V.l.n.r.: Karsten Müller (Müller&Weißling GmbH), Alfred Schiller (DentalTheke UG), Jens Diedrich (IZN), Hermann Strathmann (Erich UHE GmbH), Gebkea Nieter (Tischlerei ARTfischer GmbH) und Katja Mikus von der Handwerkskammer Hannover, die die Veranstaltung moderierte.
Seeger
V.l.n.r.: Karsten Müller (Müller&Weißling GmbH), Alfred Schiller (DentalTheke UG), Jens Diedrich (IZN), Hermann Strathmann (Erich UHE GmbH), Gebkea Nieter (Tischlerei ARTfischer GmbH) und Katja Mikus von der Handwerkskammer Hannover, die die Veranstaltung moderierte.

"Handwerk - voll digital?!"

Handwerk 4.0 ist gleich Internet, Social Media und Website? Nein, es bedeutet viel mehr. Das zeigte das diesjährige Fachkräfteforum Handwerk.

Hannover.- (vo) Wie kann die Digitalisierung eine Chance für kleine und mittelständische Handwerksunternehmen werden? Und wie nehmen die Betriebe ihre Mitarbeiter am besten mit auf diese Reise? Diese Fragen stellten sich rund 140 Unternehmer und Führungskräfte aus dem Handwerk sowie zahlreiche Netzwerkpartner aus Ministerien und Verbänden im 4. Fachkräfteforum Handwerk, zu dem die Handwerkskammer Hannover wieder ins Tagungszentrum in Garben eingeladen hatte.

„Handwerk 4.0. heißt nicht: „alles ersetzten“. Vielmehr ist es eine Kombination aus vorhandenem Erfahrungswissen und autonomen Systemen. Betriebe sollten in kleinen Schritten innere Abläufe klüger und besser mit Hilfe von Technologien organisieren“, damit gab Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung, in seinem Impulsvortrag „Handwerk 4.0: Warum Hand-Werk zusätzliches Kopf-Werk braucht. Der Mensch vor neuen Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung 4.0“ die passende Steilvorlage für die beiden Podiumsdiskussionen.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Digitalisierung nur als Chance für Handwerksbetriebe zu verstehen ist. „Gerade im Bau-Handwerk werden bei öffentlichen Ausschreibungen immer mehr digital erstellte Prozesse verlangt. Das Handwerk darf nicht ins Hintertreffen geraten und alles der Industrie überlassen“, betonte Jens Bille vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an  der Leibniz-Universität Hannover.

Insgesamt zwei Aktenordner stehen im Büro von Malermeister Karsten Müller. Vor einiger Zeit hat sich die Müller & Weißling GmbH dazu entschlossen, zu einem papierlosen Büro zu wechseln. „Eine digitale Speicherung aller notwendigen Dokumente ist für alle Mitarbeiter und einen selbst überall zugänglich – das erhöht die Effizienz“, sagt Müller. Für die einfache und schnelle Abwicklung und Kommunikation bekomme der Betrieb auch regelmäßig positives Feedback von seinen Kunden.

Auch die anderen Podiumsgäste konnten nur Positives über Abläufe im Betrieb nach der Umstellung einiger Bereiche auf digital feststellen. „Mit der Einführung unserer Mitarbeiter-App, hat sich nicht nur die Kommunikation verbessert“, erklärt Hermann Strathmann von der UHE GmbH, „alle Mitarbeiter sind motivierter, weil sie jetzt das Gefühl haben in Entscheidungsprozesse mit einbezogen zu werden.“ Die Tischlerei ARTfischer nutzt beispielsweise ein digitales Zeiterfassungssystem, ein digitales Tool zur internen Kommunikation sowie eine digitale Projektmappe, mit der Kunden einen schnellen Überblick über ihren Auftrag bekommen können.

Mit der sogenannten „Dentaltheke“ hat das Zahntechnikerhandwerk einen digitalen Marktplatz für zahntechnische Laboratorien und damit ein neues Geschäftsmodell für Betriebe geschaffen. „Handwerksbetriebe sollten sich nicht vor Digitalisierung sträuben, besonders kleine Betriebe können sich dadurch Wettbewerbsvorteile verschaffen“, findet Jens Diedrich vom Institut des Zahntechnikerhandwerks in Niedersachsen & Bremen.

„Digitalisierung kann eine Chance sein“, ergänzt Kammerpräsident Karl-Wilhelm Steinmann. „Aufgaben werden mit der Digitalisierung anspruchsvoller und interessanter“. Das könne auch ein gutes Argument sein, Auszubildende zu werben und Fachkräfte zu halten, weil man ihnen ein breiteres Arbeitsspektrum und gute Entwicklungsmöglichkeiten biete. (09.09.2016)

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