Handwerkskonjunktur im Herbst 2014: Wirtschaftliche Lage nach wie vor erfreulich

Hannover, 13. Oktober 2014.- „Der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr ganz so rund. Glücklicherweise kann man die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland aber noch als gut bezeichnen“, das machte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Dipl.-Kfm. Jans-Paul Ernsting, bei der Vorstellung des aktuellen Konjunkturberichts für das Herbstquartal deutlich. Dies mache sich auch bei den Betrieben des Handwerks im Kammerbezirk Hannover bemerkbar. „Die Konjunkturindikatoren zeigen insgesamt weiterhin nach oben,“ so Ernsting. „Etwas weniger positiv sei die Entwicklung allerdings in einigen verbrauchernahen Handwerksbranchen zu werten.“

Die Geschäftslagebeurteilung* im Gesamthandwerk liege mit 65 Indexpunkten nur um einen Punkt niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ursächlich für die befriedigende Bewertung der aktuellen Geschäftslage sei die gute Auftragsentwicklung, insbesondere im Bauhandwerk und im Ausbauhandwerk, in denen auch die Umsatzentwicklung entsprechend positiv verlief. Die Beschäftigung nahm insgesamt noch einmal zu.

Der aktuelle Bericht zeigt aber auch, dass die Verkaufspreise angesichts der guten Nachfrage nach Handwerksleistungen und –produkten deutlich angehoben wurden. Teuerungen auf der Beschaffungsseite meldeten alle Handwerksbranchen. Die Betriebsauslastung ist gegenüber dem Vorjahresquartal in einigen Handwerksbranchen deutlich gesunken, sodass für diese Betriebe auch weiterhin kein Anreiz bestand, groß zu investieren. Insgesamt ist die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten dennoch auf unverändert hohem Niveau. Die Investitionen hingegen wurden in per saldo 7 Prozent der Handwerksbetriebe reduziert.

Bauhandwerk

Erfreulich ist nach wie vor die wirtschaftliche Lage im Bauhandwerk. Ungeachtet der nach oben gerichteten Konjunkturindikatoren ist die Geschäftslagebeurteilung gegenüber dem Vorjahresquartal dennoch um 11 Indexpunkte gesunken und liegt nunmehr bei 69 Punkten. Ursächlich hierfür könnte die nachlassende Dynamik der positiven Auftragsentwicklung sein. Meldete im Vorjahresquartal per saldo jeder vierte Betrieb vollere Auftragsbücher, lag dieser Betriebsanteil im Herbst dieses Jahres bei 13 Prozent. Ein durchaus respektables Ergebnis, auch getragen von historisch niedrigen Zinsen und Zuwanderungszahlen. Zugpferd im Bauhandwerk ist der Wohnungsbau. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten liegt auf Vorjahresquartalsniveau. Trotz der guten Entwicklung insbesondere im Wohnungsbau schaut das Bauhandwerk etwas verhalten in den kommenden Geschäftsverlauf. So werden deutliche Auftrags- und Umsatzeinbußen erwartet, die in jedem zehnten Betrieb zu Personaleinsparungen führen wird. Bei dieser Einschätzung spielen die saisonalen Besonderheiten der Baubranche eine wesentliche Rolle.

Ausbauhandwerk

Insgesamt stellt sich die wirtschaftliche Lage im Ausbauhandwerk noch erfreulicher als im Bauhandwerk dar. Mit einem Geschäftsklimaindex von 70,5 Punkten und ebensolchen Erwartungen in den kommenden Geschäftsverlauf befindet sich das Ausbauhandwerk eindeutig auf der Sonnenseite der Branchenkonjunkturen. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten ist im Ausbauhandwerk ebenso überdurchschnittlich wie im Bauhandwerk. Auch die Auftrags- und Umsatzentwicklung kann sich sehen lassen.

Handwerk für den gewerblichen Bedarf

Eine gemessen am Gesamthandwerk unterdurchschnittliche, aber um 8,5 Indexpunkte höhere Geschäftslagebeurteilung als im Herbst 2013, gaben die Betriebe des Handwerks für den gewerblichen Bedarf ab. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung verlief erheblich günstiger als im Vorjahresquartal. Gleichwohl wurde das Investitionsvolumen in per saldo 8 Prozent der Betriebe des Zulieferhandwerks nach unten korrigiert. Weiterhin mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat das Kraftfahrzeughandwerk, wenngleich der Geschäftsklimaindex mit 59 Punkten um 2 Punkte gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres gestiegen ist. Per saldo meldeten 3 Prozent der Betriebe ein Umsatzminus. Allerdings meldeten 26 % ein Auftragsplus, nur 23 Prozent der Betriebe mussten in geringer gefüllten Auftragsbüchern blättern.

Nahrungsmittelhandwerk

Das Nahrungsmittelhandwerk verspürt zwar keine konjunkturellen Schubkräfte, aber wirtschaftliche Stabilität. Der aktuelle Geschäftsklimaindex ist mit 63,5 Indexpunkten auch im guten Mittel. Einen Geschäftsklimaindex von 60,5 Punkten weisen die Gesundheitshandwerke auf. Deutliche Auftragsrückgänge in per saldo jedem vierten Betrieb führten zu einer unterdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung. Das Dienstleistungshandwerk, in besonderem Maße vom privaten Konsum abhängig, weist mit 60,5 Indexpunkten bei der aktuellen Beurteilung der Geschäftslage auf eine sich noch verbessernde wirtschaftliche Situation hin. Per saldo verzeichneten immerhin 3 Prozent der befragten Betriebe eine zusätzliche Nachfrage.

Ausblick

Nach den Gesamtprognosen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover ist in den kommenden Monaten von einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Allerdings wird sich die Konjunktur in den einzelnen Handwerksbranchen nach eigenen Angaben sehr unterschiedlich darstellen. Während das Gesundheitshandwerk, die Dienstleistungshandwerke und das Ausbauhandwerk recht zuversichtlich wirken, ist dies in den übrigen Handwerksbranchen nicht unbedingt der Fall. Eher skeptisch blickt das Bauhandwerk in den kommenden Geschäftsverlauf. Die saisonale Komponente, die üblicherweise in den Wintermonaten des Jahres für diese Handwerksbranche zum Tragen kommt, scheint den Betrieben zuzusetzen. Die Beschäftigtenzahl im Gesamthandwerk wird vor dem Hintergrund eines kleinen erwarteten Auftragsplus nach Angaben der Betriebe nochmals leicht zunehmen. Von einer ähnlichen Entwicklung wird bei den Umsätzen ausgegangen. Nur das Bauhandwerk plant die Beschäftigtenzahlen zu reduzieren. Die Investitionsneigung allerdings ist in allen Handwerksbranchen nur gering ausgeprägt. Mehr als jeder dritte der befragten Betriebe wird seine Investitionstätigkeit im kommenden Quartal einschränken, lediglich 12 % planen eine Erhöhung ihres Investitionsbudgets.

Regionalanalyse

Die regelmäßig durchgeführte Regionalanalyse zeigt eine wirtschaftliche Abkühlung gegenüber dem Herbst letzten Jahres in der Region Hannover mit der Landeshauptstadt und in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Schaumburg. Am ungünstigsten bewerteten die Betriebe des Landkreises Hameln-Pyrmont ihre Geschäftslage (60,5 Indexpunkte), gefolgt von den Betrieben im Landkreis Schaumburg (61 Punkte). Die geringste negative Veränderung verzeichnete die Region Hannover mit einem Rückgang des Geschäftsklimaindexes von nur 2,5 Punkten auf 62 Indexpunkte. Im Landkreis Nienburg bewerteten die Betriebe ihre Geschäftslage mit 68 Indexpunkten, im Landkreis Diepholz immerhin mit 73 Punkten.

Insgesamt ist die wirtschaftliche Situation in allen Landkreisen als gut zu bezeichnen. Es ist jedoch festzustellen, dass sich die Stimmungslage überwiegend in den Regionen des südlichen Kammerbezirkes verschlechterte, wobei die Beurteilung eng mit der regionalen Auftragsentwicklung korreliert. So mussten die Betriebe im Landkreis Schaumburg ein Auftragsminus hinnehmen, im Landkreis Hameln-Pyrmont stagnierte die Auftragsentwicklung. Die Erwartungen hinsichtlich des weiteren Konjunkturverlaufes sind insbesondere in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Nienburg angesichts erwarteter Auftragsrückgänge eher verhalten. Im Landkreis Diepholz und in der Region Hannover mit der Landeshauptstadt hingegen gehen die befragten Betriebe von einer stabilen Geschäftslage in den kommenden Monaten aus.

*Der Geschäftsklimaindex ist die Summe der prozentualen Anteile der befragten Betriebe, die eine gute (Gewichtung = 1) bzw. eine befriedigende (Gewichtung = 0,5) Geschäftslage meldeten

Ansprechpartnerinnen für die Medien:
Dr. Sabine Wilp
Leiterin Abteilung 10 Kommunikation + Veranstaltungsorganisation

Rosemarie Colberg
Abteilung 3 Wirtschaftspolitik und Unternehmensberatung