Jans-Paul Ernsting
Oßwald
Jans-Paul Ernsting

Handwerkskammer Hannover zieht positive Bilanz

In der Frühjahrsvollversammlung legte Hauptgeschäftsführer Jans-Paul Ernsting die Zahlen für das abgelaufene Jahr 2016 vor.

Hannover, 17. Mai 2017.- Das Jahr 2016 war für das Handwerk im Handwerkskammerbezirk Hannover ein gutes Jahr. Das machte Kammerhauptgeschäftsführer Jans-Paul Ernsting bei der heutigen Bilanzpressekonferenz, die im Anschluss an die Frühjahrsvollversammlung stattfand, deutlich. Ernsting wies darauf hin, dass zurzeit mehr als 100.000 Menschen im Handwerk des Kammerbezirks arbeiten. Sie haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 8,31 Mrd. Euro erwirtschaftet. Das seien Zahlen, die sich sehen lassen könnten. Sie machten deutlich, dass das Handwerk nach wie vor einer der bedeutendsten Wirtschaftsbereiche sei.

Bei den Betriebszahlen hat die Handwerkskammer Hannover allerdings das erste Mal seit vielen Jahren ein leichtes Minus hinnehmen müssen. Ende Dezember 2016 waren insgesamt 18.872 Betriebe in der Handwerksrolle eingetragen, das sind 0,9 Prozent (180) weniger als im Jahr davor. Das mag auf den ersten Blick noch nicht wirklich besorgniserregend erscheinen, meinte Ernsting. Wenn man sich die Betriebszahlen allerdings etwas genauer anschaue, dann sehe die Lage anders aus.

Wie in den Vorjahren sei die Gruppe der zulassungspflichtigen Handwerke - also der Meisterbetriebe der Anlage A - erneut geschrumpft. Hier wurden Ende 2016 nur noch 10.856  Betriebe gezählt und damit 0,3 Prozent (minus 194) weniger als 2015.

Leichte Rückgänge gab es erneut auch im Bereich der handwerksähnlichen Gewerbe der Anlage B2. Hier wurden Ende 2016 insgesamt 3.295 Betriebe gezählt, das sind 1,8 Prozent weniger als Ende 2015 (minus 59)

 

Mehr als  42 Prozent der Betriebe des Handwerkskammerbezirks Hannover gehören mittlerweile zum zulassungsfreien Handwerk und zu den handwerksähnlichen Gewerben, also zu den Handwerksbetrieben, bei denen keine einschlägige Ausbildung erforderlich ist, um diesen Beruf auszuüben. Zuwachs bei den Zahlen gebe es nur noch im Bereich der Betriebe der Anlage B1, die häufig wenig bestandsfest seien.

4.721 Betriebe waren am 31.12.2016 in den 53 zulassungsfreien Handwerksberufen der Anlage B1 eingetragen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,6 Prozent (+73).

Ernsting wies darauf hin, dass die Gründungen in den B1-Handwerken, in denen keinerlei Qualifikation als Zulassungsvoraussetzung erforderlich ist, in der Regel zu Klein- und Kleinstbetrieben (Soloselbständigkeit) führen. Die in diesem Bereich neu gegründeten Betriebe verfügten in der Regel nicht über Angestellte und bildeten auch nicht aus. Er warnte davor, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen und die Zahlen im B1-Handwerk auch in den kommenden Jahren steigen werden. Das bedeutet: die Dequalifizierungsspirale dreht sich weiter und die Zahl der Klein- und Kleinstbetriebe steigt von Jahr zu Jahr weiter an.

Die Rückgänge bei den Betriebszahlen sind übrigens keineswegs nur ein Problem im Handwerkskammerbezirk Hannover. Der Trend, der nahezu alle Gewerke der Anlage A betrifft, ist sowohl in Niedersachsen wie auch im Bundesgebiet zu beobachten. Er lasse sich auch nicht mit der Konjunktur in Verbindung bringen, denn die lief in 2016 sehr gut.

Sorgen bereite der Handwerkskammer Hannover nach Aussagen des Kammerhauptgeschäftsführers auch die nach wie vor angespannte Ausbildungssituation. 2016 war ein Jahr in dem die Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerkskammerbezirk Hannover weiter gesunken sei, obwohl wir in den letzten Jahren ganz erhebliche Anstrengungen in Sachen Nachwuchsgewinnung unternommen haben, um das Niveau zu halten. Das Minus sei aber deutlich kleiner ausgefallen als in den Jahren davor.

Am 31. Dezember 2016 waren 8.020 Lehrlinge bei der Handwerkskammer Hannover eingetragen. Das sind im Vergleich zu 2015 0,9 Prozent weniger (minus 74).

Die Tatsache, dass der Fachkräftemarkt nahezu leer gefegt sei und darüber hinaus immer weniger junge Menschen den Weg ins Handwerk finden, mache dem Handwerk im Kammerbezirk wirklich zu schaffen, denn der Erfolg der Handwerksbetriebe hänge ganz wesentlich von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und verantwortungsvollen Unternehmerinnen und Unternehmern ab. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund forderte Ernsting dringend ein Umsteuern in der Bildungspolitik und eine nachhaltige Stärkung des dualen Bildungssystems.

Er wies darauf hin, dass die Handwerkskammer Hannover weiterhin alles daran setze, um jungen Menschen eine qualifizierte Aus- und Fortbildung im Handwerk zukommen zu lassen. Das zeigten nicht nur die großen Investitionen in die energetische Modernisierung auf dem Campus Handwerk in Garbsen, sondern auch eine Reihe von wichtigen Eckwerten aus dem Bereich Bildung.

2016 wurden 1.278 Lehrgänge zur überbetrieblichen Unterweisung mit insgesamt 11.753 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Es fanden 41 Meistervorbereitungslehrgänge mit insgesamt 780 Teilnehmern statt.

Auch das Prüfungswesen hat beeindruckende Zahlen vorzuweisen. 2016 wurden 466 Meisterprüfungen erfolgreich abgeschlossen. Hinzu kamen 551 abgelegte Meisterprüfungen im Teil 1, 626 Meisterprüfungen im Teil II, 941 Meisterprüfungen im Teil III und 172 Meisterprüfungen im Teil IV.

Die Handwerkskammer Hannover konnte sich darüber hinaus über 26 neue Geprüfte Betriebswirte (HwO), 501 erfolgreich abgeschlossene Ausbildereignungsprüfungen und 11 Gebäudeenergieberater (HWK) freuen.

Auch im Bereich der Betriebsberatung wurden 2016 gute Zahlen geschrieben. Erbracht wurden 661 Ausbildungsberatungen, 704 Weiterbildungsberatungen, 1.266 Kurzberatungen im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung, 130 Existenzgründungsberatungen, 122 Nachfolgeberatungen, 242 Umweltschutzberatungen, 3.400 Kurzberatungen im Bereich Wirtschaftspolitik und Unternehmensberatung, 2.100 Rechtsberatungen.

Abschließend wies Ernsting auf die Verwendung der Haushaltsmittel im Jahr 2016 hin. 29 Millionen Euro standen 2016 für die Wahrnehmung der Kammer-Aufgaben zur Verfügung. Rund 27 Prozent der Einnahmen stammten aus Beiträgen, 33 Prozent entfielen auf Gebühren und 26 Prozent stammen aus Zuwendungen des Bundes, des Landes und der EU. Der größte Teil des Haushaltsvolumens wurde für Bildungsmaßnahmen ausgegeben (61,2 Prozent), 34,2 Prozent für Selbstverwaltung und Interessenvertretung und 4,6 Prozent für Wirtschaftsförderung.

Er machte deutlich, dass die Handwerkskammer Hannover für die anstehenden Herausforderungen 2017 – ein hoher Investitionsbedarf vor allem für die energetische Modernisierung des Campus Handwerk und Digitalisierungsprozesse – robust und zukunftsfähig aufgestellt sei.

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