HWK Hannover

Handwerkskonjunktur im Frühjahr 2011: Der Konjunkturzug fährt wieder mit Volldampf

Hannover, 12. April 2011.- Im hannoverschen Handwerk herrscht Aufbruchstimmung. Das stellte Hauptgeschäftsführer Jans-Paul Ernsting bei der Vorlage des aktuellen Konjunkturberichts fest. Nach einem insgesamt zufriedenstellenden Jahr 2010 ging es im ersten Quartal 2011 in den Handwerksbetrieben im Bezirk der Handwerkskammer Hannover konjunkturell nochmals deutlich bergauf.

Die aktuelle Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer Hannover zeige eine beeindruckend gute Geschäftslagebeurteilung im Gesamthandwerk bei einer insgesamt positiven Auftrags- und Umsatzentwicklung, so Ernsting. Die Kapazitätsauslastung sei mehr als zufrieden stellend. Auch der Preisüberwälzungsgrad und die Investitionstätigkeit hätten sich verbessert. Positive Effekte habe es auch bei der Beschäftigungsentwicklung gegeben. In per saldo 6 Prozent der Betriebe ist nach Auskunft des Kammerhauptgeschäftsführers die Beschäftigtenzahl erhöht worden.

Bauhandwerk: Überdurchschnittlich zufrieden

Trotz des langen Winters ist das Bauhandwerk mit seiner wirtschaftlichen Entwicklung mehr als zufrieden. Der Geschäftsklimaindex* stieg trotz Eis und Schnee um 35,5 Punkte auf 71 Punkte: ein Indexniveau, das, seit die Handwerkskammer Hannover Konjunkturberichte erstellt,  lediglich Anfang der 90iger, zu Zeiten der Wiedervereinigung Deutschlands, erreicht wurde. Insbesondere das Konjunkturpaket II dürfte die Stimmung beflügelt haben. Das Bauhandwerk erhofft sich weiterhin Wachstumsimpulse durch die Förderung der energetischen Gebäudesanierung und die  steuerliche Abzugsfähigkeit von Handwerkerleistungen im Bereich Renovierung, Erhaltung und Modernisierung. Auch die übrigen Konjunkturindikatoren in dieser Branche zeigen steil nach oben Die Erwartungen für das kommende Quartal sind durch und durch von Zuversicht geprägt.

Die Geschäftslagebeurteilung im Ausbauhandwerk ist nicht ganz so euphorisch, liegt vor dem Hintergrund leichter Auftrags- und Umsatzzuwächse aber auch bei  59,5 Indexpunkten und damit um 4 Punkte über dem Wert des Vorjahresquartals.

Zuliefererhandwerk: Glänzende Konjunkturaussichten

Sehr gute Konjunkturaussichten kennzeichnen die wirtschaftliche Lage im Zulieferhandwerk. Mit einem Indexwert von 61,5 Punkten bei der Beurteilung der eigenen Geschäftslage ist das Stimmungsbarometer wieder auf den Wert von 2007, dem Vorkrisenjahr, gestiegen. Ursächlich für die gute Geschäftslagebeurteilung dürfte die hervorragende Betriebsauslastung sein. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung verlief deutlich besser als im Gesamthandwerk. Die Zunahme der Beschäftigten liegt leicht über der Zunahme im Gesamthandwerk.

Der Erfolg des Handwerks für den gewerblichen Bedarf korreliert eng mit der Höhe der deutschen Exporte, insbesondere im Maschinen- und Fahrzeugbau. Angesichts der guten Entwicklung in dieser Branche blicken die handwerklichen Zulieferer optimistisch in die Zukunft

Kraftfahrzeughandwerk: Kaum Wolken am Konjunkturhimmel

Auch der Konjunkturhimmel des Kraftfahrzeughandwerks im Kammerbezirk ist nahezu wolkenlos. Mit einem Geschäftsklimaindex von 58,5 Punkten geht es in dieser Branche deutlich bergauf. Es wird endlich wieder an die 90er Jahre angeknüpft, als es nach der Wiedervereinigung im Kfz-Bereich so richtig boomte. Die Auftragseingänge und die Umsatzentwicklung blieben trotz des lausigen Winterwetters unverändert. Hinzu kommt eine ausgeprägte Investitionsfreude. Per saldo stockten 36 Prozent der Betriebe ihr Budget auf. Vor diesem Hintergrund schauen die Kfz-Werkstätten recht erwartungsfroh in die Zukunft.

Nahrungsmittelhandwerk: Wenig schwungvoll

Wenig Schwung zeigt die Konjunktur im Nahrungsmittelhandwerk, wenngleich der Geschäftsklimaindex auch hier um drei Punkte gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen ist. Auftrags- und Umsatzrückgänge machen dieser Branche schwer zu schaffen.

Unbefriedigend sieht es auch in den Dienstleistungshandwerken aus, die mit einer Geschäftslagebeurteilung von 50 Indexpunkten dennoch um 15 Punkte über dem Vorjahresquartalswert liegen und mit den Gesundheitshandwerken das Schlusslicht bei den Branchenkonjunkturen bildet. Dass die Unternehmen in guter Stimmung sind, daran ist nicht zu zweifeln.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hingegen sollte durchaus kritisch betrachtet werden. So gibt es immer weniger unbefristete Vollzeitstellen. Nach der jüngsten Erhebung nur noch 60 Prozent; mit abnehmender Tendenz. Starken Zuwachs hingegen erfahren die sogenannten prekären Arbeitsverhältnisse wie Minijobs und unbezahlte Praktika. In der Arbeitslosenstatistik  werden viele, die arbeitsuchend sind, schlichtweg nicht gezählt. Wen wundert es dann, wenn der Konsum nicht gerade zur treibenden Kraft der Konjunktur avanciert.

Die Aussichten: Es geht weiter bergauf

Nach den Erwartungen der befragten Betriebe geht es mit der konjunkturellen Entwicklung im Kammerbezirk weiter bergauf. Die Prognosen hinsichtlich des weiteren Geschäftsverlaufes sind gegenüber den Prognosen des Vorjahresquartals deutlich nach oben korrigiert und zeigen Optimismus. Lediglich das Nahrungsmittelhandwerk und das Gesundheitshandwerk gehen weniger zuversichtlich ins kommende Quartal. Das Bauhandwerk erwartet angesichts der saisonalen Komponente eine noch bessere Auftragslage als im abgelaufenen Quartal. Dies gilt insbesondere für die Straßenbauer. Gelichtete Auftragsbücher erwartet lediglich das Nahrungsmittelhandwerk.

Die Beschäftigtenzahl im Gesamthandwerk wird vor dem Hintergrund des erwarteten Auftragsplus nochmals deutlich zunehmen. So planen jeder vierte Betrieb des Bauhandwerks und jeder fünfte Betrieb des Ausbauhandwerks Neueinstellungen. Nur die Konditoreien und Informationstechniker werden nach eigenen Angaben Personal abbauen.

Die Investitionsneigung ist positiv. 19 % der befragten Betriebe werden ihre Investitionstätigkeit im kommenden Quartal einschränken, 21 Prozent planen eine Erhöhung ihres Investitionsbudgets.

Regionalanalyse: Konjunktureller Aufschwung im gesamten Kammerbezirk

Die Regionalanalyse zeigt einen konjunkturellen Aufschwung in allen Landkreisen des Kammerbezirks, der Landeshauptstadt Hannover und in der Region Hannover. Die Region Hannover weist einen Geschäftsklimaindex auf, der um 19,5 Punkte auf 60 Indexpunkte stieg und somit an vierter Stelle der Regionalkonjunkturen liegt.

Die Betriebe im Landkreis Diepholz bewerteten ihre Geschäftslage mit 64,5 Indexpunkten ebenfalls besser als im Vorjahresquartal und deutlich besser als der Durchschnitt im Kammerbezirk. Die Betriebe im Landkreis Hameln-Pyrmont und im Landkreis Schaumburg weisen mit einem Indexwert von 66 Punkten bzw. 62 Punkten eine ebenfalls überdurchschnittliche Konjunktur auf.

An vorletzter Stelle bei der Bewertung der Regionalkonjunkturen befinden sich die Betriebe im Landkreis Nienburg mit 59 Indexpunkten. Schlusslicht bei der Geschäftslagebeurteilung ist die Landeshauptstadt Hannover. Mit 55,5 Indexpunkten wurde ein weit unterdurchschnittlicher Wert erzielt. Gleichwohl zeigen die sonstigen Konjunkturparameter auch eine deutliche Abweichung von denen der übrigen Regionen. So sind nur in der Landeshauptstadt Auftrags- und Umsatzrückgänge zu verzeichnen gewesen. Allerdings ist der Betriebsbestand im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gestiegen und somit auch die Konkurrenz

 

*Der Geschäftsklimaindex ist die Summe der prozentualen Anteile der befragten Betriebe, die eine gute (Gewichtung = 1) bzw. eine befriedigende (Gewichtung = 0,5) Geschäftslage meldeten

 

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp