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Handwerk trotzt negativen Vorzeichen

Das Handwerk erweist sich nach wie vor als stabilisierender Faktor.

Hannover, 28. Oktober 2019.- „Die Handwerkskonjunktur im Bezirk der Handwerkskammer Hannover verlief im abgelaufenen Quartal gut“, resümierte Peter Karst, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, bei der Vorstellung des Herbst-Konjunkturberichts. Im Vergleich zu den Zahlen vom Herbst 2018 stieg der Geschäftsklimaindex nochmals um 4 Punkte auf nunmehr 135 Indexpunkte, allerdings mit deutlichen Abweichungen in den einzelnen Handwerksbranchen.

Nahrungsmittelhandwerk an der Spitze

Den höchsten Indexwert erreichte das Nahrungsmittelhandwerk mit 148 Indexpunkten, den geringsten Wert verbuchten die Gesundheitshandwerke mit 119 Punkten. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Gesamthandwerk verlief bei steigenden Beschäftigtenzahlen positiv. Immerhin per saldo 13 Prozent der Betriebe teilten der Handwerkskammer eine höhere Mitarbeiterzahl als im Herbst 2018 mit. Die Auslastung der Betriebe ist ebenfalls zufriedenstellend. Die befragten Betriebe meldeten eine durchschnittliche Betriebsauslastung von 85 Prozent, die gegenüber den Vorjahresquartalen auch noch einmal gesteigert werden konnte. Dank des nach wie vor guten Konjunkturverlaufs investierten die Betriebe weiterhin verstärkt in Maschinen, Anlagen und digitale Technologien. Die Investitionstätigkeit verlief bei per saldo 8 Prozent der Betriebe positiv. Weiter gestiegene Einkaufspreise konnten allerdings nicht mehr im Umfang der Steigerungen des Vorjahresquartals an die Kunden weitergegeben werden.

Bauhandwerk: Aufschwung ungebrochen

Ausgesprochen gut zeigte sich die wirtschaftliche Lage im Bauhandwerk. Insbesondere der für das Bauhandwerk im Kammerbezirk so wichtige Wohnungsbau erlebte abermals einen Aufschwung. Die anhaltend niedrigen Hypothekenzinsen einerseits und ein extrem niedriger Habenzins schlagen positiv zu Buche. Auch die konjunkturelle Entwicklung im Ausbauhandwerk verlief sehr gut. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten ist erfreulich, die Auftrags- und Umsatzentwicklung ebenfalls. Im Vergleich zum Vorquartal meldeten 40 Prozent der befragten Betriebe ein Auftragsplus, nur jeder zehnte Betrieb musste in schlechter gefüllten Auftragsbüchern blättern. Per saldo 16 Prozent der Betriebe sahen sich angesichts der guten Auftragslage zu einem Beschäftigtenaufbau veranlasst.

Der schwache Außenhandel sorgte in vielen Exportbranchen der Industrie für rückläufige Aufträge und Krisenstimmung. Das wirkte sich bisher kaum auf das Geschäftsklima des Handwerks für den gewerblichen Bedarf aus, das - gemessen am Gesamthandwerk – von den Betrieben nur als leicht unterdurchschnittlich bewertet wird. Der entsprechende Indexwert stieg in der Zulieferbranche sogar gegenüber dem Herbst 2018 um 11 Punkte auf 126 Indexpunkte.

Kraftfahrzeughandwerk: Deutliche Auftragsrückgänge und Umsatzminus

Deutlich rückläufige Auftragseingänge bei einem kräftigen Umsatzminus kennzeichnen die Lage im Kraftfahrzeughandwerk. Der Geschäftsklimaindex ist dennoch - gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres –  nahezu unverändert bei 134 Punkten geblieben, da die Kfz-Betriebe auf zusätzliche Auftragseingänge im weiteren Geschäftsverlauf hoffen.

Nahrungsmittelhandwerk: Zunehmende Nachfrage und gestiegene Umsätze

Das Nahrungsmittelhandwerk verspürte konjunkturelle Schubkräfte. Der aktuelle Geschäftsklimaindex ist mit 148 Indexpunkten gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich gestiegen. Per saldo verzeichnete jeder zweite Betrieb eine zunehmende Nachfrage und auch die Umsätze in den befragten Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien stiegen kräftig.

Die Gesundheitshandwerke kränkeln und erreichten einen weit unterdurchschnittlichen Geschäftsklimaindex von 119 Punkten. Sie bilden damit das Schlusslicht in der Beurteilung der Branchenkonjunkturen. Im Vergleich zum Vorquartal wurden ungeachtet stagnierender Auftragseingänge und einem Umsatzplus in per saldo 29 Prozent der Betriebe Stellen abgebaut.

Das Dienstleistungshandwerk - in besonderem Maße vom privaten Konsum abhängig - weist mit 138 Indexpunkten bei der aktuellen Beurteilung der Geschäftslage  auf eine gute wirtschaftliche Situation hin. Per saldo verzeichneten 13 Prozent der befragten Betriebe einen Nachfragezuwachs im Vergleich zum Vorquartal.

Das Handwerk geht auch für das kommende Quartal von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung aus

Laut der Gesamtprognosen der befragten Betriebe des Handwerkskammerbezirks Hannovers ist im kommenden Quartal noch von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Allerdings wird sich die Konjunktur in den einzelnen Handwerksbranchen nach Angaben der Betriebe sehr unterschiedlich darstellen. Während das Kraftfahrzeughandwerk, das Dienstleistungshandwerk, das Nahrungsmittelhandwerk und das Gesundheitshandwerk positiver in die Zukunft schauen, sind die übrigen Handwerksbranchen in ihren Erwartungen eher zurückhaltend. Dies gilt insbesondere für das Bauhandwerk, das für die Wintermonate wieder saisonal bedingte Auftragsrückgänge erwartet. Die saisonale Komponente, die üblicherweise in den Wintermonaten des Jahres für diese Handwerksbranche zum Tragen kommt, scheint in diesem Jahr nicht ausgeblendet zu sein.

Regionalanalyse: uneinheitlich

Im Landkreis Schaumburg und in der Region Hannover zeigt die Regionalanalyse gegenüber dem Herbst letzten Jahres einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. In den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Diepholz entwickelte sich die Konjunktur ungünstiger als im Vorjahresquartal. Eine relativ geringe negative Veränderung verzeichnete der Landkreis Nienburg mit einem Rückgang des Geschäftsklimaindexes um 4 Punkte  auf 124 Indexpunkte. Der Rückgang ist zwar gering, allerdings bewerteten die Betriebe dieses Landkreises ihre Geschäftslage insgesamt am ungünstigsten, gefolgt von den Betrieben des Landkreises Diepholz (127 Punkte) und der Stadt Hannover (135 Punkte). In den Landkreisen Schaumburg und Hameln-Pyrmont bewerteten die Betriebe ihre Geschäftslage mit jeweils 137 Indexpunkten. Diese beiden  strukturschwachen Landkreise haben sich in den letzten Jahren recht positiv entwickelt. Außer der verbesserten Verkehrsinfrastruktur dürfte eine weitere Ursache für die wirtschaftliche Erholung zumindest im Landkreis Schaum-burg das starke Baugewerbe der Region sein. Die Region Hannover steht mit 139 Indexpunkten an der Spitze der Regionalkonjunkturen. Eine Folge der regen Bautätigkeit in diesem Ballungsraum.

Ein Video zu unserer Herbst-Konjunktur finden Sie hier:

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