Edelmann

Mehr E-Mobile für das Handwerk?

Dr. Frank-Peter Ahlers, Leiter des Zentrums für Umweltschutz der Handwerkskammer Hannover, gibt einen aktuellen Sachstand über das Thema Elektromobilität.

Hannover.- (ve) Das Thema E-Mobilität ist nach wie vor in aller Munde. Doch inwiefern bewegt die Handwerkerinnen und Handwerker im Kammerbezirk Hannover das Thema? Dr. Frank-Peter Ahlers, Leiter des Zentrums für Umweltschutz der Handwerkskammer Hannover, gibt einen aktuellen Sachstand über die Lage.

Herr Ahlers, wie kann man den aktuellen Sachstand zum Thema „E-Mobilität im Handwerk“ beschreiben?
Ahlers: Wir beobachten ein großes Interesse bei potentiellen Nutzern. Allerdings halten sich noch viele Handwerker mit dem Kauf zurück. Auf der Anbieterseite gibt es etwas deutlichere Signale: Einige Autohäuser haben inzwischen die Unternehmensentscheidung getroffen in Sachen Elektromobilität zu investieren, andere warten noch ab und beobachten den Markt. Bei einzelnen Energieversorger gibt es sehr konkrete Pläne, die Ladeinfrastruktur jetzt massiv auszubauen. Für den Raum Hannover hat beispielsweise enercity angekündigt, in den kommenden drei Jahren 500 Ladesäulen an öffentlichen und gewerblichen Parkflächen errichten zu wollen.

Gibt es einen Trend bei den Handwerkern zu mehr E-Mobilen?
Ahlers: Die Unsicherheiten in Hinblick auf mögliche Fahrverbote sind für viele ein wichtiges Argument, sich jetzt verstärkt mit E-Mobilität zu befassen. Viele denken aber schon weiter: Wer Energieeffizienztechnik verkaufen oder mit Umweltschutzargumenten überzeugen will, kann besser auftreten, wenn er mit dem Elektroauto beim Kunden vorfährt und sagen kann, dass sogar der Strom dafür von seiner eigenen Fotovoltaikanlage kommt.

Wie viele Handwerksbetriebe haben bereits ihren Fuhrpark umgerüstet?
Ahlers: Die Zahl der Handwerker, die ihre vorhandenen Fahrzeuge zu reinen Elektrofahrzeugen umrüsten, ist sehr gering. Wenn ein Handwerksbetrieb 30.000 Euro in die Hand nimmt, um seinen T4-Transporter umzurüsten, macht er das in erster Linie aus persönlicher Überzeugung und mit dem Ziel das in besonderer Form für sein Unternehmen nutzen zu können. Die ersten Handwerker haben bereits Elektrofahrzeuge als Transporter beschafft. Etwas schneller steigt die Zahl der Handwerker, die ein Elektroauto als PKW in die Firmenflotte integrieren.

Was müssen Handwerker wissen, die sich für das Thema E-Mobilität interessieren?
Ahlers: Sie sollten sich als allererstes darüber klar werden, was das E-Fahrzeug in ihrem Fuhrpark können muss. Handwerker, die jederzeit zum Kunden fahren können oder die in ganz Deutschland mit Werkzeug und Material unterwegs sein müssen und deren Fuhrpark nur aus einem Auto besteht, brauchen ein anderes Fahrzeug, als jemand, der nur in einem Radius von 30 km um seinen Standort unterwegs ist oder jemand, der Tag für Tag 60 km fährt und seine Filialen beliefert. Im ersten Fall gibt es derzeit noch keine passenden Fahrzeugangebote, für den zweiten kann das geeignete Fahrzeug heute schon problemlos bei dem Autohaus bestellt werden.

Wo können Sie sich beraten lassen?
Ahlers: Beim Zentrum für Umweltschutz der Handwerkskammer Hannover sowie und bei Handwerkskollegen, die bereits Elektrofahrzeuge im Einsatz haben.

Wann sollten Sie sich beraten lassen?
Ahlers: Am besten schon ein bis ein halbes Jahr bevor ein Fahrzeugwechsel oder eine Neuanschaffung ansteht.

Wie sieht es mit der Förderung aus?
Ahlers: Für Handwerker gilt dieselbe E-Mobilitätsprämie wie für private Autokäufer: Der sogenannte Umweltbonus beträgt insgesamt 4.000 Euro. 50 Prozent davon über den jeweiligen Hersteller, 2.000 Euro über die Antragstellung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Hinzu kommen regionale Programme zur Förderung von Ladesäulen auf den Firmenparkplätzen.

Inwiefern ist das Thema E-Mobilität Ihrer Meinung wichtig für das Handwerk?
Ahlers: Es ist wichtig, weil die Schadstoffbelastung in den Innenstädten und die Minderung der CO2-Emissionen bekanntlich nur funktioniert, wenn auch das Thema Mobilität angefasst wird. Da für das Handwerk Mobilität essentiell ist, muss sich das Handwerk frühzeitig mit Elektromobilität auseinandersetzen, damit wir weiterhin zu unseren Kunden kommen können. Das technische Anforderungsprofil von typischen Handwerkerfahrzeugen mit langen Standzeiten beim Kunden oder gut planbaren Auslieferfahrten, lässt sich mit E-Fahrzeugen in vielen Anwendungsfällen oft schon heute abdecken. (07.08.2017)

Dr. Frank-Peter Ahlers

Abteilungsleiter Zentrum für Umweltschutz

Berliner Allee 17
30175 Hannover
Tel. (05 11) 3 48 59 - 97
Fax (05 11) 3 48 59 - 32
ahlers--at--hwk-hannover.de