Handwerksbilanz 2010: Krise gut überstanden, Betriebszahlen weiter gestiegen

Hannover, 21. Februar 2011 .- "Das Handwerk im Kammerbezirk Hannover hat die Wirtschaftskrise relativ gut überstanden“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Jans-Paul Ernsting, jetzt bei der Vorstellung der Handwerksbilanz 2010. Der deutsche Konjunkturmotor sei in 2010 wieder angesprungen und habe für ein Wachstum von 3,6 Prozent gesorgt. Auch für 2011 werde das Bruttoinlandsprodukt nach heutigen Schätzungen voraussichtlich noch einmal um mehr als zwei Prozent steigen. "Die Binnennachfrage wird zunehmend zur treibenden Kraft der Wirtschaftsentwicklung. Die meisten Handwerksbetriebe können daher mit mehr Optimismus in die Zukunft blicken als noch vor einem Jahr“, so Ernsting.


Zahl der Mitgliedsbetriebe gestiegen

Dass das Jahr 2010 positiv für das Handwerk verlaufen ist, schlägt sich auch in der Bilanz nieder. Zum 31. Dezember 2010 waren 18.350 Betriebe bei der Handwerkskammer Hannover eingetragen. Das sind 182 Betriebe beziehungsweise ein Prozent mehr als zum Jahresende 2009. "Dieser leichte Anstieg der Betriebszahlen zeigt, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung auch im Handwerk angekommen ist und das Handwerk sich auf gutem Niveau stabilisiert hat“, erläutert Ernsting. Erfahrungsgemäß verhindere eine gute Konjunktur Insolvenzen und fördere die Bereitschaft, sich selbständig zu machen.


Zulassungspflichtige Handwerke nach wie größte Gruppe

Mit insgesamt 11.299 Betrieben gehört das Gros der Betriebe im Wirtschaftsbereich Handwerk nach wie vor zum zulassungspflichtigen Handwerk, also zu den Gewerken, in denen ein Meistertitel oder eine gleichwertige Qualifikation vorausgesetzt wird. Allerdings ging diese Zahl erneut um 0,4 Prozent zurück (- 43 Betriebe).

"Erstaunlich für uns war der nur geringfügig zurückgegangene Betriebsbestand im Bauhandwerk“, so Ernsting. Am 31.12.2010 waren 2.812 Betrieb eingetragen, im Vergleich zum gleichen Stichtag 2009 waren das nur 21 Betriebe weniger, obwohl 2010 einen sehr strengen und langen Winter zu Anfang und zu Ende des Jahres zu verzeichnen hatte. "Zu erklären ist das damit, dass die Konjunktur im Bau- und Ausbauhandwerk dazwischen deutlich angezogen hat, weil die öffentlichen Aufträge aus den Konjunkturpaketen I und II zur Umsetzung kamen“, sagt Ernsting.


Gruppe der zulassungsfreien Handwerke wächst weiter

Rund 39 Prozent der Betriebe des Handwerkskammerbezirks Hannover gehören mittlerweile zum zulassungsfreien Handwerk und zu den handwerksähnlichen Gewerben. 3.634 Betriebe waren zum Jahresende 2010 in den 53 verschiedenen zulassungsfreien Handwerksberufen eingetragen. Diese Gruppe nimmt weiter zu. Eine Entwicklung, die bereits in den Vorjahre zu beobachten war. 2010 betrug der Zuwachs 7,1 Prozent (+241 Betriebe).

Erneut waren es vor allem das Gebäudereinigerhandwerk und die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, die für die steigenden Zahlen bei den zulassungsfreien Handwerken, die ohne jegliche handwerkliche Qualifikation ausgeübt werden dürfen, verantwortlich waren.

Natürlich gehören zur Gruppe der zulassungsfreien Handwerksberufe nach wie vor zahlreiche Meisterbetriebe. Aber sie wurden fast ausnahmslos in der Zeit vor der Handwerksnovelle von 1994 gegründet. Mittlerweile hat sich das Gründungsgeschehen in manchen Berufsgruppen drastisch geändert. "Die wenigstens Neugründer im zulassungsfreien Bereich haben noch einen Meisterbrief“, erklärt Ernsting.

Weiterhin rückläufig ist die Zahl der handwerksähnlichen Betriebe. Sie belief sich Ende 2010 auf 3.417. Hier war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 0,5 Prozent zu verzeichnen (-16 Betriebe).


Dequalifizierungsspirale nimmt kein Ende

"Es erfüllt uns nach wie vor mit großer Sorge, dass neue Betriebe vor allem im zulassungsfreien Bereich entstehen, also dort, wo keine Qualifikationsnachweise für die Gründung erforderlich sind“, erklärte der Kammerhauptgeschäftsführer. "Mittel- und langfristig bedeutet dies, dass hier Qualifikation verloren geht und weniger ausgebildet wird.“ Außerdem seien die neu gegründeten Unternehmen bei den Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, den Gebäudereinigern und den Fotografen häufig Ein-Mann- oder Ein-Frau-Unternehmen und nicht wirklich nachhaltig.


Ebenfalls erfreulich: die Entwicklung der Umsätze

Mit den Betriebszahlen sind auch die Umsätze der Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Hannover leicht gestiegen. Mit einem Plus von 1,5 Prozent setzte das Handwerk in den letzten 12 Monaten rund 6,98 Mrd. Euro um. Nicht ganz so erfreulich: Bei den Beschäftigtenzahlen musste das Handwerk 2010 einen leichten Rückgang verzeichnen (- 0,5 Prozent). Danach waren am 31.12.2010 im Handwerk des Kammerbezirks Hannover 103.090 Menschen beschäftigt.

"Angesichts der guten Aussichten für 2011 hoffen wir, dass die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr vielleicht sogar gesteigert werden kann “, erklärt Ernsting, schränkt aber zugleich ein, dass ein Zuwachs bei den Beschäftigten nicht überall möglich sei. Das liege nicht zuletzt am leergefegten Fachkräftemarkt und daran, dass es für das Handwerk immer schwerer werde, geeigneten Berufsnachwuchs zu finden.

 

 

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp