Handwerksform Hannover startet "Bestrickend"

Hannover, 24. Januar 2014.- In unregelmäßigen Abständen veranstaltet die Handwerksform Hannover Ausstellungen zu textilen Themen. 2014 ist es wieder soweit. Nach "Stoffe zum Träumen" (2008) und "Körperhüllen" (2011) setzt das Ausstellungszentrum der Handwerkskammer Hannover jetzt die Reihe mit dem Thema "Bestrickend: The Modern Art of Knitting" fort.

Stricken ist momentan absolut angesagt. Davon zeugt die große Zahl der Print-Magazine, Facebook-Seiten und Internet-Blogs, die diesem Thema gewidmet sind. Die Ausstellung "Bestrickend: The Modern Art of Knitting" trifft daher genau ins Schwarze. Gezeigt wird angewandte Textilkunst vom Feinsten aus den Bereichen Bekleidung, Wohnen und Objekt. 23 angewandte Künstlerinnen aus Deutschland, Qatar, Dänemark, den Niederlanden, Österreich und den USA sowie ein Textildesigner aus Japan sind vertreten.

Zum ersten Mal in Hannover wird das kleine holländische Label Bos & Co. zu sehen sein, das gestrickte Teppiche vorstellt. Corien Bos bezieht ihre Inspiration dafür aus alten skandinavischen Strickmustern und den geometrischen Linien, die man in der Natur findet. Bestechend sind die Farbigkeit und die breite Palette der Farbmuster, die sie für diese handgemachten Unikat-Teppiche nutzt.

Cordula Bünger strickt seit 1984 Kleidung für real existierende Frauen. Gelegentlich reizt es sie, Objekte des Alltags zu bestricken und dabei Lösungen für die technischen und kreativen Herausforderungen zu finden, die sich dabei stellen. So entstand bereits 2011 das Wintergartenensemble mit Torte, das in der Ausstellung "Bestrickend" zu sehen ist.

Auch wenn das Material Wolle in der Ausstellung eindeutig überwiegt, so gibt es doch auch andere Materialien, die zum Einsatz kommen. Bei Jacqueline Burris (USA) etwa sind es iPhone-Kopfhörer, die miteinander verstrickt worden sind. Eine leicht ironische Anspielung auf die "digital Natives", die ständig in der multimedialen Online-Welt zuhause sind. Mit einem gestrickten iPhone-Pullover, bei dem 650 Kopfhörer von Apple verwendet wurden, können sie sich künftig noch besser erkennen.

Auch Claudia Diehl greift nicht auf die Wolle zurück, sondern nutzt für ihren Ausstellungsbeitrag eine Papierschnur, die sie aus Zeitungen selbst hergestellt hat. Das Ursprungsmaterial wurde so zweckentfremdet neu genutzt. Ein wunderbares Beispiel für das gelungene Upcycling von Materialien.

Und noch ein Beitrag kommt ganz ohne Wolle aus: die gestrickten Schmuckstücke von Tanja Roolfs. Die Goldschmiedemeisterin und staatlich geprüfte Gestalterin sieht ihre Aufgabe darin, durch gezieltes Experimentieren mit gestalterischen, handwerklichen und kommunikativen Mitteln das Thema "Schmuck" in seinen vielen Facetten, sowohl als traditionelles Handwerk, innovatives Design als auch als Kunst am Körper, zu erfassen und weiterzuentwickeln. Sie experimentiert kontinuierlich mit textilen Techniken im Edelmetallbereich.

Poetisch, klar und feminin sind die gestrickten Kunstwerke von Kristiina Karinen, die durch eine Vielfalt von Designs und Oberflächenstrukturen bestechen. Für ihre Jacken, Schals und Westen verwendet sie feinste Garne aus Italien: Merino, Seide, Cashmere. Auf diese Weise entstehen Kleidungsstücke und Accessoires, die sich wunderbar anfühlen und tragen lassen. Mit der von ihr entwickelten speziellen Stricktechnik schafft sie dreidimensionale, skulpturale, komplex mäandernde Oberflächen, die ein hohes Maß an Handarbeit und Experimenten erfordern, um die Perfektion zu erreichen, die für Kristiina Karinens Arbeiten typisch sind.

Seit 2005 produziert die Berliner Modedesignerin Gesine Gammert aufwändige und filigrane Strick-Kleidung mit Anspruch auf Alltagstauglichkeit. Dabei ist der feminine Stil nicht nur für junge Frauen, sondern auch für die reifere Dame gedacht. Das auffälligste Kollektionsteil ist das von ihr erfundene und patentierte O-Shirt: Die Grundform ist ein O, aus dem sich verschiedene Tragemöglichkeiten ergeben, entweder als Weste, Stola oder Schal. Ein weiteres Stilmerkmal sind die Biesen, die sowohl in den Oberteilen und Kleidern, als auch bei den O-shirts für eine aufregende, besondere Optik sorgen.

Die Poesie und Sensibilität, mit der die Designerin Antje Pugnat Masche für Masche und Reihe für Reihe eine persönliche Geschichte erzählt, ist unverwechselbar. Bei ihr finden sich skulpturale Handstrickformen und zarte Maschinengestricke. Technische Distinktion, subtile Handwerkskunst, ein leidenschaftlicher Geist und ein hoher Qualitätsanspruch machen die Arbeit der Designerin aus. Die Handstrickteile sind durchweg mit grober Masche und einem 100%igem Cashmeregarn gestrickt. Antje Pugnat spielt mit Volumen, organischen Strukturen und ausgeklügelter Detailarbeit. Die Jacken und Mäntel schmiegen sich mit ihren Formen an oder um den Körper. Sie sind tragbarer Luxus - ein Leben lang.

Stricken ist offenbar doch immer noch eine Domäne der Frauen. Immerhin einen jungen Designer konnten wir aber für die Teilnahme gewinnen. Motohiro Tanji, der in Japan und London studiert hat, ist mit einer kleinen Auswahl seiner Strickobjekte in der Ausstellung vertreten. 2012 hat er sein eigenes Label gegründet. Seine Objekte sind handgemacht und zeichnen sich durch ihre expressiven skulpturalen Formen aus.

In der Ausstellung sind vier Künstlerinnen aus Hannover vertreten. Martina Schrader und Anne-S. Gueler sind dem Handwerksform-Publikum bereits seit vielen Jahren bekannt, da sie häufig in der Weihnachtsschau zu sehen sind. Die Diplom-Textildesignerin Martina Schrader zeigt gestrickte Kissen. Anne-S. Gueler, die sich bereits 1992 mit einer eigenen Werkstatt in Hannover selbständig gemacht hat, ist mit den für sie typischen farbenfrohen und intensiv gemusterten Unikaten vertreten.

Zum ersten Mal mit von der Partie ist Alexandra Kharitonchik. Die in Minsk geborene Designerin hat an der Hochschule Hannover studiert, hier vor zwei Jahren ihren Bachelor of Arts abgelegt und sich mit dem Label "HARISHI fashion" selbständig gemacht. Stricken ist für sie ein zentrales Ausdrucksmittel und eine Art Meditation, und es ist für sie Kunst wie Malerei oder Dichtung, da es eine unbegrenzte schöpferische Freiheit bietet. Im Mittelpunkt ihres Interesses liegen alte, zum Teil fast vergessene Techniken, die in ihren Arbeiten zitiert und neu interpretiert werden.

Ebenfalls erstmalig in der Handwerksform Hannover zu sehen ist eine Arbeit von Mansha Friedrich, mit der wir den Bereich der angewandten Kunst verlassen. Mansha Friedrich ist eine Street-Art-Künstlerin, die sich seit 2005 dem sog. "Yarn-Bombing" - zu gut Deutsch Strick-Graffiti - verschrieben hat. Schon seit ihrer frühesten Jugend liebt sie das Stricken und Häkeln. Mit ihrem ersten Projekt - der Teilverhüllung der Kröpcke-Uhr in Hannover - sorgt sie national und international für Furore. In der Ausstellung zeigt sie das Strickmodell eines hannoverschen Wahrzeichens: die drei warmen Brüder. Außerdem wird sie im Außenbereich der Handwerksform Hannover eine eigens für die Ausstellung entwickelte Installation aus leuchtendgelber Wolle anbringen.

Es stellen aus:
Corien Bos (NL)/Silke Bosbach/Janne Brandt/Cordula Bünger/Jacqueline Burris (USA)/Claudia Diehl/Simone van Eerdenburg (NL)/Mansha Friedrich/Gesine Gammert/Anne-Susanne Gueler/Kristiina Karinen/Dörte Kaufmann (A)/Alexandra Kharitonchik/Timmi B. Kromann (DK)/Astrid Mahlo/Martina Manfreda Mortimer/Tanji Motohiro (J)/Antje Pugnat/Della Reams (Qa)/Tanja Roolfs/Maria Stieger/Katja Ulanowski/Nicoletta Weingartner (A)/Martina Schrader

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 24. Januar 2014, 20 Uhr
Zur Ausstellung spricht Prof. Martina Glomb, Studiengangsleitung Modedesign, Hochschule Hannover, Fakultät III

Ausstellungsdauer:
25. Januar 2014 bis 22. Februar 2014

Ausstellungsführungen:
Donnerstag, 13. Februar 2014, 16.30 bis 17.30 Uhr
Donnerstag, 20. Februar 2014, 16.30 bis 17.30 Uhr
mit Friederike Otto von der Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk Niedersachsen e.V.

Workshops für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren:
Mittwoch, 05. Februar 2014, 15.30 bis 18.30 Uhr
Donnerstag, 06. Februar 2014, 15.30 bis 18.30 Uhr
mit Mansha Friedrich (Hannover)
Teilnahme kostenlos, Anmeldung unbedingt erforderlich. Mehr Informationen und Anmeldeformular unter www.hwk-hannover.de/abenteuerwerkstatt

Öffnungszeiten:
Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr
So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp