Konjunkturhimmel hängt voller Geigen

Handwerkskonjunktur im Frühjahr 2012 im Handwerkskammerbezirk Hannover

Hannover, 04. April 2012.- "Dem Handwerk im Kammerbezirk Hannover geht es nicht schlecht.“ Das erklärte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Jans-Paul Ernsting, bei der Vorlage der Ergebnisse der Frühjahrsumfrage. "Es geht richtig rund in der Wirtschaft im Allgemeinen und im Handwerk im Besonderen,“ meinte er.

Dabei sei positiv zu werten, dass die überwiegend vom Export getragene Konjunktur der letzten Jahre durch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nun auch wieder vom Binnenmarkt gestützt werde. Allerdings weniger vom einzelhandels- und dienstleistungsorientierten persönlichen Konsum, sondern vielmehr vom Kauf langlebiger Gebrauchsgüter wie zum Beispiel Kraftfahrzeuge und von werthaltigen Anschaffungen wie Immobilien. Ein Grund für diesen Trend seien die weiterhin niedrigen Hypothekenzinsen sowie das Fehlen sicherer Anlagemöglichkeiten an den Finanzmärkten.

Der Kammerhauptgeschäftsführer machte deutlich, dass der Geschäftsklimaindex im Handwerk gegenüber dem Vorjahresquartal noch einmal um 3,5 Punkte auf nunmehr 64 Indexpunkte gestiegen sei. Ein vergleichbarer Wert seit letztmalig vor 20 Jahren zu Zeiten der Sonderkonjunktur auf Grund der Wiedervereinigung Deutschlands erreicht worden.

Insbesondere die Umsatzentwicklung sei außerordentlich positiv verlaufen, während die Auftragseingänge mehr oder minder stagnierten. Per saldo 16 Prozent der befragten Betriebe meldeten ein Umsatzplus, das teils aber aus deutlichen Preissteigerungen auf der Verkaufsseite resultierte. Der Preisüberwälzungsgrad habe sich, so Ernsting, erheblich zugunsten der Betriebe verbessert.

Die Investitionstätigkeit zu Beginn des Jahres sei positiv verlaufen. 21 Prozent der Handwerksbetriebe kürzten ihr Investitionsbudget. Dem stehe ein Anteil von 26 Prozent gegenüber, der vermehrt investierte. Die Beschäftigtenzahlen wurden das fünfte Mal in Folge nach oben korrigiert. Zwar habe jeder zehnte Betrieb Personal abgebaut. Aber 18 Prozent stockten ihren Personalbestand weiter auf. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten sei gegenüber dem Vorjahresquartal nahezu unverändert geblieben.

Konjunktur im Bau- und Ausbauhandwerk: im Aufwind

Die Baukonjunktur zeigte zu Beginn 2012 abermals nach oben. Hintergrund dieser befriedigenden Entwicklung dürfte der schneearme Winter gewesen sein, in dem es keine lange witterungsbedingte Pause gab. Hinzu kommt – wie eingangs schon erwähnt – die Präferenz der Menschen, ihr Geld eher in Immobilien als in Aktien und Anleihen anzulegen. Aufträge und Umsätze waren weiterhin positiv, aber mit nachlassender Dynamik. Im Ausbauhandwerk stieg der Indexwert um nahezu 10 Punkte auf jetzt 69 Indexpunkte an. Auftrags- und Umsatzzuwächse waren – gemessen am Gesamthandwerk – durchschnittlich. Die Verkaufspreise konnten in 19 Prozent der befragten Betriebe angehoben werden. Die Beschäftigtenzahlen wurden in per saldo 15 Prozent der Betriebe aufgestockt.

Konjunktur im Zuliefer- und im Kraftfahrzeughandwerk: erfreulich

Sehr erfreulich verlief abermals die konjunkturelle Entwicklung im hannoverschen Zulieferhandwerk. Mit einem Indexwert von 69,5 Punkten bei der Beurteilung der eigenen Geschäftslage ist das Stimmungsbarometer um 8 Indexpunkte gestiegen. Die gute Geschäftslagebeurteilung ist mit Sicherheit auf die hervorragende Umsatzentwicklung zurückzuführen. Per saldo 44 Prozent der Betriebe dieser Branche meldeten ein Umsatzplus. Die Stimmungslage im Kraftfahrzeughandwerk ist ebenfalls gut. Mit 60,5 Indexpunkten ist die Beurteilung der Geschäftslage die beste Beurteilung seit Jahren.

Konjunktur im Nahrungsmittelhandwerk: sehr gut

Die Geschäftslagebeurteilung im Nahrungsmittelhandwerk hat sich im Berichtsquartal ebenfalls sehr gut entwickelt und liegt mit 66,5 Indexpunkten um 2,5 Punkte oberhalb des entsprechenden Indexwertes im Gesamthandwerk. Ursächlich hierfür ist eine recht gute Auslastung der Betriebe, die auch zu einem Beschäftigtenaufbau geführt.

Konjunktur im Dienstleistungs- und in den Gesundheitshandwerken: weniger freundlich

Nur in den Dienstleistungshandwerken und den Gesundheitshandwerken sieht es weniger freundlich aus. Mit einer Geschäftslagebeurteilung von 46,5 Indexpunkten bzw. 35,5 Punkten liegen diese Branchen deutlich unter dem Vorjahresquartalswert.  Das Verhältnis der Einkaufs- zu den Verkaufspreisen in der Dienstleistungsbranche hat sich gleichwohl deutlich verbessert, die Kapazitätsauslastung hingegen hat abgenommen und ist die schlechteste im Gesamthandwerk.

Erwartungen: verhalten optimistisch

Die Erwartungen der befragten Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Hannover in die weitere konjunkturelle Entwicklung im Kammerbezirk sind verhalten optimistisch. So fallen die Prognosen gegenüber denen des Vorjahresquartals bei einigen Handwerksbranchen wie dem Bauhandwerk, dem Ausbauhandwerk und den Gesundheitshandwerken deutlich schlechter aus, bei anderen wie dem Nahrungsmittelhandwerk etwas optimistischer. Das Dienstleistungshandwerk und das Kraftfahrzeughandwerk gehen mit eher gleichbleibenden Erwartungen ins kommende Quartal. Das gilt auch für das Handwerk für den gewerblichen Bedarf. 96 Prozent der befragten Betriebe dieser Branche erwarten unveränderte oder bessere Geschäftsergebnisse als im Frühjahr dieses Jahres. Die Beschäftigtenzahl im Gesamthandwerk wird nach Angaben der befragten Betriebe vor dem Hintergrund des erwarteten Auftragsplus abermals aufgestockt.

Regionalanalyse: konjunktureller Aufwärtstrend in nahezu dem gesamten Kammerbezirk

Die Regionalanalyse zeigt einen konjunkturellen Aufwärtstrend – mit unterschiedlicher Ausprägung – in fast allen Landkreisen im Kammerbezirk, in der Region Hannover und in der Landeshauptstadt. In der Landeshauptstadt Hannover wurden immerhin 69,5 Indexpunkte erreicht und im Landkreis Diepholz 76,5 Punkte. Damit erzielte der Landkreis Diepholz das beste Ergebnis im Vergleich mit den anderen Regionen. Der Landkreis Nienburg folgt mit einem Geschäftsklimaindex von 74,5 Punkten.  Am schlechtesten verlief die Regionalkonjunktur im strukturschwachen Landkreis  Hameln. Hier wurde lediglich ein, gemessen am Gesamthandwerk, unterdurchschnittlicher Geschäftsklimaindex von nur 44 Punkten erreicht. Durchschnittlich hingegen bewerteten die Betriebe des Landkreises Schaumburg ihre Geschäftslage (60 Indexpunkte) und die Betriebe in der Region Hannover (59,5 Punkte). Die Beurteilung der Konjunktur hängt abermals eng mit der regionalen Auftragsentwicklung und mit der Auslastung der betrieblichen Kapazitäten zusammen.

 

Ansprechpartnerin für die Medien:
Christine Seeger