Im Juni und Juli zeigt die Handwerksform Hannover die internationale Sommerausstellung "Einfach Spitze!"

Hannover, 10. Juni 2011.- Normalerweise verwendet man den Begriff "Spitze" im Zusammenhang mit Textilien. Man versteht darunter dekorative Elemente, die nur aus Garn oder aus Garn und Stoff bestehen. Allen Erscheinungsformen der Spitze ist gemeinsam, dass sie durchbrochen sind, d.h. dass zwischen den Fäden Löcher unterschiedlicher Größe gebildet werden, die sich zu filigranen Mustern zusammenfügen. Die Variationen sind vielfältig und reichen von der Nadelspitze über die Klöppelspitze bis hin zur Häkel-, Tüll- und Luftspitze.

Die Technik des Durchbrochenen findet sich aber durchaus auch bei der Bearbeitung anderer Werkstoffe wieder. Die besondere Ästhetik, die entsteht, wenn das ursprünglich textile Produktionsverfahren in andere Materialbereiche vordringt, zeigt sich in der Internationalen Sommerausstellung in der Handwerksform Hannover. 37 Kunsthandwerker und Designer aus Deutschland, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Österreich, Australien und Taiwan haben das Juryverfahren passiert und zeigen "Spitzen-Objekte" aus den Bereichen Schmuck, Textil, Papier, Metall, Keramik, Glas, Holz, Urushi und Korb.

Besonders faszinierend sind die Schmuckarbeiten dieser Ausstellung. Die in Pforzheim lebende Schmuckdesignerin Brigitte Adolph spielt mit optischen Täuschungen und setzt alte Traditionen und Techniken in neue Zusammenhänge. Wie zarte Spitze erscheinen ihre Schmuckstücke, die aus Gold und Silber gefertigt und zum Teil mit kleinen Rubinen und Diamanten angereichert werden. Das Anliegen der Diplom-Designerin ist offensichtlich. Sie will die Stofflichkeit und damit auch die Sinnlichkeit von Spitze in Perfektion nachbilden. Dabei lässt sie sich gern auf Flohmärkten inspirieren, wo sie nach Spitze stöbert, oder auch durch alte Gemälde.

Spitzenschmuck aus Silber steuert Astrid Keller zur Ausstellung bei. Sie benutzt dünnes Silberblech, das fein gefaltet wird. Das Material wird zusätzlich eingesägt, so dass es nach allen Seiten beweglich ist. Durch das Aufziehen der Falten und Sägeschnitte entsteht Schmuck, der einen eindeutig stofflichen Charakter aufweist und durch seine subtile Ästhetik überzeugt.

Die filigrane Zartheit von Spitze umgesetzt in eine unvergängliche Umsetzung aus edlem Metall zeigt Yasmin Mirza-Zadeh, die in ihren Arbeiten orientalische und abendländische Elemente miteinander vereint. Die deutsch-iranische Designerin bringt die prachtvolle Ornamentik des Morgenlandes mit europäischer Spitze zusammen und schafft damit eine ganz neue Welt. Hartes Metall wirkt bei ihr leicht und stofflich. Tradition und Moderne verbinden sich miteinander. 

Joanne Huang liebt das Spiel mit den Widersprüchen. Sie nutzt ein flexibles Material und bildet daraus solide geometrische Formen. Ihre Ringe und Broschen aus tiefschwarzem PVC in Kombination mit Silber, Seide und Papier erscheinen solide und schwer, sind aber in Wirklichkeit leicht und biegsam. Durchbrochene Schmuckteile, die den Blick ins Innere erlauben, und undurchsichtige, die die Neugier des Betrachters wecken, wechseln miteinander ab.

Das Handwerk des Spitzenklöppelns übersetzt in Metall hat Ines Schwotzer für ihren Schmuck genutzt. Sie klöppelt Edelstahldraht und fertigt daraus Schmuckobjekte von großer Leichtigkeit, die zugleich durch ihre plastischen Formen und Strukturen überzeugen.

"Spitzenobjekte" der besonderen Art sind auch bei den keramischen Arbeiten in der Ausstellung zu finden. Zum ersten Mal in der Handwerksform Hannover zu sehen sind die die Arbeiten von Hozana Gomes da Costa. Ihre Porzellanarbeiten aus der Serie"„Filigran" sind ähnlich gearbeitet wie textile Spitze. Fäden aus Limogesporzellan fügen sich zu zarten Mustern zusammen. Es entstehen Durchbrüche unterschiedlicher Größe, durch die das Licht hindurch scheint. Gebrannt werden die Arbeiten im Elektroofen bei einer Temperatur von 1160 Grad.

Die Vasen- und Schalenobjekte von Sabine Kratzer umweht ein Hauch von längst Vergangenem, Nostalgischem. Sie sammelt alte Spitzen und hält sie in Porzellan und Steinzeug eingebrannt fest. Dazu verwendet sie feinstes englisches Porzellan, das gebaut, eingeformt und teilweise gewickelt und dann im Elektroofen gebrannt wird.

Seit 2007 produziert die österreichische Designerin Hedwig Rotter unter dem Labelnamen manodesign feine Produkte – Tableware und Accessoires – die eines gemeinsam haben: Sie sind von Hand gefertigt und daher durch die Bank Unikate. Ihre Liebe gehört dem Porzellan, das sie am liebsten hauchdünn verarbeitet, um die Auflösung des Materials so weit wie möglich zu forcieren. Bei der Serie "Netzwerk", die in der Handwerksform Hannover gezeigt wird, wird Hedwig Rotter ihrem Lieblingsmaterial jedoch untreu. Die Objekte sehen zwar aus wie aus Porzellan, sind aber aus thermoplastischem Material und daher weich und unzerbrechlich.

Materialwechsel. "Zart" sind die Arbeiten von Heri Gahbler betitelt. Er steuert zur Ausstellung Gefäße bei, die mit ihrer filigranen Struktur einen Raum umgrenzen und mit möglichst wenig Material auskommen. Die Kozo-Faser, die Rinde des Maulbeerbaums, dient als Ausgangsstoff für allerfeinstes japanisches Washi-Papier. Die Fasern werden nur so weit verarbeitet, dass sie nach dem Kochen noch ihr natürliches Gefüge behalten, sich aber bereits zu einer hauchzarten Netzstruktur auffächern lassen. Die Grundform aller Gefäße bleibt gleich. Variationen entstehen durch die unterschiedliche Ausrichtung und Verdichtung der Kozo-Fasern. Auf diese Weise entstehen reizvolle, transluzente, fragile Gebilde.

Spitzen-Muster in Holz präsentiert Hans Weißflog, der international bekannte Drechsler und Designer aus Hildesheim. Bei der Sternschale wurde um 13 verschiedene Mittelpunkte gedreht. Einmal von innen und zwölf Mal von außen. Bei der dreieckigen Schaukelschale ist die Spitze nicht nur in der Durchbrucharbeit zu sehen. Auch die Form, das Dreieck, in dem die Schale sitzt, ergänzt das Thema "Spitze".

Erstmalig werden in der Handwerksform Hannover auch Arbeiten der Textilkünstlerin Heike Fellmuth-Montigny gezeigt. In aufwändiger Applikationssticktechnik entstehen in ihrer Werkstatt einzigartige Objektgewänder und Accessoires. Filigran durchbrochene Transparenz und strukturierte Plastizität sind bezeichnend für ihre kunstvolleren Stickereien und Gespinste aus Wolle, Seide, Spitze oder Kautschuk. Für ihre Objektgewänder verwendet sie vorwiegend Seide, Kidmohair und Effektgarne, die mit Polyestergarnen zusammengestickt werden. Die schichtweise übereinander gelegten Ebenen verschmelzen zu hauchzarten Texturen, die sanft, fast schwebend die Bewegungen des Körpers umspielen.

Beeindruckend die Objekte, die Designer aus Taiwan zur Ausstellung beigesteuert haben. Wir zeigen exquisiten Silberschmuck von Yu-Fang Chi, ein aus Gummiringen gestricktes "Spitzen-Kleid" von An-li Lai, Glasobjekte von Lynn Lin und ungewöhnliche Metallobjekte von Hsiao-Ting Su, die von der Origami-Kunst seiner Heimat inspiriert sind.

 

  • Die Ausstellung "Einfach Spitze" ist vom 11. Juni 2011 bis zum 09. Juli 2011 in der Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover, zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 11. Juni 2011, um 12 Uhr. Der Eintritt ist wie immer kostenlos. Mit dieser Ausstellung nimmt die Handwerksform Hannover am 18. Juni 2011 an der Nacht der Museen teil.

 

 

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr.  Sabine Wilp