Handwerkskammerpräsident Walter Heitmüller fordert ein Umdenken in der Energiepolitik

Seit mehreren Wochen wird in Fukushima fieberhaft daran gearbeitet, die Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Bislang ohne Ergebnis. Weltweit wächst die Zahl der Menschen, die eine Energiewende fordern. In dem Zusammenhang stellt sich auch für das Handwerk die Frage: Wie kann und sollte es jetzt weitergehen?

Heitmüller: Ich bin der Meinung, wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, auch wenn das Thema inzwischen schon von der ersten Seite der Tageszeitungen verschwunden ist. Es reicht auch nicht, dass wir humanitäre Hilfe leisten, wie wir das schon oft getan haben und auch diesmal wieder tun werden. Wir müssen einen Schritt weiter gehen. Daher plädiere ich für ein Umdenken in der Energiepolitik. Wir sind ein großer Wirtschaftsbereich und eine große gesellschaftliche Gruppe und daher können und sollten wir zur gesellschaftlichen und politischen Debatte nicht schweigen, sondern uns klar positionieren. Wir haben eine Verantwortung für die fast 5 Millionen Beschäftigten in unseren Betrieben und deren Familien. Aus diesem Grund machen wir uns für eine Energiepolitik stark, die nachhaltig, wirtschaftlich und sicher ist.

Ein kurzfristiger Ausstieg aus der Atomenergie ist sicherlich nicht möglich. Was fordern Sie genau?

Heitmüller: Atomkraftwerke sind – das macht Fukushima noch einmal deutlich - nicht hundertprozentig sicher und vor allem nicht vollständig beherrschbar. Das gilt nicht nur für Japan, sondern auch für die Bundesrepublik. Je eher wir die Wende weg von der Atomenergie schaffen, umso besser für uns alle. Natürlich können dezentrale und regenerative Energien nicht von heute auf morgen die Erzeugungsleistungen der Atomkraftwerke übernehmen. Aber wir sollten alles dafür tun, dass ein schneller Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Atomkraftwerken möglich wird. Dazu gehören ein beschleunigter Netzausbau und der Abbau aller Hemmnisse, die einem zügigen Ausbau von regenerativen Energien und Investitionen in Energieeffizienztechnik entgegenstehen.

Das Thema Energieeinsparung ist in diesem Zusammenhang auch wieder hoch aktuell. Hier kann auch das Handwerk eine ganze Menge beitragen.

Heitmüller: Stimmt genau! Je schneller wir effiziente Techniken einsetzen und dadurch Energie einsparen, umso besser. Auf diesem Gebiet und auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien ist das Handwerk an zukunftsweisenden Technologien beteiligt und hat im Bereich der Energieeffizienz von Gebäuden das Know-how, um deren Energieverbrauch drastisch zu senken. Dazu brauchen wir allerdings eine Fördermittelpolitik, die planbar und langfristig verlässlich ist. Das ist zurzeit nicht der Fall.