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Junge Spanier haben Lust auf eine Ausbildung im deutschen Handwerk

Hannover, 22. April 2014.- Sie kommen aus Sevilla und sind am 11. April 2014 in Hannover gelandet. Seither stand zunächst vor allem eine Fortsetzung des intensiven Deutschunterrichts auf dem Programm der 15 jungen Spanier und Spanierinnen, die in Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer Hannover ein dreimonatiges Praktikum beginnen. Ihr erklärtes Ziel: Sie wollen in Deutschland eine Berufsausbildung absolvieren, um sich eine gute berufliche Perspektive zu erarbeiten. Denn in ihrem Herkunftsland sind mittlerweile fast 60 Prozent der unter 25-Jährigen arbeitslos. Die jungen Spanierinnen und Spanier nehmen an dem Projekt "Vamos! Europa, deine Zukunft" teil, das die Handwerkskammer Hannover in Kooperation mit der Region Hannover gestartet hat.

"Der demografische Wandel trifft das Handwerk mittlerweile immer stärker. Es fällt uns nicht leicht, unseren Fachkräftebedarf zu decken. Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt, weil es keine geeigneten Interessenten gibt. Daher müssen wir unsere Fühler nach allen Seiten ausstrecken, um auch weiterhin genügend Nachwuchs zu gewinnen", betonte Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, bei der Vorstellung des Projekts. Er zeigte sich überzeugt, dass es den jungen Spanierinnen und Spaniern mit einer Ausbildung im deutschen Handwerk gelingen werde, sich eine grundsolide Karriere aufzubauen. "Und ich bin mir auch sicher, dass dieses Projekt unseren Handwerksbetrieben eine interessante Perspektive bietet", erklärte Ernsting.

"Von dem Projekt profitieren die Jugendlichen und die Betriebe gleichermaßen", ist Regionspräsident Hauke Jagau überzeugt. „Den jungen Spanierinnen und Spaniern eröffnen wir eine berufliche Perspektive, die Unternehmen unterstützen wir bei der Suche nach geeignetem Nachwuchs. Außerdem füllen wir die Idee einer Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte mit Leben." Die Region Hannover unterstützt das Projekt mit insgesamt 42.500 Euro.

Es sind zwölf Handwerksbetriebe quer durch alle Sparten, die die 15 Spanierinnen und Spanier ab August 2014 ausbilden werden: Eine Bäckerei, ein Fleischer, ein Friseur, ein Kfz-Betrieb, ein Parkettleger, vier Elektro- und drei SHK-Unternehmen gehen das Wagnis ein, einen fremdsprachigen Lehrling bis zur Gesellenprüfung zu begleiten.

"Die Spanierinnen und Spanier sind hochmotiviert und seit einem halben Jahr durch einen intensiven Sprachkurs auf ihre Berufsausbildung in Deutschland bestens vorbereitet worden", erläutert Lena Specht, die das Projekt in der Handwerkskammer Hannover betreut. Auch während der gesamten Ausbildungszeit sind die spanischen Jugendlichen nicht auf sich allein gestellt. Eine Betreuerin steht für alle Fragen rund um die Eingewöhnung zur Verfügung, unterstützt sie bei Behördengängen und sorgt durch gemeinsame Aktivitäten dafür, dass sich die jungen Menschen aus Andalusien schnell im kühlen Norden eingewöhnen.

Das Projekt wird außer von der Region Hannover auch von der Europäischen Union mit dem Sonderprogramm "MobiPro" gefördert. Auf diese Weise hält sich der finanzielle Mehraufwand über die normale Ausbildungsvergütung hinaus für die Betriebe in Grenzen.

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Sabine Wilp