Steinsessel von Uwe Spiekermann

Steinsessel von Uwe Spiekermann

Handwerksform Hannover zeigt Sommerausstellung "Sitz-Gelegenheiten"

Hannover, 05. Juni 2015.- Ursprünglich saßen die Menschen auf dem nackten Boden, auf Felsen oder umgekippten Baumstämmen. Zum Glück sind diese Zeiten lange vorbei. Heute gibt es viele verschiedene Sitz-Gelegenheiten wie Stühle, Hocker, Bänke, Sessel oder Sofas aus den unterschiedlichsten Materialien. Eine kleine, feine Auswahl dieser Möglichkeiten stellt die Handwerksform Hannover in ihrer Sommerausstellung vor. Sitzmöbel-Unikate und Kleinserien, die durch ihre zeitgemäße, innovative oder ungewöhnliche Gestaltung auf sich aufmerksam machen.

23 Werkstätten aus dem gesamten Bundesgebiet sind in der Ausstellung vertreten. Natürlich sind es vor allem Tischler, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Aber auch die Werkbereiche Keramik, Metall, Stein und Textil sind mit von der Partie.

Aus der Werkstatt von Sascha Akkermann, seines Zeichens Tischlermeister und Designer, zeigen wir eine ergonomisch geschwungene Liege: KOII. Dank bequemer Polsterauflage lädt sie zum Verweilen ein. Das Möbel besteht aus hochwertigem Birkenschichtholz bezogen mit PVC-LKW Plane. Das gibt der Liege nicht nur ihre unverwechselbare Natürlichkeit, sondern lässt sie zudem besonders widerstandsfähig gegen äußere Umwelteinflüsse sein. Das Exponat besticht nicht nur in Sachen Ergonomie, sondern auch wegen ihrer einzigartigen Konstruktion. Sie kann mit nur wenigen Handgriffen auf- und abgebaut werden. Die Matte lässt sich mithilfe zweier inklusiver Spannseile mit Kugeln aus Buche fixieren und zusammengerollt platzsparend verstauen.

Freiformspritzguß nennt der Tischler und Industriedesigner Thorsten Franck die Technik, durch die er im 3-D-Druck mit Hilfe einer eigens entwickelten Maschine die 7-Tage-Hocker herstellt. Die Formen entstehen aus einer endlosen Linie, frei in den Raum gezeichnet. Beim Herstellungsprozess muss ständig die Temperatur überwacht werden. Ein grandioses Beispiel für Handwerk 4.0.

Die Tischlerei Freund aus der Wedemark zeigt Sitz-Gelegenheiten für die Kleinen. Der Wood-Rocker wurde als Basismodell für eine Kinderspielmöbelserie entworfen. Modern in der Anmutung, frech in der Farbgebung und nachhaltig gestaltet aus Formholz lassen sich die einzelnen Kompenenten vom Hocker zum Schaukeltier verwandeln.

Clemens Gersterberger zeigt in der Ausstellung eine Bank aus der Serie "Tidelands". Bei der Sitzfläche der aus massiver Esche gefertigten Bank besticht die bildhauerische Gestaltung der Sitzfläche. Die Oberfläche wurde mit einem Naturöl bearbeitet. Bei der Bank-Serie verbindet sich ergonomisches Sitzen mit Design. Im Gegensatz zu einer geraden, glatten horizontalen Fläche bietet das von der Natur inspirierte neuartige Konzept der leicht wellig aufgeworfenen Form die Möglichkeit eines wirklich körpergerechten, bequemen und ermüdungsarmen Sitzens.

Die von Robert Kern entwickelte Hockerserie ziert auch den Einladungsflyer zur Ausstellung. Er hat den prototypischen Hocker soweit reduziert wie nur irgend möglich. Eine Sitzschale und drei Beine – weniger geht nicht. Der besondere Reiz liegt im Kontrast der Materialien und Oberflächen: weißer oder schwarzer, glatter, glänzender Kunststoff und Naturholz. Die Sitzschale besteht aus schwerem, robustem Duroplast, in die die Beine eingesteckt sind. Sie wird bei allen Modellen in derselben Größe und in weiß oder schwarz verwendet. Die Beine dagegen variieren in Länge und Holzart, mit unterschiedlichen Oberflächen, optional auch Farben und Bearbeitungsgraden. Sie werden handwerklich hergestellt und können als Rohlinge individuell gestaltet, ihrer Nutzung entsprechend bemalt oder bedruckt werden.

Aber natürlich sind nicht alle Exponate der Ausstellung "Sitz-Gelegenheiten" aus Holz und von Tischlern gefertigt. Ein ganz anderes Konzept von sitzen und relaxen verfolgt Marlene Schröder mit den von ihr entwickelten "Molluscen". Mollusc ist ein Sitz- und Liegeobjekt für den Wohnbereich. Durch ein integriertes Zugband ist die Form des Möbelstücks wandelbar. Der spielerische Umgang mit der Kreisform und den Materialien macht den Mollusc gerade für Kinder zum Erlebnis. Als Rückzugspunkt oder Raumskulptur findet das Objekt aber auch bei Erwachsenen viel Anklang. Materialien sind Baumwolle, Kunstleder, Filz oder Kunstfell.

Aus der Steinbildhauerwerkstatt von Uwe Spiekermann stammen zwei massive Sessel. Nahezu unverwüstlich können die skulpturalen Objekte im Garten stehen. Und wie bei Spiekermann eigentlich immer warten sie dort auf ihre zweite Bestimmung als Teil der Grabgestaltung.

Mit einem ungewöhnlichen Material für Sitzmöbel macht Gabriel Wiese auf sich aufmerksam. Seine Sessel sind aus Kork, genauer gesagt aus Flaschenkorken gefertigt. Was sich auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam anhört, stellt sich auf den zweiten Blick als wohlüberlegt heraus. Recycling und Upcycling heißen hier die Schlüsselbegriffe, die Wiese zu dieser Gestaltung angetrieben haben. Und beim Probesitzen stellt sich heraus: die Sessel sind erstaunlich bequem.

Liste der Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
Sascha Akkermann/Saskia Detering/Heide Dittmann/Thorsten Franck/Wilhelm Freund/Clemens Gerstenberger/Peter Heidhoff/Ruprecht Holsten/Peter Hook/Andreas Kaether & Stephan Weise/Robert Kern/Klaus Kettenburg/Marco Klopsch/Stephanie Link/Anja Matzke-Schubert/Reny Merten/Ekkehard Morlock/Nadine Elda Rosani/Marlene Schroeder/Brigitte Speth/Uwe Spiekermann/Gabriel Wiese/Martin Wilmes

Steinsessel von Uwe Spiekermann

Ausstellungsdauer:
06. Juni 2015 bis 04. Juli 2015
Ausstellungseröffnung:
Samstag, 06. Juni 2015, 12 Uhr
Begrüßung + Einführung in die Ausstellung:
Dr. Sabine Wilp

Nacht der Museen
Samstag, 13. Juni 2015, 18 Uhr bis 00.30 Uhr

Programm:
18.30 Uhr/19.30 Uhr/20.30 Uhr/21.30 Uhr

Abenteuer Werkstatt …
… für große und kleine Besucherinnen und Besucher der Handwerksform Hannover. Hier kann man Handwerk live erleben. Unter Anleitung der Experten der Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk ausprobieren, was geht. Durch Schneiden, Lochen, Klopfen oder Pressen das eigene Lieblingsstück kreieren. Aus alten Treckerreifen und gebrauchten Werbebannern coole Taschen oder Accessoires zaubern. In 30 Minuten von der Idee zum fertigen Produkt. Das gibt es nur in der Nacht der Museen in der Handwerksform Hannover.
(Marmorsaal, je 30 Minuten)

19.00 Uhr/20.00 Uhr/21.00 Uhr/22.00 Uhr
Stuhl-Viel-Falt
Der Designer und Kalligraph Claus Dorsch hat sich für die Nacht der Museen wieder etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Mit ihm gemeinsam kann man neue Sitzgelegenheiten en miniature falten, illustrieren, schnippeln. Und natürlich auch mit nach Hause nehmen. Allerdings gilt: Zum Draufsetzen viel zu schade!
(Marmorsaal, je 30 Minuten)

20.15 Uhr/21.15 Uhr/22.15 Uhr
15-Minuten-Führungen …
… durch die Ausstellung „Sitz-Gelegenheiten“
mit Dr. Sabine Wilp, Leiterin der Handwerksform Hannover

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp