bearbeitet, gebogen und abgerundet und gefeilt werden. „Die Schwierigkeit ist, dass zum Beispiel ein Scharnier nicht nur funktionieren, sondern auch Qualitätsstandards genügen muss“, erklärt Hartmann. Goldschmiedearbeit bedeutet geschickte Maßarbeit, feilen bis das Stück perfekt ist.

Goldschmiede brauchen Geduld

In ihrer Ausbildung lernt Hartmann, die gerade das erste Lehrjahr beendet hat, technisches und freies Zeichnen, außerdem Mathematik. Dazu kommen Stilkunde, Technologie, sowie Chemie. Das Tagesgeschäft setzt sich zu ungefähr gleichen Teilen aus Reparaturen, dem Verkauf von im Schaufenster ausgestellten selbst entworfenen Stücken und Auftragsarbeiten zusammen. Auch beim Reparieren, nicht nur beim Entwerfen und anfertigen eigener Stücke, ist oft Kreativität und Vorstellungvermögen gefragt – und auch hier geht ohne Geduld gar nichts. (18.07.2018)