Guido Sengle: Keramikvase

Handwerksform Hannover
Guido Sengle: Keramikvase

Im Januar und Februar zeigt die Handwerksform Hannover die Ausstellung "Menzelstraße 13: Siebenmal Keramik aus Kassel"

Hannover, 28. Januar 2011.- Freunde und Liebhaber der Keramikkunst dürfen sich freuen. Den Auftakt des Ausstellungsjahres in der Handwerksform Hannover bestreiten sieben Keramikerinnen und Keramiker, die eines gemeinsam haben: Sie alle haben an der Kunsthochschule Kassel studiert, wo es bis 2004 im Bereich der Bildenden Kunst eine Professur für Keramik gab. Angeregt wurde die Ausstellung "Menzelstraße 13“ von Lutz Könecke, einem Urenkel des Keramikers und Bildhauers Otto Lindig.

Die Kasseler Schule hat einen exzellenten Ruf. Von 1954 bis 1977 wurde sie von Walter Popp geleitet, der mit seinen ungewöhnlichen Gefäßmontagen und besonderen Glasuren die deutsche Nachkriegskeramik revolutionierte und die Kasseler Schule begründete. Einer seiner Schüler war Ralf Busz, der den Lehrstuhl bis 2004 innehatte. Danach wurde die Keramikklasse in Kassel geschlossen. Erhalten blieb nur die Studienwerkstatt Keramik, die bis heute von allen Studierenden der Kunsthochschule Kassel genutzt werden kann.

Das Spektrum der Objekte, die in der Ausstellung vertreten sind, ist breit. Es reicht von den betont puristischen Arbeiten von Katrin Apel bis hin zu den stark farbigen Kristallglasur-Keramiken von Werner Gnegel. Spannungsreich auch das Nebeneinander der großvolumigen Gefäßmontagen von Lutz Könecke und der kastenförmigen Raku-Objekte von Jorgos Papazissis.

Könecke montiert gern zwei oder mehrere Einzelteile zu Gefäßen und lässt dabei Formen entstehen, die frei gedreht nicht möglich wären. Bei Jorgos Papazissis steht dagegen das Material im Vordergrund. Er arbeitet er intensiv mit Ton, den er wegen seiner Vielseitigkeit, Flexibilität und Plastizität bevorzugt.

Bei Jorgos Papazissis steht dagegen das Material im Vordergrund. Seit einigen Jahren arbeitet er intensiv mit Ton, den er wegen seiner Vielseitigkeit, Flexibilität und Plastizität bevorzugt. Ihn fasziniert das Zusammenwirken der Elemente Erde, Wasser und Feuer, gerade weil es sich um einen lebendigen Prozess handelt, dessen Entwicklung nicht immer hundertprozentig kontrolliert und gesteuert werden kann. In der Ausstellung werden vor allem kastenförmige Gefäße zu sehen sein, die aus Platten zusammen montiert werden. Sie sind nur zum Teil mit einer hellen Glasur überdeckt, die eigenständige Inseln bildet, mit größeren und kleineren unglasierten Flächen dazwischen. Da wo Köneckes Gefäße glatt und rund wirken, leben Papazissis Objekte von ihrer ungeschliffenen Kantigkeit und Rauheit.

Auch die Liebhaber von Holzbrand-Keramik kommen  in der Ausstellung auf ihre Kosten. Caroline Bohlmann und Katrin Bohnacker zeigen Keramik für den täglichen Gebrauch, die in einem kleinen Phoenix-Holzofen gebrannt wird, der von früheren Keramikstudenten der Kunsthochschule Kassel nach einem Olsen-Modell gebaut wurde.

Ein besonderes Highlight der Ausstellung "Menzelstraße 13“ sind sicher auch die wunderbaren Craquelé-Keramiken von Guido Sengle, deren Strukturen entstehen, wenn sich die Gefäßmasse und die Glasur beim Brand unterschiedlich ausdehnen. Gekünstelte Formen sind Sengles Sache nicht. Er liebt funktionale Gefäße, die sich auf einfache Grundformen wie Kugeln oder Zylinder zurückführen lassen.

Jeder Formgebungsprozess beginnt für Sengle an der Töpferscheibe. Nach dem Antrocknen folgt der zweite Schritt: ein umfangreicher Abdrehprozess, dem Drechseln vergleichbar, der die Form präzisiert. Im Anschluss daran beginnt ein aufwändiger Glasur- und Brennprozess, den nicht alle Arbeiten unbeschadet überstehen. Der Weg des Keramikers führt nun einmal oftmals über einen Berg von Scherben. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Denn am Ende dieses intensiven Arbeitsprozesses stehen Gefäße von besonderer Anmut, Eleganz und zeitloser Schönheit. Normalerweise bevorzugt Sengle helle, monochrome Glasuren von zurückhaltender Farbigkeit. Aber es gibt – wie die Ausstellung zeigt – auch spannende Ausnahmen.

 

Es stellen aus:

Katrin Apel (Plastiken aus Keramik und Glas)
Caroline Bohlmann (Porzellan- und Steinzeug-Gefäße aus dem Holzofen)
Katrin Bohnacker (Porzellan- und Steinzeug-Gefäße aus dem Holzofen)
Werner Gnegel (Porzellan- und Steinzeug-Gefäße mit Kristallglasuren)
Lutz Könecke (Steinzeug-Gefäße aus dem Elektro- und Gasofen)
Jorgos Papazissis (gebaute Gefäße aus dem Raku-Ofen)
Guido Sengle (Porzellan- und Steinzeug-Gefäße aus dem Gasofen)

 

 

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 28. Januar 2011, 20 Uhr

Ort:
Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover

 

Es sprechen:
Begrüßung: Jans-Paul Ersting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover

Einführung in die Ausstellung: Dr. Walter H. Lokau, Leipzig

 

Ausstellungsführung:
Donnerstag, 10. Februar 2011, 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr mit Guido Sengle

Ausstellungsdauer:
29. Januar 2011 bis 26. Februar 2011

 

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp