Handwerkskonjunktur im Herbst 2012

Erste Spuren der Schuldenkrise, aber kein Anlass zur Panik

Hannover, 09. Oktober 2012.- "Die konjunkturelle Entwicklung des Handwerks im Kammerbezirk Hannover schwächelt, befindet sich aber nach wie vor auf hohem Niveau,“ das machte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Jans-Paul Ernsting, bei der Vorlage des Konjunkturberichts für den Herbst 2012 jetzt deutlich. Die Geschäftslagebeurteilung liege, so Ernsting, mit 66,5 Indexpunkten nur um 5 Punkte niedriger als im Herbst 2011.

Ungeachtet der insgesamt stagnierenden Nachfrage nach Handwerksleistungen und –produkten seien die Verkaufspreise in einigen Handwerksbranchen deutlich angehoben worden. Ursache dafür sei nicht zuletzt auch eine kräftige Teuerung auf der Beschaffungsseite. Im Nahrungsmittelhandwerk erhöhte mehr als die Hälfte der Betriebe ihre Absatzpreise. Allerdings schlugen in dieser Branche gestiegene Rohstoffpreise und Energiekosten auch überproportional zu.

Dank einer noch immer hohen Betriebsauslastung in fast allen Handwerksbranchen meldete per saldo ein Prozent der Betriebe ein aufgestocktes Investitionsbudget. Die Beschäftigtenzahlen entwickelten sich ebenfalls positiv. Dies gilt allerdings nicht für das Dienstleistungshandwerk und das Bauhandwerk.

Die wirtschaftliche Entwicklung im Bauhandwerk hat deutlich an Dynamik verloren. Während sich Wohnungsbau und  Wirtschaftsbau weiter gut behaupten konnten, ist die Bauproduktion im öffentlichen Hochbau und insbesondere im Straßenbau zurückgegangen. Obgleich die Erwartungen der befragten Baubetriebe eher pessimistisch sind, ist aufgrund der bisher erteilten Baugenehmigungen (+18,4 Prozent), insbesondere im Bereich der Nichtwohngebäude, eine eher stabile Lage im weiteren Geschäftsverlauf zu erwarten. Zudem stockt Niedersachsen die Förderung für den Bau preiswerter Wohnungen schon im laufenden Jahr um 10 Mio. auf 49,9 Mio. Euro auf. "Das könnte zu mehr Schwung im Wohnungsbau führen,“ erklärte Ernsting.

Die beste Branchenkonjunktur weist in der aktuellen Umfrage der Handwerkskammer Hannover mit 74 Indexpunkten das Ausbauhandwerk auf. Diese positive Entwicklung ist auch auf die Inflationsbedenken der Verbraucherinnen und Verbraucher zurückzuführen, die ihr Geld lieber ins eigene Haus oder in die eigene Wohnung stecken, als es auf die Bank zu tragen. Für viele Menschen sind Immobilien eine stabile Investition mit positiver Wertentwicklung.

Eine gute Geschäftslagebeurteilung gaben die Betriebe des Handwerks für den gewerblichen Bedarf ab. Die Geschäftsabschlüsse blieben unverändert auf hohem Niveau. Die Umsatzentwicklung verlief ebenfalls unverändert. 32 Prozent der befragten Betriebe meldeten ein Umsatzplus, ein gleich hoher Prozentsatz ein Umsatzminus. Besonders die Feinwerkmechaniker und die Kälteanlagenbauer profitierten von der guten Entwicklung. Der Geschäftsklimaindex* fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um 7 Punkte;  knüpfte damit aber immer noch an die frühen 90er Jahre an.

Das Kraftfahrzeughandwerk hat weiterhin zu kämpfen, wenngleich der Geschäftsklimaindex deutlich um 6 Punkte auf 60,5 Indexpunkte gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres gestiegen ist. Per saldo meldeten 31 Prozent der Betriebe Auftragsrückgänge, jeder zehnte Betrieb ein Umsatzminus.

Die Konjunktur im Nahrungsmittelhandwerk hat sich im mittleren Bewertungsbereich eingependelt. Der Geschäftsklimaindex im Herbst 2012 liegt bei 64 Indexpunkten. 5 Prozent der Betriebe meldeten unbefriedigende Geschäftsergebnisse,

Einen unterdurchschnittlichen Geschäftsklimaindex von 50 Punkten weist das Gesundheitshandwerk auf. Auftrags- und Umsatzrückgänge in per saldo 33 Prozent bzw. 40 Prozent der Betriebe führten in dieser Handwerksbranche zu einem abgespeckten Investitionsbudget. Dennoch gab es einen moderaten Beschäftigtenzuwachs. Dies gilt allerdings nicht für die Zahntechniker.

Das Dienstleistungshandwerk (Friseure, Uhrmacher, Schuhmacher und Fotografen) ist in besonderem Maße vom privaten Konsum abhängig und weist mit 55,5 Indexpunkten bei der aktuellen Beurteilung der Geschäftslage auf eine durchwachsene Situation hin. Per saldo verzeichneten 4 Prozent der befragten Betriebe einen Nachfragerückgang, mehr als jeder zehnte Betrieb meldete ein Umsatzminus

Nach den Gesamtprognosen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover ist von einer  Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Diese Einschätzung findet sich auch im erwarteten Geschäftsklimaindex wieder, der mit 45 Indexpunkten um 21,5 Punkte schlechter als die aktuelle Geschäftslagebeurteilung ist. Die verhaltenen Erwartungen dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass viele Handwerksunternehmen sich auf einem relativ hohem Wachstumspfad bewegen, wo die Enttäuschung schon bei einer Normalisierung der Geschäftsergebnisse schnell um sich greift.

Die Regionalanalyse für den Handwerkskammerbezirk Hannover zeigt eine wirtschaftliche Abkühlung in allen Regionen gegenüber dem Herbst letzten Jahres insbesondere im Landkreis Diepholz (67,5 Punkte) und im Landkreis Nienburg (58 Punkte). Kräftig aufholen konnte die Landeshauptstadt Hannover und steht mit 71,5 Indexpunkten nun an erster Stelle auf der Skala der Regionalkonjunkturen, mit einem Gewinn von immerhin 6 Indexpunkten. Der Geschäftsklimaindex im Landkreis Hameln-Pyrmont liegt bei 67,5 Punkten. Die Betriebe des Landkreises Schaumburg bewerteten ihre Geschäftslage mit 54,5 Indexpunkten, die Betriebe der Region Hannover die ihre mit 67,5 Punkten.

*Der Geschäftsklimaindex ist die Summe der prozentualen Anteile der befragten Betriebe, die eine gute (Gewichtung = 1) bzw. eine befriedigende (Gewichtung = 0,5) Geschäftslage meldeten

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Rosemarie Colberg