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Handwerksform Hannover
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Im September und Oktober zeigt die Handwerksform Hannover die Herbstausstellung unPOLISHED: Junges Design aus Polen

Hannover, 23. September 2011.- Es gehört seit jeher zur Philosophie der Handwerksform Hannover, über den Tellerrand hinauszuschauen und Kunsthandwerk und Design aus anderen europäischen Ländern zu zeigen. In der Herbstausstellung 2011 präsentieren wir unter dem Titel unPOLISHED 14 junge Designer bzw. Designergruppen aus Polen.

Die Ausstellung unPOLISHED ist als Wanderausstellung bereits seit 2009 in Europa unterwegs. Sie wird für jeweiligen Ausstellungsorte immer wieder neu zusammengestellt. Der Ausstellungsort und der jeweilige Kontext bestimmen die Auswahl, die die Kuratoren Agniezska Jacobson-Cielecka und Pawel Grobelny treffen.

Die Leitfrage der Ausstellung lautet: Hat das polnische Design unverwechselbare Eigenarten? Auf die Antwort darf man gespannt sein.

In der Handwerksform Hannover wird nicht das Industriedesign thematisiert. Die hier präsentierten Objekte sind Prototypen, Kleinserien, Unikate. Die jungen polnischen Designer nutzen die einfachsten Materialien wie Holz, Spanplatte, MDF, Filz, bestimmungswidrig verwendete Zwischenprodukte oder recycelte Materialien. Im Rückgriff auf handwerkliche Techniken und zum Teil kombiniert mit modernen Technologien entstehen so spannende Designobjekte.  

Für die jungen polnischen Designer steht der Prozess, das Konzept, der Dialog mit dem Empfänger im Vordergrund. Ihre Objekte zeichnet nicht selten ein raffinierter Sinn für Humor und eine Distanz gegenüber klassischen Designdefinitionen aus. Diese nicht-kommerzielle, konzeptuelle, quasi-künstlerische Einstellung zum Design öffnet die Tür: für ein Spiel mit dem Design, für eine Diskussion darüber, was das Design ist und wozu es dient.

Bei AZE Design trifft Lebensweltliches auf junges Design, Alltägliches auf Prachtvolles. Anna Kotowicz–Puszkarewicz und Artur Puszkarewicz, die Gründer von AZE Design zeigen aus Grobspanplatten konstruierte und mit hochwertigem Klarlack veredelte thronartige Sitzmöbel. Sie lassen handbestickte Tischdecken Bildergeschichten erzählen. Da kann schon mal der Rotwein großzügig in Bindfäden über die Tischkante fließen.

GOGO ist ein Designer-Kollektiv, das von Marysia Makowska und Piotr Stolarski gegründet wurde. Beide Designer sind Absolventen der Fakultät für Industriedesign an der Kunstakademie Warschau. Die Objekte von GOGO sind funktional, haben gleichzeitig aber eine bizarre Note, wie die Installation von Nadelholzleisten, auf denen mehrere Uhren die Zeit unterschiedlich messen, verdeutlicht.

Bogdan Kosak entwirft Gebrauchsgegenstände aus Porzellan sowie Skulpturen aus Porzellan und Keramik. Seit 1995 hat er eine eigene Keramikwerkstatt in seinem Wohnort Cieszyn. Seine holzschuhförmigen weißen Porzellanobjekte faszinieren in ihrer scheinbaren Leichtigkeit, ihrer klaren Struktur und Anordnung.

MALAFOR entwirft und verkauft unter eigenem Namen Designmöbel, wie beispielsweise das BLOW-Sofa, das ein luftiges Sitzvergnügen auf braunem Verpackungsmaterial verspricht, und Designobjekte wie den „Active Basket“, ein leicht zu benutzender Korb für Rollstuhlfahrer. Außerdem entwirft das Studio auch Objekte angewandter Kunst, wie z.B. „Mobile“, eine Serie von Objekten „Second Life“ und die „Multicube“ Lichtskulptur.

Karina Marusińska bewegt sich in ihren Arbeiten an der Grenze zwischen Kunst und Design. Sie interessiert sich dafür, was aus einem Gegenstand einen Gebaruchsgegenstand macht, bzw. was den Gebrauch ausschließt. So erhält die Porzellanschale nur dort einen Goldrand, wo der Benutzer scheinbar „hineingebissen“ hat. Wichtig ist ihr das Wechselspiel von alt und neu, beständig und vergänglich, von Unikat und Massenprodukt. Ihre Inspiration bezieht sie aus Destruktionsprozessen, Fehlern, Abweichungen von der Norm und dem, was unvollkommen ist und aussortiert wurde.

Die in der Ausstellung unPOLISHED gezeigten Objekte wurden von 30-40jährigen Designern entworfen, die während oder gleich nach dem Systemwandel in Polen aufgewachsen sind. Diese historische Erfahrung prägt und stärkt ihre eigene Identität als Gestalter. Sie legen Wert auf ihre eigene Unabhängigkeit und widersetzen sich der Idee, dass Design allein dem Konsum diene. Die Objekte der jungen polnischen Designer zeugen von einer gemeinsamen Idee: Davon, ein deutliches Fragezeichen zwischen Design und Kunst zu stellen.

 

  • Die Ausstellung „unPOLISHED: Junges Design aus Polen“ ist vom 24. September 2011 bis zum 22. Oktober 2011 in der Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover, zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 23. September 2011, um 20 Uhr. Der Eintritt ist wie immer kostenlos.

 

Kontakt:
Dr. Sabine Wilp