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Handwerksform Hannover/Johnny Korkman
Arbeiten von Soile Paasonen aus Finnland.

Handwerksform zeigt europäisches Kunsthandwerk

Es sollte der Auftakt einer neuen Ausstellungsserie werden und wir hatten uns sehr darauf gefreut. Leider dürfen wir die Ausstellungsräume nicht öffnen.

Hannover, 19. März 2020.- Mit der Frühjahrsausstellung 2020 wollte die Handwerksform Hannover unter der Überschrift „Handmade in Europe“ eine neue Ausstellungserie starten. Eingeladen wurden Kunsthandwerker*innen und Designer*innen aus allen europäischen Ländern.

38 angewandte Künstler*innen aus 13 Ländern sind dieser Einladung gefolgt. Sie kommen aus Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und Tschechien. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der niedersächsischen Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Birgit Honé.

Allerdings angesichts der aktuellen Corona Pandemie können wir die Ausstellung nicht wie geplant, für das Publikum öffnen. Dennoch wollen wir auf diesen Pressetext nicht verzichten. Darüber hinaus werden wir soviel wie möglich online aus der Ausstellung berichten: mit Texten, Fotos und Videos.

Schmuck

Maria Cristina Bellucci ist fasziniert von Buntstiften, die sie zu Schmuckstücken verarbeitet. Ein alltäglicher Gegenstand nimmt so eine völlig neue Form an und wird einer neuen Zweckbestimmung zugeführt, erhält eine völlig neue Bedeutung. Bei ihrem spielerischen Ansatz der Schmuckgestaltung lässt sie sich auch von der Suche nach Harmonie leiten.

Eva Burton zeigt in der Ausstellung die Serie “Grave Goods”, die sie anlässlich des Todes ihrer Großmutter entwickelt hat. Die Grabbeigaben sind von der Tradition der alten Kulturen Mesoamerikas inspiriert. Hier gehört es zum guten Brauch, besondere Gegenstände, Süßigkeiten und Essen dem Verstorbenen mit auf den Weg in die Unterwelt zu geben. Burtons Grabbeigaben sind aus handgeschnitzten Edelsteinen hergestellt, die an Süßigkeiten und Bonbons erinnern und mit der Ikonographie der prähispanischen Architektur und Symbolik verbunden sind. .

Im Mittelpunkt des Schmuckschaffens von Christine Demmel steht das Material Pergament, nicht nur als stoffliche Komponente, sondern als Medium der Kommunikation. Das Experimentieren mit alternativen Werkstoffen führt die Schmuckgestalterin zu neuen Wegen der handwerklichen Verarbeitung. Überraschende haptische Effekte schaffen ein besonderes Erlebnis. Massives fühlt sich leicht an, Filigranes füllt den Raum, Festes wird formbar. Es entsteht Pergament-Schmuck, der durch Geometrie, Transparenz, Volumen und Farbigkeit besticht.

Nikolay Sardamov wird in der Ausstellung “Handmade” seine Schmuckserie “Intersections” zeigen. Er benutzt den Kreis als Grundbestandteil und stellt dreidimensionale Formen mit sechs verschiedenen Kreisgrößen zusammen. Alle Formen sind symmetrisch aufgebaut, werden in verschiedenen Winkeln angeordnet, um Cluster und Schichten zu bilden. Daraus entsteht ein starres würfelförmiges Geflecht. Die Teile werden zunächst in Wachs aufgebaut und dann in einem Stück in Silber oder Bronze gegossen, pulverbeschichtet und am Ende mit Perlen versehen.

Holz

Alain Mailland hat erst mit 28 Jahren das Drechslerhandwerk für sich entdeckt. Aber seit dieser Zeit hat ihn das Drechseln nicht mehr losgelassen und er hat eine hohe Meisterschaft in der Beherrschung seines Handwerks und einen ganz eigenen Formenkanon entwickelt, der immer wieder erstaunt. Seine Werke, die von den vielfältigen Formen der Pflanzenwelt über und unter Wasser inspiriert sind, werden inzwischen in vielen Museen in Frankreich und den USA gezeigt.

Patrick Rapp wird mit frei gedrechselten Objekten in der Ausstellung vertreten sein. Die schlichte Formgebung seiner Stücke überzeugt. Er fertigt vor allem Schalen, Hohlgefäße, Kugeln und Schreibgeräte. Durch Beizen werden Maserungen und Verwachsungen sichtbar gemacht.

Keramik

Die Kanne bzw. der Krug hat es dem Keramiker Mike Byrne angetan. Immer wieder versucht er sich an diesem archetypischen Alltagsgegenstand und benutzt ihn, um die Verbindung zwischen Design, Funktion und Kunst zu erforschen. Am Ende des Prozesses steht ein Objekt, das vertraut wirkt und trotzdem weit über das rein Funktionale hinausweist.

Porzellan ist das bevorzugte Material von Valerie Ceulemans. Sie formt daraus Gefäßskulpturen, die Alltagsgegenständen ähneln: Teetasse, Teekanne oder Schale. Rein weiß ist das Material, aber ihre Objekte sind alles andere als schlicht. Sie drehen und winden sich, spielen mit Licht und Schatten, weisen Löcher auf und referieren so auf die Unebenheiten, die unser Leben durchziehen.

Seidig glatt und kein bisschen uneben sind dagegen die Gefäße der Keramikerin Dorothee Wenz. Aus eingefärbten Ton- und Porzellanmassen in streifigen Schichten, Parzellen und Marmorierungen frei von Hand gebaut, zeigen die reduzierten Gefäßformen einzigartig gewachsene Zeichnungen an ihrer Außenwandung. Formen und Farbmusterung laden ein zur Berührung, die vielfach geschliffene steinig harte Oberfläche überrascht durch Weichheit und Glätte.

Metall

Cecilia Moore benutzt ein altes Verfahren der Metallbearbeitung, bei dem eine flache Metallscheibe mit dem Hammer geschlagen wird, um einen Hohlraum zu schaffen. Dieser langsame und körperlich anstrengende Prozess ist für sie ein ganz bewusster und meditativer Akt der künstlerischen Arbeit. Die fertige Form könnte theoretisch mit anderen, weniger anspruchsvollen Mitteln hergestellt werden. Aber genau das ist nicht gewollt. Durch den Prozess des Aufziehens von Hand schafft Cecilia Moore Gruppen von eigenwilligen Formen, alles Unikate, die sie mit einer traditionellen Patinierung einfärbt. Da die meisten Objekte gebogen und beschwert sind, können sie wackeln. Dadurch entsteht eine besondere Form der antropomorphen Gruppendynamik.

Textil

Die Strickkunst von Kristiina Karinen besticht durch die Struktur der Oberflächen, die beim Produktionsprozess entstehen. Sie fertigt skulpturale Unikate und Kleinserien aus feinsten  italienischen Garnen – Merinowolle, Seide, Cashmere – in subtilen Tönen von Schwarz, Grau und Weiss. Die Farben treten hinter der Form zurück und geben lediglich eine Grundstimmung vor. Sie reizt die Möglichkeiten der Handstrickmaschine bis zum Äußersten aus, um eine harmonische Synthese von Material und Technik zu erzielen.

Sonstiges

Wunderbare kleine Szenerien schafft Lucy Casson. Tableaus von Wesen, die teils menschlich und teils tierisch sind. Inspiriert von der Beobachtung von Menschen und ihren Stimmungen, Gesten und Geschichten. Ihre Figurenwelt entsteht aus recyceltem Blech und anderen Fundstücken.

 

Ausstellungslaufzeit:
21.03.2020 bis 25.04.2020

Ort:
Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover

Ausstellungsführungen:
02.04.2020 und 16.04.2020, jeweils ab 16.30 Uhr

Sie hatten sich besonders auf die Ausstellungsführungen gefreut? Kein Problem. Zu den geplanten Zeiten am 02. und 16. April führt Sie ab 16.30 Uhr Dipl. Designer Rüdiger Tamm durch die Ausstellung - und zwar virtuell. Das wollen Sie nicht verpassen? Dann schauen Sie am besten zur geplanten Zeit auf die Facebook-Seite der Handwerksform Hannover https://www.facebook.com/handwerksform.hannover/

 

Einblicke in die Ausstellung erhalten Sie in diesem Video:

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Ansprechpartnerin für die Medien:

Dr. Sabine Wilp
Kuratorin

Tel. (0511) 3 48 59 - 21
handwerksform--at--hwk-hannover.de