Estelle Lambert: Geschwungene Vase

Handwerksform
Estelle Lambert: Geschwungene Vase

Handwerksform Hannover startet Ausstellungsjahr mit Kunsthandwerk aus Frankreich

Hannover, 30. Januar 2015.- "Bienvenue!" heißt es zum Auftakt des diesjährigen Ausstellungsjahres in der Handwerksform Hannover. Erstmals im Verlauf der 30jährigen Partnerschaft zwischen den Kammern in Hannover und Rouen werden 24 Werkstätten aus der Normandie im Ausstellungszentrum der Handwerkskammer zu Gast sein und Exponate aus verschiedenen Handwerksbranchen präsentieren.

Vorbereitet wurde die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit Carole Angenot, die in der Handwerkskammer in Rouen für das Thema Wirtschaftsförderung zuständig ist. Sie hat sich mit großem Engagement darum bemüht, eine repräsentative Mischung von Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlichster Werkbereiche zusammenzustellen, und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Gezeigt werden farbenfrohe Accessoires, extravagante Hutkreationen, Schmuck, Keramik, Leuchtobjekte und Exponate aus dem Bereich des Interior Designs.

Mode ist sicher das Schwerpunktthema Frankreichs. Das wird auch in der Ausstellung "Bienvenue!" deutlich. Mehrere Werkstätten zeigen fantasievoll gestaltete Accessoires, Modeschmuck, Hüte oder Kopfschmuck und Taschen. Während in Deutschland oftmals eher puristisch und zurückhaltend gestaltet wird, darf es bei den französischen Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern gern auch mal etwas verspielter zugehen.

So stellt das Label "Fleurs de Peaux" von Michel Leulier und Helga Bellanger beispielsweise ein breites Sortiment von Leder-Modeschmuck vor, bei dem der Name Programm ist. Fröhlich und farbenfroh präsentieren sich die Blüten und Blätter, die aus feinem Leder der Natur nachgebildet werden.

Auch die Modeschmuck-Kollektion von Elodie Lunior, die ein Studium an der Kunsthochschule in Rouen absolvierte, ist von der Natur inspiriert. Ihre Welt besteht aus bunten Blumen, Wasserlilien und Libellen. Farbenfroh und poetisch sind die Schmuckstücke gearbeitet. Dabei legt Lunior großen Wert auf Nachhaltigkeit, denn sie verwendet als Ausgangsmaterial Leder, Stoff, Knöpfe und Vintage-Mode wie Hosen, Röcke, Jacken, die sie in Second-Hand-Läden findet.

Ein Bereich, der in Deutschland kaum noch zu finden ist, wird durch Pascale Léonard vertreten. Bei ihr findet man Stickereikunst auf Haute-Couture-Niveau. Sie hat eine Ausbildung an der bekannten Lesage-Schule absolviert und fertigt sowohl Modeschmuck wie Plastron-Ketten mit handgestickten Perlen, aber auch Dekoratives für die Wohnung wie bestickte Bett-Kopfteile aus Alcantara verziert mit Seide, Perlen, Pailletten oder Swarowski-Kristallen.

Mit Brigitte Varnier ist auch das Modistenhandwerk in der Ausstellung vertreten. Sie fertigt Hüte und expressiven Kopfschmuck, aber auch Unterarmtaschen, Handtaschen und elegante Stolen, also alles Dinge, die Frauen besonders schätzen und lieben. Dabei ist es ihr ein besonderes Anliegen, genau den Hut für ihre Kundin zu kreieren, der gut zur Kleidung und zum jeweiligen Anlass – Hochzeit, Cocktailparty oder Pferderennen – passt.

Aber natürlich ist in der Ausstellung nicht nur Modeschmuck zu sehen. Die Exponate von Daan Koers, Yannick Prat, Dominique und Eric Sanson sowie Léo Perréand erlauben einen guten Einblick in das handwerklich gestaltete französische Möbeldesign.

Die Bandbreite der von Daan Koers designten Möbel ist breit und reicht von der Konsole über den Schminktisch bis hin zum Liegestuhl. Seine Objekte überzeugen nicht nur durch eine originelle und kunstvolle Gestaltung, sondern auch durch hohe Funktionalität. Er verbindet Holz mit anderen Materialien und Werkstoffen wie Kohlestofffasern, Metall oder Leder. Hier wird deutlich, dass er früher als Industriezeichner in der Flugindustrie gearbeitet hat.

Schon als kleines Kind zeigte Léo Perréand großes Interesse für das Handwerk. Er absolvierte eine fünfjährige Ausbildung an der Ecole Boulle, einer weltberühmten Schule für Kunsthandwerk. Nach seinem Diplom eröffnete er 2012 ein erstes Atelier in Paris. Mittlerweile lebt und arbeitet er als Möbeldesigner in Rouen. Klare geschwungene Linien zeichnen seine Möbelstücke aus, die durch eine zeitgemäße Modernität und interessante Materialkombinationen auf sich aufmerksam machen.

Schon der Vater von Dominique und Eric Sanson gehörte zu den besten Handwerkern Frankreichs (Meilleur Ouvrier de France). Mittlerweile eifern ihm die Söhne nach. Sie haben ihren Abschluss an der Ecole Boulle gemacht, sind Tischler, Intarsien-Spezialisten und beste Handwerker Frankreichs sowie Preisträger des Pariser Preises für Kunsthandwerk und Master of Art 2004. In ihrer Werkstatt entstehen ausschließlich Sonderanfertigungen. Dabei kombinieren sie traditionelle Techniken mit aktuellem Know-how und arbeiten sowohl für Privatkunden wie auch für die Luxus-Industrie.

Individuell bemalte Möbelunikate waren viele Jahre lang ihr Schwerpunktbereich. Inzwischen hat sich Estelle Lambert aber verstärkt dem Bereich der Lifestyle-Accessoires zugewandt. Sie setzt auf Recycling und Upcycling, arbeitet mit verschiedenen Materialien wie Holz, Eisen, Glas und Putz und verwendet Acryl- und Buntglasmalereitechniken. Auf diese Weise entstehen in ihrer Werkstatt handbemaltes Geschirr und Glasserien.

Schöne Gebrauchskeramik stellt auch Valérie Rogala-Blin in der Ausstellung vor. Teekannen, Schalen, Krüge oder Vasen, die von der Form und der Bemalung her an moderne Grafiken oder Malereien von Miro oder Picasso erinnern.

Kunstvolles Schmiedehandwerk steuert Jean-Claude Beuzelin bei. Der Betrieb ist nicht nur auf Bauschlosserei spezialisiert, sondern auch auf die Herstellung von Kleinserien und Unikaten aus Metall, wie Tische, Stühle, Kamin-Zubehör und vieles andere mehr. Darüber hinaus war Beuzelin bereits sechs Mal Preisträger des Innovationswettbewerbes Lépine für seine „smart door“, die Menschen mit Behinderungen und Personen mit beschränkter Mobilität einfachen Zugang ermöglicht.

Es stellen aus:
Pierre-Alexandre Bellest; Jean-Claude Beuzelin, Les Métalliers normands; Anita Constant, Le Coeur des Roses; Jennifer Daubanes, Et Scie!; Nathalie Denis; Pascale Effray, Cumscienta; Marie-Pierre Fournier; Amandine Gaudin, Art Métisse; Alain Guiot, LLA Créations; Thierry Hecker et François Roullet, Atelier du Beffroy; Daan Koers; Estelle Lambert; Pascale Léonard, Lorénad Haute-Couture; Michel Leulier, Fleurs de Peaux; Elodie Lunoir, Elufée; Thierry Marc, Thierry Marc Design; Léo Perréand, Atelier Perréand; Yannick Prat, Atelier Séquoïa; Pascal Rodier, Fariboles Productions; Valérie Rogala-Blin, Grafiterre; Eric et Dominique Sanson, Atelier Sanson; Pietro Seminelli, Artesina; Magali Senaux; Brigitte Varnier, Atelier B.

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 30. Januar 2015, 20 Uhr

Begrüßung
Karl-Wilhelm Steinmann
Präsident der Handwerkskammer Hannover

Grußwort
Dominique Moulard
Präsident der Chambre de Métiers et de l’Artisanat de la Seine-Maritime

Einführung in die Ausstellung
Carole Angenot
Chambre de Métiers et de l’Artisanat de la de Seine-Maritime

Rahmenprogramm
Alexis Caquelard
Meilleur Ouvrier de France 2007 im Fleischerhandwerk
vermittelt Einblicke in die französische Kochkunst

Ausstellungsführungen
Donnerstag, 05. Februar 2015, 16.30 bis 17.30 Uhr
Donnerstag, 19. Februar 2015, 16-30 bis 17.30 Uhr

Workshop für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren
Samstag, 14. Februar 2015, 11-14 Uhr

Im ersten Workshop des Jahres 2015 steht der Werkbereich Textil im Mittelpunkt. Aus Filz oder Recycling-Materialien werden Taschen für Jungen und Mädchen entstehen. Die Materialien werden genäht oder genietet. Durch Schneiden, Lochen, Klopfen oder Pressen entstehen eigene Kreationen. Und am Ende des Workshops kann jeder seine neue Lieblingstasche mit nach Hause nehmen. Beata Foit, Textildesignerin aus Hannover, leitet den Workshop. Unterstützt wird sie von zwei Schülerinnen der Anna-Siemsen-Schule.

Der Workshop ist kostenfrei. Eine Anmeldung mit dem entsprechenden Formular ist notwendig. Das Formular und weitere Informationen stehen unter www.hwk-hannover.de/abenteuerwerkstatt zum Download bereit.

Öffnungszeiten:
Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr
So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp